BMX-Radler haben großes Vertrauen zueinander

Riskante Sprünge über Kuppen und die Kumpels

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Norman Gotta ist fast täglich auf der BMX-Strecke in Waldacker. Wie seine Freunde geht er auf die Nell-Breuning-Schule in Ober-Roden.

Waldacker - Massive, kompakte Fahrräder mit grobstolligen Reifen, mit denen man kraftvoll durch unwegsames Gelände und über Hügel fahren kann, um Power, Koordinationsfähigkeit und Mut auszuprobieren, heißen BMX-Räder und sind meist in den Randgebieten der Ortschaften anzutreffen. Von Christine Ziesecke

Östlich von Waldacker gibt es eine durchaus anspruchsvolle BMX-Bahn, wo sich Alexander Bensel - genannt Sascha -, Dominik Braun und Norman Gotta, alle aus Ober-Roden, und Patrick Morian aus Dudenhofen fast täglich treffen.

Sie sind 13 Jahre alt, besuchen die Nell-Breuning-Schule und sind so verschieden, wie man sich's nur vorstellen kann: der eher, etwas rustikale Norman, der fast schüchtern wirkende Dominik, der sich dafür entschuldigt, dass er am schlechtesten springt, weil er erst vor kurzem mit dem BMX-Sport angefangen hat, der smarte Sascha mit hochgestelltem Kragen und gegelten Haaren.

Er, der unbestrittene Meister der Gruppe, hat sich sein Rad Stück für Stück selbst zusammen gebaut. Wie seine Kumpels auch hat er die Einzelteile im Internet oder im Baumarkt erstanden und für gerade mal 100 Euro ein erstklassiges Querfeldein-Bike gebastelt. Die Räder werden gehütet, doch untereinander wie selbstverständlich ausgeliehen.

INFO-ECKE

BMX steht für Bicycle Moto Cross und bezeichnet eine Ende der 60er Jahre in den USA entstandene Sportart, die sich bis heute großer Popularität erfreut. Geübt und demonstriert werden dabei akrobatische Kunststücke wie Sprünge, 360-Grad-Drehungen, und Figuren wie Backflips und diverse Grinds, über Hindernisse und im optimalen Fall durch Half Pipes.

Die Gruppe ist fast täglich hier im Wald, ebenso wie Kevin Gareis, der auch ohne Rad mal kurz vorbeischaut. „Oft sind wir rund 20 Leute aus Rödermark und Rodgau“, erzählt Norman. BMX ist ihr einziges echtes Hobby, und sie haben räumlich fast keine Alternative. „In Jügesheim gibt es noch eine Bahn, die ist eigentlich noch besser, aber sie ist auch weiter weg“, argumentiert Sascha. In Ober-Roden gab es einst eine Wettkampfbahn im Industriegelände, aber die wurde zugebaut. „Früher sollten wir mal hinterm Hallenbad eine Bahn bekommen, aber das lehnt der Bürgermeister zur Zeit dauernd ab!“ - wahrscheinlich, weil immer noch der vorläufige Ersatz fürs Urberacher Jugendzentrum da angedacht ist. So bauen die Jungs halt notgedrungen in Waldacker weiter. „Aber es ist auch nicht so toll, jeden Tag mit der Schippe in den Wald zu kommen“, mault einer.

Dass in letzter Zeit zunehmend Müll und im April Hunderte von Rasierklingen herumlagen, finden sie unmöglich: „Das sind Drecksäue; die machen das nur, damit wir einen Platten kriegen - aber hier fahren ja auch andere Menschen herum, auch Mütter mit Kinderwägen, und laufen Hunde - das ist einfach saudumm.“

Die BMX-Radler bedauern auch, dass die Tore auf dem angrenzenden Bolzplatz kein Netz haben, was schon oft dazu geführt hat, dass Unbeteiligte einen Ball an den Kopf bekommen haben.

Quelle: op-online.de

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