Prozess

Streit um TV-Gerät endet vor Gericht

+
Statue Justitia

Mit einem Freispruch endete für einen 24-jährigen Rödermärker gestern ein Prozess vor dem Amtsgericht Langen. Der Anlass für das Strafverfahren war so skurril wie traurig. Angeklagt hatte den 24-Jährigen dessen eigene Mutter.

Rödermark – Bei der Polizei in Dietzenbach hatte sie Strafanzeige wegen Diebstahls gestellt. Der Sohn hatte beim Auszug aus der gemeinsamen Wohnung mit der Mutter den Flachbildfernseher mitgenommen.

Vor Richter Volker Horn sagte der Angestellte, er habe das TV-Gerät mit seiner Mutter im Februar 2017 gekauft, als zwischen beiden „noch alles in Ordnung war“. Er habe im Real Sprendlingen das Geld „gerne vorgestreckt, weil meine Mutter zu dieser Zeit nicht so flüssig war“. Es sei aber klar gewesen, dass seine Mutter das Gerät für sich alleine nutzen werde.

Bizarrerweise packte die 59-Jährige den Grundig-Fernseher aber niemals aus. Auch ein Jahr später, als es zum Zerwürfnis mit dem Sohn kam, stand er noch immer eingepackt in der Wohnung. „Da meine Mutter mir das Geld noch nicht zurückgezahlt hatte, habe ich ihn mitgenommen“, erläuterte der junge Mann sein Motiv. „Ich habe ihn als mein Eigentum betrachtet.“

Richter Horn räumte ein, diese Sichtweise sei zwar „nachvollziehbar“, juristisch aber nicht haltbar. Das bloße Bezahlen einer Ware bedeute nicht automatisch einen Eigentumsübergang. Ausschlaggebend sei, mit wem ein Kaufvertrag über die Ware zustande gekommen sei. Dazu gab es nur ein einziges Indiz: Im Real hatte der Sohn beim Bezahlen seine Paybackkarte benutzt.

Das alles konnte im Prozess letztlich unberücksichtigt bleiben, weil die Mutter von ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch machte und ihre Strafanzeige zurückzog. Ihr Sohn wurde freigesprochen. Auf den Fernseher verzichtete er. Das Gericht sprach ihn der Muter zu. Sie zerrte das Riesen-Teil in der Verpackung mühsam aus dem Gerichtssaal. Mutter und Sohn haben keinerlei Kontakt mehr. Die Hintergründe ihres Streits wurden nicht eingehend erörtert. Richter Horn fragte den Angeklagten, ob dieser etwas über eine mögliche psychische Erkrankung wisse. „Nein.“

Fest steht nur, dass die Frau gegen ihren Sohn sogar eine Räumungsklage angestrengt hatte. Der sagte aus, das sei geschehen, kurz nachdem sie wegen „schwerer Alkoholvergiftung“ im Krankenhaus gewesen sei.  

bp

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare