Beleidigungen im weltweiten Netz

Internet als Dreckschleuder

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Wer Schmähungen im Internet verbreitet, muss mit empfindlichen Strafen rechnen.

Rödermark - Beleidigungen im Internet sind nicht nur unter Jugendlichen in Facebook & Co. üblich. Auch Menschen im gesetzten Alter verschicken unterm Deckmantel vermeintlicher Anonymität wüste Beschimpfungen.

Dabei ist das Risiko, erwischt zu werden, extrem hoch - trotz aller Möglichkeiten, seine Spuren im weltweiten Datennetz zu verwischen. Ein Fall aus Rödermark:

Der Täter hatte im Online-Forum unserer Zeitung den Magistrat aufs Übelste beleidigt und bedroht. Die Magistratsmitglieder gehörten auf den Scheiterhaufen, hatte der Rödermärker sinngemäß getönt. Bürgermeister Roland Kern erstattete Strafanzeige, unsere Zeitung hatte die Beleidigungen im Netz natürlich gelöscht. Die Polizei machte die IP-Adresse des Krakelers, sozusagen die Hausnummer seines Computers, ausfindig, die Staatsanwaltschaft leitete ein Strafverfahren ein. Bürgermeister Kern teilte kürzlich mit, das Verfahren sei gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Der ausfällig gewordene Rödermärker muss 300 Euro blechen. Auch muss sich der Mann in aller Form bei den Mitgliedern des Magistrats entschuldigen.

27 Fälle von Beleidigungen im Internet wurden 2012 bei der Offenbacher Polizei angezeigt, sagte Rudi Neu von Pressestelle des Präsidiums Südosthessen auf Anfrage unserer Zeitung. 25 Fälle wurden aufgeklärt. Welche technischen Kniffe die Computerexperten der Polizei dabei anwenden, will der Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen natürlich nicht verraten: „Sonst könnten die Kollegen ihre Arbeit einstellen.“

Spuren verwischen

Rainer Lechtenböhmer, der Leiter des Internet-Kommissariats der Polizei, gab uns aber einen Einblick in die schwierige Arbeit der Ermittler. „Wer jemanden gezielt beleidigen will, tut alles, um seine Spuren zu verwischen“, sagt Lechtenböhmer. Wer sich auskennt, kann sich eine Einmal-E-Mailadresse besorgen, die nach zehn Minuten aufhört zu existieren. Schlappe 20 US-Dollar pro Jahr kosten die Dienstleistungen spezieller Provider, die ihren Kunden nahezu vollständige Anonymität garantieren. Sie verschicken ihre Mails über mehrere Server rund um den Globus. Einfach gesagt: Zwischen dem Computer des Beleidigers und dem seines Opfers werden Rechner in aller Welt geschaltet, um die Spur zu verwischen. Die stehen vorzugsweise in Ländern, deren Rechtsverständnis nicht unbedingt deutschen Standards entspricht. Das macht die Nachforschungen natürlich sehr schwierig.

Lechtenböhmer vergleicht die IP-Adresse eines Computers mit dem Kennzeichen eines Autos: „Man weiß also nie: Wer saß am Steuer?“ Problem Nummer zwei bei bekannter Adresse: Sitzt der Provider im Ausland, muss die Polizei ein internationales Rechtshilfe-Ersuchen ankurbeln. Das ist umständlich, teuer und langwierig.

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Die Staatsanwaltschaft Darmstadt führt nach Auskunft ihres Sprechers Sebastian Zwiebel keine gesonderte Statistik über Stalking und Internet-Beleidigungen. Zwiebel rät allen, die in sozialen Netzwerken unterwegs sind, zu extremer Vorsicht mit ihren Daten.

Aussagen zum möglichen Strafmaß kann der Ermittler keine treffen. Oftmals würden die Verfahren wie im Rödermärker Fall gegen Auflagen eingestellt. Freiheitsstrafen gebe es nur bei massiver Bedrohung.

Sicherheit im Internet

Quelle: op-online.de

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