Leere Schaufenster

Einzelhandel auf dem Rückzug

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Im leeren Schaufenster des „Zehnthof“ spiegelt sich das leere Schaufenster des Schreibwarengeschäfts Berker. Rödermarks Einzelhandel macht eine tiefe Strukturkrise durch. In einigen Ecken ist neues Leben absehbar: In den „Zehnthof“ zieht demnächst ein Eiscafé, in einem ehemaligen Drogeriemarkt in der Frankfurter Straße eröffnet schon bald ein italienischer Feinkostmarkt. Gewerbeverein und Wirtschaftsförderung versuchen gemeinsam, die Lücken zu schließen.  

Rödermark - 21 leere Schaufenster allein in Urberach zeigen: Im klassischen Einzelhandel klingeln die Kassen nicht mehr richtig. Das Rödermärker Gewerbe macht einen tiefgreifenden Wandel durch, der sich auch in seiner Interessenvertretung widerspiegelt. Von Michael Löw

Nur noch jedes dritte Mitglied des Gewerbevereins führt ein Ladengeschäft.

Der Umbruch im Einzelhandel war indes nicht die einzige Sorge, die dem Gewerbeverein Kopfzerbrechen bereitet. Hans-Jürgen Arendt, Schriftführer im Vorstand, beklagte bei der Hauptversammlung zum Beispiel auch Trägheit und Desinteresse. Vorm Frühlingsmarkt habe er in etlichen Geschäften bis zu acht Mal regelrecht betteln müssen, bis er eine Zu- oder Absage hatte. Arendt gehört zum fünfköpfigen Team, das nach der überraschenden Geschäftsaufgabe von Karl-Heinz und Monika Hitzel im vorigen Herbst die Märkte organisiert - also die Veranstaltungen mit der größten Außenwirkung.

Röder-Markt entlang der Rodau

Außenwirkung im doppelten Sinne erhofft sich Gewerbevereins-Vorsitzender Manfred Rädlein auch vom „Röder-Markt 2014“, dem Nachfolger der „Uhiga“. Nicht unterm Hallendach, sondern in der grünen Mitte entlang der Rodau wollen Handel, Handwerk und Dienstleister um Kunden werben. Rädlein hätte gern gesehen, dass der „Röder-Markt“ Teil eines zweiten „Rödermark-Festivals“ wird - oder umgekehrt. Doch die Stadt verzichtet mangels Geld auf ein aufwändiges Kultur- und Sportspektakel. Jetzt versucht Rädlein, zumindest die Messe „Fitness & Business“ zu integrieren.

Das Verhältnis zwischen Stadt und Gewerbeverein ist alles andere als konfliktfrei. Rädlein sprach den Dauer-Reibungspunkt Weihnachtsbeleuchtung an: „Das ist normalerweise Aufgabe einer Stadt.“ Aber die Kommunalen Betriebe Rödermark würden schon seit Jahren „über die hohen Kosten fürs Aufhängen der von uns gesponserten Birnchen und den Strom jammern“. Rädlein möchte Lichterketten und Sterne am liebsten der Stadt schenken, damit der Gewerbeverein nicht länger die Kosten am Bein hat: Noch kommt er jährlich mit etwa 1 500 Euro für neue Leuchtmittel aus. Doch wenn er auf LED-Technik umsteigen muss, befürchtet Rädlein eine Kostenexplosion auf bis zu 10.000 Euro.

Schnell und billig das Stadtbild verschönern

Rädlein und sein Vorgänger Helmut Schrod kritisierten, dass der Magistrat die gemeinsame Aktion „Wir für Rödermark“ habe einschlafen lassen. Mit der sollten kleinere, schnell und billig umzusetzende Ideen zur Verschönerung des Stadtbildes verwirklicht werden. Obwohl noch fast 100 Vorschläge in diversen Schubläden schlummerten, sei voriges Jahr nur eine Bank unterhalb der Bulau aufgestellt worden.

Die verklebte Tür des Marktplatz-Cafés spricht eine deutliche Sprache.

Kassenprüfer Hans Gensert forderte, dass die Stadt dem Gewerbeverein finanziell entgegenkommt. Seiner Ansicht nach müsste sie auf alle Gebühren für Veranstaltungen verzichten: Für Märkte auf den Hauptstraßen muss der Verein 600 Euro zahlen, der gemeinsame Neujahrsempfang reißt mit 1 100 Euro ein noch tieferes Loch in die Kasse. „Die Märkte sind Wirtschaftsförderung und nachhaltiges Standortmarketing für alle und dienen nicht dem Gewinnstreben einzelner Firmen“, sagte Gensert. Lokale Wirtschaftsförderung sind auch die Gutscheine, die der Gewerbeverein verkauft oder verlost. Schatzmeister Thomas Rosenblatt rechnete vor, dass voriges Jahr Gutscheine im Wert von 10.915 Euro in Umlauf gebracht wurden. Das sei Geld aus Rödermark, das in Rödermark bleibe.

Quelle: op-online.de

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