Der Name passt zum Beruf

Annika Theophil ist Vikarin in zwei evangelischen Gemeinden

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Doppel-Job: Die Petrusgemeinde Urberach ist nur eine Wirkungsstätte von Annika Theophil. Die Vikarin wird ebenso in Ober-Roden tätig sein.

Nomen est omen: Annika Theophil ist seit 1. Februar Vikarin in den evangelischen Kirchengemeinden Urberach und Ober-Roden. Das Wort „Theophil“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet gottgeliebt oder sehr glücklich. Die deutsche Übersetzung des Namens ist Gottlieb.

Rödermark – Wenn das kein gutes Zeichen ist für eine angehende Pfarrerin. Zumal ihr Vater evangelischer Pfarrer in der Nähe von Stuttgart ist und ihre Mutter Religionslehrerin. „Wir wissen aber selber nicht, wo der Name herkommt – mein Großvater ist aus Königsberg geflohen und war bei der Post“, lacht Annika Theophil und erzählt, dass sie den Namen früher nicht so sehr mochte, weil sie ihn immer buchstabieren musste. Im Studium und jetzt im kirchlichen Dienst ist sie aber ganz stolz darauf.

Wer aus einer so stark kirchlich geprägten Familie kommt, ist immer schon auf halbem Weg zur Pfarrerin? „Nein, als Kind wollte ich lieber meine Liebe zur Musik ausleben. Und ich wusste ja auch, was mit dem Beruf alles so verbunden ist: etwa, dass der Vater sehr viel unterwegs war.“ Doch das war letztlich auch ein Schritt für die eigene Entscheidung: Sie wusste, was sie erwartet; sie kann sich darauf einstellen.

Ihre Liebe zur Musik ist deshalb nicht weniger geworden. Sie spielt schon lange Klavier und Orgel; zur Konfirmation hatte sie ein Cello geschenkt bekommen, und zum Gesang kam sie während des Studiums. Hier in Rödermark tastet sie sich erst langsam heran. Zumindest hat sie schon in den „Rejoice“- Chor hineingeschnuppert. Mehr Engagement ist kaum möglich: „Es ist schwierig, weil ich ja wochenlang immer wieder zwischenzeitlich in Herborn im Theologischen Seminar bin und deshalb nicht regelmäßig dabei sein kann.“

Knappe zwei Jahre wird sich die 28-Jährige, angeleitet von Pfarrerin Sonja Mattes und Pfarrer Oliver Mattes, aufs zweite Examen vorbereiten und dabei in beiden evangelischen Gemeinden arbeiten. Derzeit ist ihr Schwerpunkt jeden Vormittag der Religionsunterricht an der Schule an den Linden. „Da ist man als Studienabgänger doch ziemlich ins kalte Wasser geworfen“, weshalb es auch vieler Vorbereitung bedarf. Daneben nimmt sie an allen geistlichen Ämtern teil; sie ist ebenso mit im Kirchenvorstand wie sie Teile in den Gottesdiensten selbst gestaltet, so etwa das Abendmahl oder auch die Taufe, die beiden evangelischen Sakramente: „Ich ‚darf‘ alles, jetzt noch unter Aufsicht der Pfarrer, an deren ‚Kanzelrecht‘ ich derzeit auch teilhabe.“

Im zweiten Jahr wird Annika Theophil zunehmend in der Verkündung und in der Gemeindearbeit eingesetzt sein; zur Zeit sieht sie den Beruf als Gemeindepfarrerin auch als ihr Ziel. „Noch schöner wäre später eine Aufgabe, wo noch mehr Musik mit dabei wäre. Aber davon gibts nicht so viele.“ Die Wahl, möglichst im Raum der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zu bleiben, fiel im Studium in Marburg. In welche Gemeinde sie schließlich kommen wird, ist bis zuletzt offen; Wünsche können von den angehenden Pfarrern durchaus geäußert werden. Allerdings können sie nach weiteren drei Jahren, wenn sie dann auch ihre Probezeit als Pfarrer geleistet haben, erneut versetzt werden. Das hängt von der Stellenlage und den Finanzen ab.

Hat Annika Theophil frei, genießt sie Spaziergänge und spielt gerne. Doch derzeit fehlt zu allem die Zeit, auch um ihre Eltern und ihre Schwester öfters zu besuchen. Bestes Beispiel: Am Ostersonntag fuhr sie nach dem Früh-Gottesdienst Richtung Stuttgart zum Familientreffen und mit den Eltern am Ostermontag sehr früh wieder nach Urberach, um dort zum von ihr mitgestalteten Gottesdienst pünktlich zu sein …

VON CHRISTINE ZIESECKE

Quelle: op-online.de

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