Coronavirus

Rödermark: Lichtblick für Bewohner des Franziskushauses im Corona-Impfchaos

Grünes Licht für ihre Corona-Impfung erhielten die 13 Frauen und Männer der Demenz-WG im Franziskushaus, obwohl sie noch gar nicht an der Reihe waren.
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Rödermark: Grünes Licht für ihre Corona-Impfung erhielten die 13 Frauen und Männer der Demenz-WG im Franziskushaus, obwohl sie noch gar nicht an der Reihe waren.

Im Coronavirus-Impfchaos gibt es manchmal auch Lichtblicke. In Rödermark sind 13 demente Bewohner des Franziskushauses geimpft worden, obwohl sie noch gar nicht an der Reihe waren.

Rödermark – Eine ambulant betreute Demenz-WG ist kein Altenheim. Ihre Bewohner zählen im Normalfall nicht zur höchsten Risikogruppe, deren Angehörige als erstes gegen das Coronavirus geimpft werden. Die 13 dementen Frauen und Männer aus dem Franziskushaus hätten deshalb von Amts wegen die Impfung eigentlich frühestens im März oder April bekommen sollen.

Doch nach einem Covid-Verdachtsfall im November hatten die Alarmglocken geschrillt. Nina Bernitt, deren Mutter in der Demenz-WG im Franziskushaus in Rödermark lebt, ist deren Sprecherin und kämpfte seit Anfang Dezember um Impftermine: Anrufe und Mails bei der Corona-Hotline des Sozialministeriums, beim Kreisgesundheitsamt und der Stadt, Gespräche innerhalb der Mietergemeinschaft, Nachfragen bei vergleichbaren Häusern und Pflegediensten hatten nur ein Ziel: Wie und wann kommt ein mobiler Impftrupp ins Franziskushaus?

Bewohner des Franziskushauses in Rödermark sollten mobil gegen das Coronavirus geimpft werden

Die 13 WG-Bewohner haben kein einheitliches Krankheitsbild. Die Spanne reicht von verwirrten Hochbetagten, die ihr Bett nicht mehr verlassen können, bis hin zu Mittsechzigern, die geistig und körperlich noch ein Stück weit beweglich sind. Mit Rücksicht auf die Schwächsten kam für Nina Bernitt und Heide König von der Mietergemeinschaft nur eine Impfung gegen das Coronavirus vor Ort in Frage.

Ein vorsichtiges „Ja“ hörten sie am 22. Januar vom Gefahrenzentrum des Kreises. Aber die Einschränkung folgte sofort: Weiteres Nachfragen ergebe mangels Impfstoff vor Februar keinen Sinn. Doch schon am 28. Januar rief Ana Waldheim, die Leiterin des Artemed-Stifts auf der anderen Straßenseite, bei Heide König an: Die Bewohner ihres Hauses würden am 5. Februar von mobilen Teams geimpft. Ana Waldheim wollte den Chef fragen, ob er seine Leute nicht auch rüber ins Franziskushaus schicken könne.

Coronavirus-Impfung: Am 3. Februar kam ein Impfteam ins Franziskushaus in Rödermark

Doch beim Warten auf die Antwort folgte der nächste Aufreger: Neun von zehn Bewohnern einer ebenfalls ambulant betreuten Demenzgruppe im Ginkgo-Haus Langen hatten sich mit dem Coronavirus infiziert. Und bei Nina Beritt wuchs die Sorge, dass sich auch ihre Mutter mit dem Coronavirus infizieren könnte: „Wir hatten Angst, dass es uns genauso geht, wenn nichts geschieht“, sagt sie. Beritt und Heide König machten mit dieser Sorge Druck beim Kreis und erwähnten den Impftermin im Artemed-Stift. Der Mitarbeiter im Gefahrenzentrum wollte sich darum kümmern.

Wenig später war es dann so weit: Am 3. Februar mailte Ana Waldheim, dass der Impftrupp zwei Tage später ins Franziskushaus komme. Alle 13 Mieter der Demenz-WG bekamen ihre erste Impfung gegen das Coronavirus und haben den Impfstoff von Biontech/Pfizer gut vertragen.

Angehörige der Bewohner des Franziskushauses sind froh über die Coronavirus-Impfung

„Wir sind sehr dankbar, dass wir durch die zahlreichen Anrufe und E-Mails auf uns aufmerksam machen konnten und dass wir durch die Hilfe insbesondere von Artemed und dem Kampfgeist von Ana Waldheim endlich ans Ziel gekommen sind“, zieht Nina Bernitt jetzt Bilanz. Und sie hofft auf ein Umdenken: Auch eine ambulant betreute WG sollte bei der Coronavirus-Impfung wie ein Heim behandelt werden. Denn für Menschen mit Demenz sei ein Impfzentrum weit, weit entfernt. (Michael Löw)

Weitere Informationen rund um das Coronavirus und seine Ausbreitung im Landkreis Offenbach finden Sie auf der Seite der Stadt Rödermark.

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