Stadtentwicklung

Bauland-Reserven voller Risiko

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Symbolbild: Die Stadt Rödermark will sich entwickeln. Doch die Bauland-Reserven stecken voller Risiko. 

37 Hektar neue Wohn- und 24,3 Hektar neue Gewerbeflächen: Diese Optionen will sich die Stadt im Regionalen Flächennutzungsplan festschreiben lassen. Das klingt nach reichlich Bauland-Reserven. Doch jede der 13 Optionsflächen steckt voller Unwägbarkeiten.

Rödermark – Wegweisende Entscheidung in Sachen Stadtentwicklung oder kleinster gemeinsamer Nenner? Einstimmig haben die Stadtverordneten am Dienstagabend 13 Optionsflächen beschlossen. Sie sollen in den Regionalen Flächennutzungsplan (RegFNP) 2020 aufgenommen werden und Rödermark ein kontrolliertes Wachstum ermöglichen.

„Heute wird noch kein einziges neues Baugebiet beschlossen“, dämpfte Bürgermeister Roland Kern Hoffnungen, dass auf einer dieser 13 Flächen schon bald die ersten Häuser aus dem Boden wachsen könnten. Der RegFNP trägt zwar die Jahreszahl 2020 im Namen. Doch Bauland-Ausweisung ist eine komplizierte Geschichte. Kern und Sprecher aller Fraktionen halten daher 2023 oder 2025 für realistisch.

Kern wies zudem auf ein rödermark-spezifisches Risiko hin: „Jede der 13 Optionsflächen hat ihre Probleme.“ Theoretisch könnten im RegFNP 37 Hektar zusätzliche Wohn- und 24,3 Hektar neue Gewerbeflächen stehen. Aber Verkehrslärm, Naturschutz, Landwirtschaft oder Grundwasserschutz machen eine Erschließung schwer. Die Bauverwaltung prognostiziert für alle 13 potenziellen Baugebiete „sehr erhebliche“ oder „erhebliche“ Umweltauswirkungen.

Trotzdem herrschte im Parlament Aufbruchstimmung. „Die Stadtverordnetenversammlung behält das Heft des Handelns in der Hand und kann über jede Fläche einzeln entscheiden“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Tobias Kruger. Sein Stellvertreter Dr. Rüdiger Werner hatte im Winter eine zentimeterdicke Dokumentation erarbeitet, die der Bauverwaltung als Basis für ihre vertiefende Untersuchung diente.

Nach Ansicht des CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael Gensert hat Rödermark künftig „mehr als genug Wohnbauflächen“. Aus dem RegFNP 2010 seien noch 19 Hektar Bauland ungenutzt, mit dem RegFNP 2020 kämen weitere 37 Hektar dazu. Kummer machen ihm fehlende Gewerbegrundstücke. Deren Reserven summieren sich in beiden Plänen auf 30 Hektar. Ziehe man aber den Hainchesbuckel ab, dessen planerische Neuordnung wegen des Recycling-Unternehmens Rügemer äußerst schwer umzusetzen ist, bleiben der Stadt ganze 15 Hektar. Genserts düstere Erkenntnis: „Wir müssen Firmen, die sich ansiedeln wollen, leider konsequent abweisen.“

Stefan Gerl, der Fraktionsvorsitzende des Koalitionspartners AL, erklärte sich einmal mehr zum Hüter eines jeden Quadratmeters Grün. Momentan verschwinden in Deutschland täglich 120 Hektar unter Asphalt oder Beton. Dieser Flächenfraß soll auf ein Viertel reduziert werden. Das geht nach Ansicht Gerls nur, wenn Bund und Land strukturschwache Gebiete, aus denen die Leute wegziehen, wieder attraktiv machen. Dort ständen zwei Millionen Wohnungen leer – deutlich mehr, als in den Ballungsräumen fehlen (1,2 Millionen).

Peter Schröder von den Freien Wähler hofft, dass innerhalb der nächsten zehn Jahre wenigstens zehn Prozent der Optionsflächen Bauland werden. Denn nur mit Innenentwicklung und verdichteter Bebauung der Ortslagen, was die AL propagiert, könne Rödermark nicht behutsam wachsen.

Rödermark soll nach Ansicht des SPD-Fraktionsvorsitzenden Norbert Schultheis aber nicht langsam, sondern dynamisch wachsen: 1 000 neue Einwohner sind für ihn keine Belastung, sondern „1 000 potenzielle Kunden für den Einzelhandel oder 1 000 potenzielle Mitglieder für Vereine“. Um Wohnungen für diese Neu-Rödermärker zu schaffen, würde die SPD auch die Maisäcker in der „Grünen Mitte“ bebauen. Deren ökologischen Wert zweifelt Schultheis nämlich an. Sein Fazit der 13 Optionsflächen: „Allenfalls grober Grundkonsens, der zustande kommt, weil alle wichtigen Fragen ausgeklammert werden!“

Von Michael Löw

Quelle: op-online.de

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