Im „Dinjerhof“

Nina Hagens Kleider versteigert: Punkmode bringt Flüchtlingen 1 500 Euro

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Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Unterstützt von Hausherr Wilhelm Schöneberger, hat Auktionator Roland Kern im „Dinjerhof“ alle Nina-Hagen-Outfits an den Mann oder besser an die Frau gebracht.

Versteigerungen gibt’s viele, von Briefmarken bis zu edler Kunst kommt irgendwann alles unter den Hammer, was neue Besitzer sucht.

Ober-Roden – Doch während diese Auktionen meist von ausgesprochen ernsten Gesichtern und oft ganz dezenten Geboten geprägt sind, war am Sonntagabend im „Dinjerhof“ alles anders. Es war ein fröhliches Fest mit lautem Gelächter, kreischenden Bietern und durchaus wohlmeinendem Personal.

Der Hintergrund: eigentlich ein reines Zufallsprodukt, das mit einer bunten Kuh begann. Die Angebote: teils schrille Modestücke aus dem Fundus von Punksängerin Nina Hagen. Das Prozedere: klassische Versteigerung mit Nummern, Geboten, Ware erst nach Barzahlung. Die Bieter verfolgten das Geschehen mit so viel Vergnügen, wie es im Hause Sotheby’s garantiert noch nie der Fall war. Sie ließen sich auch mal von Auktionator Roland Kern zum Kauf überreden, wenn ihnen ein Teil aus der anfänglichen Modenschau gut gestanden hatte, oder sie grölten vor Gaudi, wenn gestandene Männer wie Rudi Reichenbach für knallige Minikleidchen boten.

Auch Rödermarks neue Erste Stadträtin Andrea Schülner präsentierte eines der guten Stücke in aufregendem Schwarz-Grün, das sie nun auch ihr Eigen nennt. Herrlich zu sehen, wie Männer für ihre Frauen oder ein Vater für seine Tochter mitboten; wunderbar zu hören, wie lautstark sich eine Profi-Schauspielerin stimmlich gegen andere Bieterinnen durchzusetzen versuchte.

Die viele Arbeit, die Wilhelm Schöneberger und die „Freunde im Dinjerhof“ in diese Aktion gesteckt hatten, lohnte. Die Auktionseinnahmen von rund 1 370 Euro – vom „Dinjerhof“-Verein auf 1500 Euro aufgerundet – kommen dem Netzwerk Flüchtlinge in Rödermark zugute. Eingeschlossen sind dabei jene 510 Euro, die der frühere Rödermärker Gerd Wilhelm für jenes raffinierte schwarze Ensemble bot, das demnächst erst einmal ein Jahr lang ins Württembergische Landesmuseum nach Stuttgart ausgeliehen wird, um dann im Besitz des „Dinjerhofes“ zu bleiben.

Spürbar bewegt war der Auktionator: Die Versteigerung am Sonntagabend war Roland Kerns letzte Amtshandlung als Bürgermeister. Mit einem Riesenhammer, der sonst wohl eher Freibierfässer ansticht, erteilte er den traditionellen Zuschlag „Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten!“ Alle Gäste im Hof erhoben sich nach dem letzten Hammerschlag zu Ehren des scheidenden Bürgermeisters.

Wilhelm Schöneberger und sein Team hatten da schon einen langen Tag hinter sich: „Blues after Breakfast“ mit der „Matchbox Bluesband“ von Harry Beierer, eine Ausstellung zum 40. Geburtstag des Heimat- und Geschichtsvereins Rödermark samt einem Konzert des Orwischer Äppelwoi-Geschworenen Rainer Weisbecker sowie die Abschlussveranstaltung des Stadtradelns hatten den Hof seit dem frühen Morgen mit Menschen gefüllt.

Von Christine Ziesecke

Quelle: op-online.de

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