Ortskerne haben verborgenen Charme

Fachwerk ist ein Blickfang

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Im „Goldenen Löwen“ gegenüber der St . Gallus-Kirche nächtigte einst der berühmt-berüchtigte Schinderhannes. Seither geht dort aber ein solideres Publikum ein und aus.

Rödermark - Zugegeben: Ober-Roden versprüht keinen Seligenstädter Fachwerk-Charme, und Urberach kann nicht mit der Dreieichenhainer Nostalgie mithalten. Aber beim Spaziergang durch die Ortskerne lassen sich manche architektonische Perlen entdecken. Von Michael Löw 

28 Bauwerke listet die Denkmaltopographie des Kreises in Rödermark auf. Wer glaubt, dass historisches Gemäuer nur in den Zentren der großen Stadtteile steht, der irrt. Auffallendstes Beispiel ist die Dreifaltigkeitskapelle in Messenhausen. Allenfalls Insidern bekannt ist dagegen ein Grenzstein aus dem frühen 19. Jahrhundert an der Straße von Urberach nach Messel. Die Denkmaltopographie wimmelt von Fachbegriffen wie „traufseitig leichter Geschossvorsprung“, „Zahnschnittfries“, „eselrückenartig geschnitzte Knaggen“ oder „geschwungenen Bundstreben“. Das Buch erzählt aber wenig über die Menschen, die in diesen Häusern ein- und ausgingen. Der legendäre Räuberhauptmann Schinderhannes hatte 1801 im „Goldenen Löwen“, direkt gegenüber der St. Gallus-Kirche, mit kreuzbraven Bürgern gezecht und gewürfelt und anschließend dort genächtigt. Der zum Volkshelden hochstilisierte Gauner machte nach einem Überfall in Würges in Urberach Pause.

In der Denkmaltopographie des Kreises sind 28 kirchliche und weltliche Gebäude in Rödermark verzeichnet. Eines davon ist das Fachwerkhaus Darmstädter Straße 17 aus dem späten 17. Jahrhundert.

Was hinter anderen Mauern passierte, war weniger spektakulär. Alltag in Dörfern eben, die das Töpferhandwerk und die Landwirtschaft prägten. Viele Bauwerke sind Kirchen, Kapellen und Kreuze. Sie überstanden in der Regel alle Anpassungsversuche an den architektonischen Zeitgeist. Auch Gasthäuser wie der „Goldene Löwe“ oder der „Schützenhof“ ein paar Meter weiter behielten ihr Gesicht. Das Fachwerk oder die Bruchsteinmauern „normaler“ Häuser verschwanden dagegen oft hinter Putz oder Eternitverkleidung. Oder sie gammelten vor sich hin wie das um 1700 gebaute Anwesen Schulstraße 9 in Ober-Roden.

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Bevor es ganz zusammenfiel, kaufte es ein großer Bauträger, renovierte es nach allen Auflagen des Denkmalschutzes und vermietete es an die Caritas. Als die ihre Beratungsstellen in Nieder-Roden konzentrierte, kam das Haus wieder in privaten Besitz. Seither ist nur nur das Haus, sondern auch sein liebevoll gepflegtes Gärtchen eine Zierde für Ober-Roden.

Quelle: op-online.de

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