Nach dem Zweiten Weltkrieg zwangsbegradigt

Bach Rodau fließt wieder im alten Bett

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Fast schon malerisch schlängeln sich die nächsten 90 renaturierten Rodau-Meter am Oberwiesenweg entlang.

Die Rodau mäandert ein weiteres Stück durch die Wiesen zwischen Urberach und Ober-Roden. Der Bach fließt wieder in seinem alten Bett, das nach dem Zweiten Weltkrieg zwangsbegradigt worden war. Für Bürgermeister Roland Kern war der Durchstich eine nasse Angelegenheit.

Rödermark – Stadt und Kreis haben 90 Meter Rodau der Natur zurückgegeben. Der Bach fließt seit gestern wieder so, wie er das bis vor etwa 70 Jahren getan hat. Das hilft nicht nur der Natur, sondern auch Haus- oder Gartenbesitzern in Ober-Roden: Das mäandernde Bachbett mit seinem breiten Ufer „schluckt“ nämlich bei Starkregen viel Hochwasser.

Die Renaturierung kostete nach Auskunft von Bürgermeister Roland Kern 126 000 Euro (Planung: 26 000 Euro, Bau: 90 000 Euro). Die Maßnahme wird komplett aus Mitteln der naturschutzrechtlichen Ausgleichsabgabe finanziert, die der Stadt von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach für das förderungswürdige Projekt bewilligt wurden.

Umgesiedelt: Nachdem ein paar Baggerschaufeln Erde den Altarm abgetrennt hatte, fischte Dr. Thomas Bobbe die letzten Bachneunaugen aus diesem Abschnitt. Vorige Woche hat er 106 von ihnen das Leben gerettet.

Das letzte trennende Stück Steg zwischen altem und neuem Bachlauf schaufelten Bürgermeister Roland Kern und die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger beiseite. Während die Vize-Landrätin mit Gummistiefeln gekommen war, trug ihr Mit-Schaufler nur normales Schuhwerk und bekam nasse Füße bis knapp unters Knie. Was seiner Freude keinen Abbruch tat, denn die Rodau-Renaturierung war eines von Roland Kerns Zielen, als er vor 14 Jahren Bürgermeister wurde.

Schritt für Schritt soll die Rodau in ihrem Quellort Rödermark aus schnurgerade gezogenen Rinnen befreit werden. Ziel der Renaturierung in Etappen ist es, durch ein längeres und breites Bachbett mehr Platz für Wasser und attraktiveren Lebensraum für die Tiere und Pflanzen zu schaffen. Ein erster Abschnitt mit einer Länge von 450 Metern war im Herbst 2009 am Oberwiesenweg zwischen Badehaus und Kinder- und Jugendfarm renaturiert worden. Renaturiert wurde im vergangenen Jahr auch ein Stück Rodau am alten Ober-Röder Festplatz. Anfang Dezember wurde dann mit den Baggerarbeiten in dem Teilabschnitt zwischen Rödermarkring und Kinder-und Jugendfarm begonnen. Die Maßnahme umfasste einen circa 60 Meter langen Streckenabschnitt. Der Fließgewässerlauf wurde dabei um etwa 30 Meter auf 90 Meter verlängert.

Gleich ist’s geschafft: Ein Bagger bereitete den Durchstich vor, dann griffen die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger und Bürgermeister Roland Kern zum Spaten und leiteten den Bach in sein neues Bett. Rödermarks scheidender Verwaltungschef bekam dabei richtig nasse Füße, weil er keine Gummistiefel dabei hatte. 

Alte Wurzelstöcke bilden wertvolle Totholzinseln. Außerdem bremsen sie die Fließgeschwindigkeit des Wassers.

Bevor der alte Bachlauf abgetrennt wurde, hatte Dr. Thomas Bobbe 106 Bachneunaugen abgefischt und umgesiedelt. Gestern fing er nochmals mehr als ein Dutzend Exemplare. Diese bis zu 15 Zentimeter langen Rundmäuler leben sieben oder acht Jahre unsichtbar im Schlick und nur eine Saison im Wasser. Bachneunaugen sind sehr selten und streng geschützt. Dass sie hier in so großer Zahl vorkommen, ist nach Ansicht der Ersten Kreisbeigeordneten ein gutes Zeichen für die Verbesserung der Wasserqualität der Rodau.

Von Michael Löw

Quelle: op-online.de

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