Starke Stimmen

Gäste aus Minsk und St. Petersburg singen für St. Gallus

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Die Stimmen der beiden Gesangssolisten Veronika Sergienia und Dimitri Kapilov, füllten sogar das große Kirchenschiff von St. Gallus und begeisterten die Zuhörer.

„Jo, is denn scho wieder Weihnachten?“ Das fragten sich wohl manche Musikliebhaber, als Irene Knab im Juli zum Benefizkonzert russischer Künstler in de Galluskirche einlud.

Urberach – Die üblicherweise erst Mitte Dezember auftretenden Künstler aus Weißrussland werden es in diesem Jahr aber wohl zweimal schaffen, die Rödermärker und ihre Gäste mit ihrer anspruchsvollen, aber bunt gemischten Musik zu erfreuen – ein Vorteil offener Grenzen.

So gelang es Irene Knab mit ihrer 20-jährigen Konzertagentur-Erfahrung, unterstützt vom Ehepaar Graf, eine erste kleine Tournee für die Sopranistin Veronika Sergienia, den Bass Dimitri Kapilov und die Pianistin Valeria Poeta bereits im Juli zu ermöglichen. Wie immer bei ihr zu Hause zu Gast, treten die drei Künstler aus Russland, Moldawien und Weißrussland derzeit bei Benefizkonzerten in Rödermark, Offenthal und Frankfurt auf. Darüber hinaus gastieren sie in südhessischen Altenheimen, Kliniken, Kirchen und Sälen.

Akustisch war die Aufführung in der Galluskirche sicher ein Highlight, wie auch die Künstler bestätigten. Nicht nur der eher getragene, klassische erste Teil des Programms unter anderem auch mit russischen Heimatweisen wurde hier zum Leckerbissen, sondern auch der von Opern- und Operettenarien etwa von Mozart und Strauß geprägte zweite Teil kam im großen Kirchenschiff beeindruckend zur Geltung. Dies war vor allem das Verdienst der drei Künstler. Zu bewundern, obwohl immer hinter ihrem Klavier zurückgezogen und fast versteckt, war vor allem die mehrfach ausgezeichnete und international geehrte Pianistin Valeria Poeta. Sie bekam keinen Moment der Pause, sondern bestach neben der Begleitung der Gesangssolisten auch mit traumhaften Solostücken etwa von Chopins „Nocturne“.

Große Augen machten die Zuhörer, als Sopranistin Veronika Sergienia erstmals ihre kraftvolle Stimme in ungeahnte Höhen schraubte – und dabei noch ausnehmend charmant und attraktiv blieb. Als einziger Mann im Team ungekrönter Liebling in allen Männerrollen: Dimitri Kapilov, der dem langjährigen „König der Herzen in Rödermark“ Andrey Morozov in nichts nachstand und aus seinem stattlichen Brustkorb so kraftvolle Lieder hervorbrachte, dass das Kirchenschiff von St. Gallus bis in die letzte Nische gefüllt wurde. Zusammen ergaben die Beiden ein wunderbares und durchaus kokettes Duett, als Papageno und Papagena etwa, aber ebenso beim abschließenden Gefangenenchor aus „Nabucco“, bei dem die Zuhörer als Chorus Line mitwirkten.

Blumen und Applaus nach dem Konzert: die weißrussischen Künstler Veronika Sergienia (rechts), Valeria Poeta (Zweite von rechts) und und Dimitri Kapilov (Dritter von links) mit Organisatorin Irene Knab (Zweite von links), Pfarrer Klaus Gaebler und Rita Groß-Grevenbroich vom Pfarrgemeinderat.

Für den einzigen kleinen Abstrich im Gesamtbild des Konzerts hatte Irene Knab auch schon einen Lösungsansatz: „Lieber Herr Pfarrer Gaebler, wenn Sie dann in drei, vier Jahren mit der Kirchenrenovierung ganz fertig sind, dann machen wir wieder mal ein Benefizkonzert zugunsten eines Flügels für Ihre Kirche!“ Lachen und Beifall der Kirchengäste war Irene Knab hier gewiss, ebenso Pfarrer Klaus Gaebler für sein berechtigtes Staunen über die ungewöhnlich starke Leistung der Künstler: „Ich frage mich immer: Wo kriegen die Leute diese Töne nur her?“ Er profitiert aber auch von den vielen Besuchern im Kirchenschiff: Der Erlös kommt der Dachsanierung der Kirche zugute.

Ein gutes Zeichen für die grenzenlose Verbindung der Menschen im Zeichen der Musik ist die Aussicht, dass die drei Solisten am 15. Dezember voraussichtlich wieder gemeinsam in der Galluskirche musizieren werden, sehr zur Freude der jetzigen Zuhörer und als Beweis weiterer Grenzüberwindungen, was Pfarrer Klaus Gaebler beim abschließenden Dank in wenigen Worten gut zusammenfasste: „Gerade jetzt in diesen Tagen tragen Sie dazu bei, dass es deutlich wird: Wir gehören auf diesem Planeten alle zusammen.“

VON CHRISTINE ZIESECKE

Quelle: op-online.de

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