Der richtige Mix ist harte Arbeit

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14 international bekannte DJs brachten an Silvester wieder Leben ins „Nachtlicht“.

Ober-Roden ‐ Sie nennen sich „Patrick DSB“, „Virgil Enzinger“ oder „DJ Bold“, ihre Namen kennt man in Techno-Clubs in halb Europa. Für eine Nacht mixen sie ihre Klangteppiche in Ober-Roden. Von Ekkehard Wolf

14 DJs hat die Rodgauer Agentur „Bullshit Bookings“ fürs „Nachtlicht“ engagiert, damit in dem ehemaligen Club noch mal die Wände erzittern.

Während einige hundert junge Leute den Jahreswechsel feiern, ist für die Männer am Mischpult volle Konzentration angesagt: Die DJs heizen die Menge an und putschen sie auf. Immer härtere, schnellere und lautere Beats treiben den kollektiven Pulsschlag in die Höhe. Erst gegen Morgen geht das Tempo allmählich zurück: Nach Techno und Hard Techno holt der „Minimal“-Stil die Leute wieder auf die Füße zurück. „Open end“ heißt es in dieser Nacht, die letzte DJ-Schicht wird um 5.30 Uhr beginnen.

Die Beats sind glasklar und metallisch

Schon früh am Abend war die Techno-Party gut besucht. Wer wollte, konnte bis zum Frühstück feiern.

Doch noch ist Silvester, 20 Uhr: Bevor sich das „Nachtlicht“ in einen Techno-Club verwandelt, ist es ein ungemütlicher Ort. Es ist unangenehm kühl, das helle Licht betont jede Macke an den kahlen Wänden, die Lüftung erzeugt eine brummende Unruhe. Alle paar Minuten poltert jemand gegen die Stahltür zum Kellerbüro - Schlüssel scheinen knapp zu sein. In dieser Atmosphäre wollen nicht mal die ersten Drinks schmecken. Diese Erfahrung machen die Lebensgefährtinnen zweier DJs, die einander mit Wodka-Orange zuprosten. Stimmt etwa die Mischung nicht? „Ich habe mich genau an die Vorgaben gehalten“, sagt der Barmann. Während er Eiswürfel in die runden Eisbehälter an der Bar schaufelt, gibt es nebenan am „Timetable Allstars Floor“ Probleme mit dem Computer. Der mitgebrachte Laptop bekommt einfach keine Verbindung zu den anderen Geräten. Währenddessen fährt DJ Frank Kvitta den Verstärker hoch: Die Beats sind glasklar und metallisch, die tiefen Bässe gehen direkt in den Bauch. Perfekt. Nachher werden die DJs mit speziell angepasstem Gehörschutz hinter dem Mixer stehen. Schließlich brauchen sie die Ohren für ihren Job. Frank Kvitta ist seit zehn Jahren im Geschäft: „Man muss Musik- und Rhythmusgefühl haben, um die richtigen Mixe aufzulegen.“ Dabei spielen auch Intuition und ein Gespür fürs Publikum mit: „Die Kunst besteht darin, das komplette Set so zu spielen, dass es wie ein einziges Stück wirkt, mit fließenden Übergängen.“ Das ist nicht nur Kopfsache, sondern fordert auch den Körper, denn auch als DJ tanzt man unwillkürlich mit. „Nach eineinhalb Stunden ist man geschafft“, verrät Boris Schalk, in der Clubszene als „Boris S“ bekannt: „Man stellt sich das so einfach vor, der legt nur ein paar Platten auf, aber es ist richtig anstrengend.“

Liveauftritte dauern 60 Minuten

Das bestätigt auch Alex Kvitta. Er ist im Hauptberuf Flugzeugmechaniker und jettet an den Wochenenden zu Clubs in mehreren Ländern. Unter dem Namen „Prototyp 21“ spielt er Techno live, in dem er Klangschnipsel aus dem Computer mit eigenen Rhythmen immer wieder neu zusammenmixt. Solche Liveauftritte dauern 60 Minuten: „Da leistet man alleine das Gleiche wie eine ganze Band. Und es geht immer irgendwas schief: Irgendein Controller versagt oder der Rechner steigt aus… Man darf sich das nur nicht anmerken lassen und muss ganz cool weitermachen.“

Quelle: op-online.de

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