Einzelhandel schwächelt

Hoffen auf knackige Kälte

+
Winter-Ware ist jetzt günstig. Schnäppchen soweit das Auge reicht - wie hier im „Intersport Profimarkt“ in Urberach.

Rödermark - Seit Wochen verdient der Winter seinen Namen nicht. Temperaturen bis zu 17 Grad vertragen sich nicht mit dicken Daunenjacken, Mützen und Schals. Das bekommt der Einzelhandel zu spüren. Von Bernhard Pelka

Besonders die kleinen und feinen Fachgeschäfte, die eigentlich mit der großen Internetkonkurrenz schon genug zu kämpfen haben, beobachten die Lage angespannt. „Das war ja schon im vergangenen Frühjahr und Sommer so. Da war es ungewöhnlich lange kalt“, beschreibt Heide Arendt das Problem, dass der Textilhandel extrem vom Wetter abhängig ist. Ihr Mann Hans-Jürgen ist Inhaber der Damen-Boutique „Biancheria“ am Ober-Röder Marktplatz. Das Ehepaar bietet ausschließlich exklusive Markenwaren an.

Als das Thermometer einfach nicht fallen wollte, reduzierte Heide Arendt für Stammkunden vereinzelte Stücke schon vor Weihnachten. Inzwischen ist natürlich generell heruntergepreist: 30 bis 50 Prozent. „Ich bekomme ja schon die Frühlingsware. Das ist schwierig. Dicke Jacken und Schals sind bisher kaum gegangen.“ Auf einen richtigen Wintereinbruch hofft am Marktplatz auch Helga Schrod im schicken Fachgeschäft gegenüber. Die erfahrene Einzelhandelskauffrau betreibt „helga’s Mode für Männer & Frauen“ schon seit 28 Jahren an der Frankfurter Straße 14 mit Erfolg. „Der Winter kommt“, sagt die Geschäftsfrau zuversichtlich.

Reduzierte Ware

Natürlich hat auch sie Saisonware schon reduziert - zusätzlich zur ständig bereitstehenden Aktionsware. „Den klassischen Schlussverkauf gibt es ja nicht mehr“, sagt Helga Schrod. Sie beobachtet, wie sich das Kaufverhalten der Kunden verändert. Das ist ein Spiegel geänderter Lebensgewohnheiten - etwa beim Reisen. „Badehosen und Sommer-Shirts verkauft der Handel auch im Januar“, beschreibt die Unternehmerin die Entwicklung.

„Der Absatz ist schwächer als im starken Vorjahr“, wird ein Sprecher des Handelsverbands Deutschland in der Presse zitiert. Dies gelte für Mäntel, Stiefel, Handschuhe, Schals, Skikleidung oder Rodelartikel. Während dicke Moonboots im vergangenen Winter kaum noch zu bekommen waren, sind sie heute Ladenhüter. Der Handel habe überdurchschnittlich früh mit Rabattaktionen reagiert. So seien bundesweit schon vor Weihnachten die Preise gepurzelt.

Runter mit den Preisen - auch in der Damenboutique „Biancheria“ in Ober-Roden.

Sehr speziell ist die Lage im Sportartikelhandel. Natürlich wäre auch dieser Branche, die auf einen guten Umsatz mit Ganzjahresartikel vertrauen kann, knackige Kälte derzeit am liebsten. „Wir bekommen unsere neue Ware aber immer erst im Februar/März. Da ist bei uns der Druck wie bei den reinen Textilern nicht so groß“, beschreibt Rainer Dutiné die Situation. Er ist Geschäftsführer der „Intersport Profimärkte“ im Urberacher Märktezentrum und im Gewerbegebiet-Nord in Groß-Umstadt. Stammkunden profitierten dort schon Anfang dieses Monats von einer Sonderaktion. „Die Aktion haben wir vorgezogen. Man muss ja reagieren“, sagt Dutiné.

Niagara-Fälle zu Eis erstarrt

Niagara-Fälle zu Eis erstarrt - Faszinierende Bilder

Keine Sorgen bereitet der warme Winter den beiden größten Reiseveranstaltern Deutschlands, TUI und Thomas Cook. Die Winterbuchungen sind gut, versichern beide Anbieter.

Nach dem Wetter bleibt das Online-Geschäft für den Einzelhandel die größte Herausforderung – und das zunehmend. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft soll bereits gut jeder zehnte Euro online ausgegeben worden sein. Von 81 Milliarden Euro bundesweitem Umsatz kamen rund 8,5 Milliarden Euro aus dem Online-Handel. Das ist ein Plus von 15 Prozent gegenüber 2012.

Quelle: op-online.de

Kommentare