WIR ÖFFNEN WIEDER

Handel atmet erleichtert auf - Kunden haben Läden treu unterstützt

Jürgen Nowak freut sich, das Schild am Montagmorgen pünktlich um 10 Uhr wieder umdrehen und die Tür seines Spielwarenladens wieder öffnen zu können.
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Jürgen Nowak freut sich, das Schild am Montagmorgen pünktlich um 10 Uhr wieder umdrehen und die Tür seines Spielwarenladens wieder öffnen zu können.

Vorsichtige Schritte heraus aus der Corona-Krise – mit der Öffnung kleinerer Läden geht es am kommenden Montag überall los.

Rödermark – „Wir freuen uns riesig, dass es wieder losgeht und wir wieder für Sie da sind!“ Mit der hoffnungsvollen und vergnügten Stimme von Sarina Houben wird man vom Anrufbeantworter des Blumenladens Koser derzeit begrüßt.

„Wir freuen uns so sehr auf unsere Blumen und auf unsere Kunden“, ergänzt die Tochter von Elke Koser am Telefon. Der Laden hatte vier Wochen geschlossen, „schon zu unserer eigenen Sicherheit“. Doch in der Zeit waren die Damen nicht untätig. Sie haben bereits organisiert, wie es nun unter Schutzbedingungen weiter gehen kann.

Die Plexiglas-Scheibe vor der Kasse steht; die Wege im Laden werden quasi im Rundlauf organisiert; Bezahlen ist unter anderem durch eine neue Handy-App kontaktfrei möglich. Das erlaubt auch eine sehr praktische Neuerung etwa für den bevorstehenden Muttertag: Für einen „Abholgarten“ wird das Hoftor gegenüber offen sein, wo vorbestellte und bezahlte Sträuße dann einfach abgeholt werden können. „Das entzerrt die Zahl der Kunden im Laden.“ Zudem wird Elke Koser als Mitglied der „Risikogruppe“ zurückgezogen Sträuße binden, während Sarina Houben und ihre Aushilfe an vorderster Front stehen werden. „Wir freuen uns auf unsere Blumen! Wir haben sie so vermisst! Ausgerechnet die Tulpenzeit haben wir verpasst“, bedauern beide.

Fröhlich bereitet sich auch Buchhändler Dirk Holm darauf vor, seine drei Filialen wieder öffnen zu können, obwohl er mit Bestell- und Lieferservice eigentlich durchgehend im Dienst war. In der Ober-Röder Buchhandlung wird es noch etwas Organisationstalent brauchen, um sie den Anforderungen gerecht zu gestalten; in der Buchhandlung am Gänseeck ist das kein Problem: „Da ist durch die Mittelinsel eh ein Rundlauf gewährleistet, den wir jetzt noch besser markieren.“ Ein Problem wären fast die ausstehenden Plexiglasscheiben geworden, doch hat die Firma Grünberg mitgeholfen und kann wohl im Laufe des Montags liefern.

Desinfektion steht im Laden hoch im Kurs; einen Mundschutz hält Dirk Holm unter diesen Umständen deshalb nicht für dringend. „Natürlich behalte ich die Auslieferung für alle Menschen bei, die zu Risikogruppen zählen und lieber nicht in den Laden kommen möchten.“ Dort werden mehr als zwei bis drei Leute gleichzeitig nicht hereinlassen. „Aber unsere Kunden sind ohnehin sehr vernünftig.“

Seine große Gelassenheit und heitere Laune verdankt er den letzten schwierigen Wochen, denn es gab auch viel Positives: „Die letzten vier Wochen haben von unseren Kunden so viel Mitgefühl und Empathie erleben dürfen. Wir haben so viel zurückbekommen, sie haben uns Lesezeichen gebastelt und Dankeskärtchen geschrieben und vieles mehr – das hätte ich nie erwartet! Jetzt hoffen wir nur, dass ein bisschen davon auch weiter vorhält.“

Rundum gut vorbereitet erwartet auch der Spielwarenladen von Jürgen Nowak und Regina Gorr seine Kunden wieder. Neben der Werkstatt hatte das Paar auch Lieferdienst und Abholstation organisiert. Da wurde es zwischenzeitlich kritisch: Mitarbeiter des Ordnungsamtes hatten das perfekte System zwar gelobt, aber die Abholung untersagt: Farben, Stifte und Schulmaterial etwa ja, aber Spielzeug nein – was ja nun in Bestellungen schwer zu trennen ist. Doch auch diese Nuss konnte geknackt werden. „Und nun arrangieren wir uns weiter mit einem Kreisverkehr im Laden, einer geregelten Kassennutzung und vor allem auch mit dem Wartepavillon vor der Ladentür, falls es zu viele Kunden werden. Das Ostergeschäft ist leider vorbei, aber wir freuen uns auf unsere Kunden“, atmet Jürgen Nowak tief durch.

Die teilweise Wiedereröffnung betrifft auch Rödermarks Fahrradgeschäfte – Oliver Kemmer etwa von Radsport Kemmer öffnet um 9.30 Uhr am Montag wieder seine Ladentür.

Bisher hatten er und sein Team nur Werkstattarbeiten machen können; davon aber außergewöhnlich viele: „Die Bürger haben ihre Fahrräder wieder entdeckt in dieser Zeit.“ Nun organisieren sie den Laden, der aber kein großes Problem darstellt, da vor dem Geschäft genügend Platz für Wartende ist, falls mehr als zwei bis drei Kunden gleichzeitig da sein sollten. Desinfektion gab’s ohnehin stets – schon zum Selbstschutz.

VON CHRISTINE ZIESECKE

Quelle: op-online.de

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