Auch wer glaubt, den Bach zu kennen, erlebt Überraschungen

Rödermark: Rodau renaturiert sich selbst

Ein Biotop hat der Nabu am „Park an der Rodau“, dem früheren Ober-Röder Festplatz, angelegt und will es nun so weit wie irgend möglich sich selbst überlassen.
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Ein Biotop hat der Nabu am „Park an der Rodau“, dem früheren Ober-Röder Festplatz, angelegt und will es nun so weit wie irgend möglich sich selbst überlassen.

Wer in Rödermark an die renaturierte Rodau und den informativen Lehrpfad über sie denkt, hat meist die Rodauquelle und den Bach entlang des Oberwiesenwegs mit seinem künstlich gewundenen Bett vor Augen. Hier liegt allerdings auch das Problem: Der mit menschlicher Hilfe in ein mäanderndes Bett verlegte Bach ist mittlerweile so idyllisch geworden, dass er zu einem richtigen Park und in den heißen Sommern ein Naherholungsziel für Kindergärten, Schulklassen, Familien oder Gruppen jeder Art wurde. Schön für die Menschen, aber schlecht für Vögel wie Kiebitz oder Eisvogel.

Rödermark - Ganz anders ist das – sehr zur Freude der Rödermärker Naturschützer – am östlichen Bachstück, ehe die Rodau bei Rollwald das Rödermärker Stadtgebiet verlässt. Hier wird sie bislang weitgehend sich selbst überlassen, wobei sie sich – wenn auch über viele Jahre – ihren eigenen Lauf bahnt.

Diese weitgehende Unberührtheit hat ganz nüchterne Gründe. Denn allein auf dem Abschnitt zwischen dem einstigen Festplatz und der Kläranlage Ober-Roden grenzen 67 Flurparzellen an den Bach. Jeder Eigentümer müsste für eine „aktive“ Renaturierung sein Einverständnis geben und einen Teil seines Grundstücks abtreten. Deshalb vertraut der Naturschutzbund (Nabu) hier der „passiven“ Renaturierung, und die Rodau arbeitet tatsächlich ständig an ihrem Bett. Jedes Hochwasser etwa schwemmt den seitlichen Wall etwas höher und damit das Bett breiter an. An der breitesten Stelle hat sich die Rodau bereits auf 13 Meter ausgedehnt; in rund 50 Jahren könnte hier ein weitgehend natürlicher Lauf entstanden sein.

Das alles konnten die Teilnehmer am sonntäglichen Spaziergang entlang des neuen Rodau-Lehrpfades aus anerkannter Quelle erfahren: Rödermarks Nabu-Vorsitzender Dr. Rüdiger Werner hatte den gut dreistündigen Ausflug bewusst „verkehrt herum“ angelegt, denn erst jetzt im Herbst ist es machbar, gerade die weniger bekannten Abschnitte der Rodau ungestraft inspizieren zu können. Nun sind Feld- und Wiesenränder vorsichtig begehbar, was für einen genauen Blick ins teilweise sogar recht tiefe Bachbett unerlässlich ist. Was aber bei anfangs vier und am Ende rund sieben Grad Kühle und klatschnassen Wiesen auch eine rechte Herausforderung für das gute Dutzend (überwiegend weiblicher) Teilnehmer wurde.

Zur Belohnung gab"s allerdings nicht nur Informationen über die Inhalte der 29 Tafeln des Lehrpfades hinaus, sondern auch ganz einzigartige Blicke – etwa auf das Biotop, das Nabu-Mitglieder der Rodau gleich neben dem neugebauten Kindergarten am einstigen Festplatz, angelegt haben. Hier wurde der Bach in zwei Läufe geteilt, ein kleiner Teil also abgezweigt und zu einer Art stehendem Gewässer gestaut, der nun möglichst sich selbst überlassen bleibt.

„Wir haben für den rund 25 Zentimeter tiefen Bach hier einen rund 60 Zentimeter hohen Wall angelegt. Das Wasser verdunstet nach und nach, doch schon in diesem Jahr war dieser neue Tümpel mit Wasserlinsen überzogen, hatte zwei Seerosennester und eine Entenfamilie beherbergt“, freut sich Rüdiger Werner. Selbst die Nabu-Mitglieder schauen nur vom Wall aus gelegentlich nach dem Rechten. Die Biotopfläche muss absolut unberührt bleiben. Auch weiter Richtung Osten zeigt sich deutlich, was der Bach schafft, wenn man ihn nur lässt: Hier hat die Rodau sich auf gut 50 Meter selbst renaturiert, ohne dass der Mensch eingreifen musste.  (Christine Ziesecke)

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