Rödermärker klagt gegen Bundesrepublik

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Xuan Nguyen hält seit Monaten über Internet-Telefonie Kontakt zu seiner Frau Thuy Kim Huong Pham.

Ober-Roden ‐ Xuan Nguyen ist wahrscheinlich der einzige Rödermärker, der gegen die Bundesrepublik Deutschland klagt. Vorm Verwaltungsgericht in Berlin will er erreichen, dass seine Frau, die er vor eineinhalb Jahren in Vietnam geheiratet hat, nach Ober-Roden kommen darf. Von Michael Löw

Das Auswärtige Amt wirft dem 47-Jährigen und der 26-Jährigen vor, unter dem Deckmantel der Familienzusammenführung nur eine Scheinehe geschlossen zu haben. Das Paar habe sich bei Befragungen im Kreishaus in Dietzenbach und im deutschen Generalkonsulat in Ho-Chi-Minh-Stadt in Widersprüche verwickelt, erklärt das Auswärtige Amt. So habe Nguyen nicht sagen können, ob der das Tet-Fest im Februar 2008 mit seiner künftigen Frau verbracht hat. Dieses traditionelle Fest im Kreise der Familie zu feiern, ist nach Ansicht der Behörden ein Muss für jedes vietnamesische Paar. Unterschiedlich beantwortet hätten die beiden auch Fragen nach Hobbys oder ab wann sie ein „festes“ Paar seien.

„Hier wird in mein Persönlichkeitsrecht eingegriffen, um meine legale Ehe zu verhindern“, hält Nguyen dagegen. Er kam im April 1988 nach Deutschland und wurde am 21. Dezember 2001 eingebürgert. Mit Hilfe eines Freundes und inzwischen der zweiten Anwältin kämpft er um eine Aufenthaltsgenehmigung. Ihre Argumente: Die Frage, seit wann eine Beziehung „fest“ sei, beantworte jeder Partner im Nachhinein unterschiedlich - besonders, weil die Befragung in zwei Ländern stattgefunden habe. Und wenn er die Arbeit als Hobby bezeichne und sie sage, er habe vor lauter Arbeit keine Hobbys, sei das auch kein Widerspruch.

Xuan Nguyen wirft den deutschen Behörden zudem vor, in der Intimsphäre seiner Frau herumzuschnüffeln. Gemeint sind Fragen nach der Art ihres Toilettenpapiers oder der Marke ihrer Unterwäsche.

Hintergrund-Daten

  • Vor dem Verwaltungsgericht Berlin sind derzeit fast 1 800 Visa-Verfahren anhängig, erläuterte Richter Stephan Groscurth auf Anfrage. Meist handelt es sich - wie im Fall Nguyen/Pham - um den Nachzug eines ausländischen Ehepartners. Seltener geht es um den Nachzug von Kindern oder anderen Angehörigen beziehungsweise Besuchervisa.
  • 34 Kammern, die jeweils mit drei Richtern besetzt sind, entscheiden über Zustimmung oder Ablehnung. Trotzdem dauern die Verfahren ungefähr ein Jahr.
  • Vor einer Verhandlung bietet das Gericht beiden Parteien die Möglichkeit einer Anhörung. Nach Auskunft von Richter Groscurth ziehen viele Kläger ihre Klage zurück, weil sie erkennen, dass sie aussichtslos ist.
  • Kommt es zu einer Verhandlung, werden die Klagen laut Groscurth ebenfalls zum überwiegenden Teil abgewiesen.
  • Von einer Scheinehe sprechen die Ausländerbehörden übrigens, wenn sie innerhalb von drei Jahren nach der Hochzeit geschieden werden.

Quelle: op-online.de

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