Immer mehr Dreck in der Landschaft

Nur die Spitze des Müllbergs

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Rekordverdächtige 18 Kubikmeter Dreck sammelten die 230 freiwilligen Helfer beim Gemarkungsputz in Rödermark ein. Aber das ist nur die sichtbare Spitze des Müllbergs. Der viel größere Rest ist wie beim Eisberg verborgen.

Rödermark – Die Männer und Frauen des Betriebshofes beseitigen Jahr für Jahr mehr als 130 Kubikmeter Dreck, der eigentlich in private Mülltonnen, zum Sperrmüll oder zu diversen Sammelstellen gehört, aus der Öffentlichkeit.

Jessica Löbl - Fachfrau für Sauberkeit

„Die Vermüllung von Feld und Flur nimmt zu. Wir werden dieses Problems kaum noch Herr“, klagt Erster Stadtrat Jörg Rotter. Die Zahl der illegal entsorgten Autoreifen erreichte 2018 mit 146 (2017: 36) einen traurigen Höchststand. Sie mussten ebenso auf Kosten aller Steuerzahler weggeräumt werden wie fünf Kubikmeter Bauschutt (2017: drei) oder acht Kubikmeter (2017: zwei) Altholz. Das ist meist lackiert und entsprechend mit Schadstoffen belastet. Sogar zwei (Übungs-)Handgranaten haben die städtischen Mitarbeiter schon geborgen.

Tatenlos zuschauen will Rotter nicht und hat im letzten Jahr unterm Finanz-Schutzschirm des Landes die Bauverwaltung personell verstärkt. Seit Anfang März kümmert sich Jessica Löbl (34) mit einer halben Stelle darum, dass es in der Stadt sauberer wird und illegale Müllablagerungen zurückgedrängt werden. Ihr Tätigkeitsbereich heißt exakt „Besondere Verwaltungsstelle Sauberkeit“ und ist zunächst auf ein Jahr befristet.

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Jessica Löbl ist Agrarwissenschaftlerin und Umweltmanagerin. Sie soll nicht nur Ansprechpartnerin für Beschwerden und Mängelmitteilungen sein, sondern auch Konzepte zur Müllvermeidung entwickeln. „Frau Löbl wird sich Gedanken machen, wie man die Bürger noch stärker für das Thema sensibilisieren kann, wie man die bisherigen Aktivitäten, auch die der Kitas und der privaten Müllsammler, die uns unterstützen, noch stärker vernetzen kann. Außerdem soll sie als Mittlerin zwischen den mit der Thematik befassten Abteilungen der Verwaltung fungieren“, sagte Rotter.

Die aus Oberursel stammende Sauberkeits-Fachfrau arbeitete zunächst für zwei Jahre in der Privatwirtschaft, ehe sie ins Abfallmanagement einer Kreisverwaltung wechselte. Sie kann sich vorstellen, neben dem Gemarkungsputz weitere Aktionen zu initiieren. Sie will die Öffentlichkeitsarbeit verstärken, die Bürger noch besser über Entsorgungsmöglichkeiten informieren. Sie sieht zudem Möglichkeiten, die Abfallannahmestelle in der Kapellenstraße besser zu organisieren und dort für ein einheitliches Sammelkonzept und bürgerfreundlichere Öffnungszeiten zu sorgen.

Jessica Löbls wahrscheinlich undankbarste Aufgabe: Sie nimmt die Mängelmeldungen der Bürger entgegen. Sie weiß, dass es den Anrufern fast immer zu lang dauert, bis ihr Anliegen erledigt ist. „Gefährlicher Dreck wie Chemie-Abfall kommt sofort weg“, verspricht sie. Ansonsten hänge das Tempo der Beseitigung von der Art des Mülls und dem verfügbaren Personal ab. Unterm Schutzschirm hat sich die Mitarbeiterzahl des Betriebshofs nahezu halbiert.

Von Michael Löw

Quelle: op-online.de

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