Eine Frage der Definition?

„Grüne Mitte“: Ihre Funktion ist unstrittig, die Grenze ist"s nicht

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Selbst aus dem Flugzeug lässt sich die „Grüne Mitte“ nicht in ihrer ganzen Größe erfassen. Die Stadtverordnetenversammlung diskutierte über ihre politische Definition – darüber sind sich die Fraktionen weitgehend einig – und über ihre räumliche Begrenzung. Die bleibt strittig.

Was ist die „Grüne Mitte“? Der breite Streifen aus Äckern, Wiesen, Bauminseln, Brachland und Sportplätzen zwischen Ober-Roden und Urberach bestimmt seit Jahren die Diskussion um die Stadtentwicklung. Manche sagen auch: Er bremst sie.

Urberach – Die FDP forderte jetzt in der Stadtverordnetenversammlung eine räumliche Definition. Fraktionsvize Dr. Rüdiger Werner hat auf einem Satellitenfoto den Grenzverlauf skizziert: Von der Kreuzung des Rödermarkrings mit der Kapellenstraße geht"s bis zum Messenhäuser Kapellchen, dann mit einigen Knicks am Urberacher Ortsrand entlang zur L 3097, um die Erlenwald-Kleingärten zu den Wohngebieten Hallhüttenweg und Eichenbühl bis fast zur B 486. In Höhe des BSC-Geländes schwenkt die Grenze Richtung Süden am Ober-Röder Industriegebiet entlang bis fast an die Marienstraße und von dort mit unterschiedlichen Abständen zur Bebauung zurück an eingangs erwähnte Kreuzung.

Außerhalb dieser Grenze liegen zum Beispiel das alte Ober-Röder Gaswerk oder die Brachen am ehemaligen Hundeverein – beide Flächen sind schon als Bauland eingeplant beziehungsweise anvisiert.

Rödermark: Was passiert mit dem "Grünen Streifen"?

Werner will Tempo machen: „Wir sind gewählt worden, um unsere Vorstellungen einzubringen und nicht um auf die Vorschläge eines externen Gutachters zu warten.“ Ein interfraktioneller Antrag vom Oktober 2017 mit ähnlichen Zielen – und der Vorgabe, innerhalb von sechs bis neun Monaten Ergebnisse zu liefern – ist nach Ansicht der FDP wirkungslos verpufft. Aber auch der vor drei Jahren beschlossene „Rödermark-Masterplan“ sei noch nicht begonnen.

Brigitte Beldermann (AL) fand „nicht so schlimm“, dass seit diesem einstimmigen Beschluss fast 24 Monate vergangen sind. In Sachen Stadtentwicklung sei seither ja einiges passiert. Sie verwies auf den Beschluss zum Regionalen Flächennutzungsplan vom Frühjahr, der für Rödermark 35 Hektar Baulandreserven vorsieht. Außerdem würde eine räumliche Definition zu viele Vor-Festlegungen treffen.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Gensert argumentierte ähnlich: „Hier werden ohne Not Grenzen gezogen!“ Seine Partei lehne eine „parzellenscharfe Abgrenzung“ – diese Formulierung benutzte er geschätzte zehn Mal – ab. Denn am Rand, zum Beispiel nördlich der Kapellenstraße, könnten im Zuge der Biotop-Vernetzung weitere Flächen dazukommen.

Debatte im Stadtparlament: Hindert der "Grüne Streifen"?

Für die SPD ist die „Grüne Mitte“ in ihrer Gesamtheit keinesfalls unantastbar. Ihr Stadtverordnete Hidir Karademir fordert Ausnahmen: zum Beispiel für einen „grünen Stadtteil in Bahnhofsnähe“.

Der Antrag zur Grenzdefinition wurde erwartungsgemäß von Koalition, SPD und Freien Wählern abgelehnt, die FDP stand allein auf grüner Flur. Weitgehend einig waren sich die Parteien über die politische Definition: Die „Grüne Mitte“ soll langfristig von Wohn- und Gewerbebebauung frei bleiben und der Naherholung und dem Naturschutz dienen.

Bürgermeister Jörg Rotter lenkte die Diskussion in eine ganze andere Richtung: „Die Bauverwaltung kommt vor lauter Aufträgen aus der Politik mit der Arbeit nicht nach.“ Das Stadtparlament dringt nicht nur auf Regelungen für die „Grüne Mitte“, sondern auch auf Ziele für den „Rödermark-Plan“ oder Details zu den Landesprojekten „Stadtumbau in Hessen“ und „Zukunft Stadtgrün“.

Diese Mehrarbeit muss die Verwaltung nach Ansicht des neuen Baudezernenten mit zwei Stellen weniger in den Abteilungen Tiefbau und Stadtentwicklung bewältigen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Roland Kern hält er mehr Personal für erforderlich. Sein Appell ans Parlament: „Wenn auch Sie das wollen, müssen Sie in den Haushaltsberatungen mehr Stellen bewilligen.“

Quelle: op-online.de

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