Zwei-Personen-Stück

Theater & Nedelmann zwischen Weltpolitik und Lokalkolorit

+
1927 - ein noch unverstandenes Wunderwerk der Technik: das neue Telefon! „Hallo 53? Hier ist die 82!“

Wer kennt sie nicht, die großen staatstragenden und zugleich meistdiskutierten Worte der Bundeskanzlerin am 31.

Ober-Roden – August 2015 anlässlich der heftigen Flüchtlingswelle: „Wir schaffen das!“ Der Urberacher Theatermann und Autor Oliver Nedelmann wäre nicht Oliver Nedelmann, würde er diesen Aufruf zur Integration unterschiedlicher Kulturkreise nicht nach einer Zeit der reiflichen Überlegung auf unsere eigenen Erfahrungen, unsere unterschiedlichen Kulturkreise Ober-Roden und Urberach herunterbrechen und zusammen mit Ehefrau Friederike und all ihren gemeinsamen Erfahrungen zu einem Zwei-Personen-Stück verarbeiten.

100 Jahre heimatliche Geschichten, das heißt 100 Jahre gesellschaftlicher Wandel in diesen zwei ursprünglichen Dörfern, verbunden mit technischen und sozialen Errungenschaften, mit leider längst überlebtem Handwerk und mit baulichen Veränderungen, mit Lachen und Weinen, mit Sicherheit und zugleich Zweifeln an der hessischen Variante „Mer pagge des!“

In vielen kostenlosen Vorstellungen touren die Nedelmanns im Rahmen des Festivals „Kultur ohne Grenzen – Frieden und Freiheit in Europa“ mit dieser Inszenierung durch Rödermark – vom Rotahasaal reicht das bis zum Braaret Bernsche und vom Dinjerhof bis zum Altenpflegeheim Morija. Dazwischen spielen sie das Stück immer wieder auch im eigenen Wohnzimmertheater. Und das Interesse ist sehr groß. Kein Wunder, entdeckt doch jeder etwas Neues über sich und seine Heimat in diesen 18 Stationen, die die Zeit von 1919 bis 2019 in den beiden Ortsteilen des heutigen Rödermark aufrollen.

So waren es auch im Jazzkeller etwa ein Drittel Stammgäste und zwei Drittel Zuschauer, die des Stückes wegen in den Club gekommen waren. Sie hatten viel Spaß, aber auch viel Stoff zum eigenen Zurückblicken und Grübeln.

Es gefror der regelmäßige Szenenapplaus buchstäblich ein, als der Mime seiner Frau vom vorabendlichen Steinewerfen und Türeneintreten bei der Jüdin Frida Kahn in der Frankfurter Straße in Ober-Roden erzählt – einen Tag nach der Reichskristallnacht, im Druck eines angetrunkenen Freundeskreises.

Großes Wiedererkennen gibt’s dagegen bei Renate, einer Tochter von Heinz Jakobi, die sich in der Besuchsszene von Willi Brandt in Urberach genau wiederkennt: „Ich hab ihm damals ein Blumensträußchen überreicht!“ Jeder findet sich wieder, und immer wieder steht hinter all den kunterbunten Szenen zwischen Mutter und Tochter, zwischen Oma und Enkel und zwischen Ehepaaren der Satz der Sätze: „Mer pagge des!“ Bis zum Schluss plötzlich Zweifel wach werden und das Wort „Burnout“ im Raum steht: „Alle sagen mir: ‚Du packst das! Du packst das!‘ Aber du packst es vielleicht nicht…“ Doch wer die Theaterleute Oliver und Friederike Nedelmann kennt, der weiß, dass es eine offene Wendung erfahren wird – wie die Integration von Orwisch und Oweroure. Den Beweis kann schließlich jeder selbst hier vor Ort erleben.

Nächste Spielorte: Freitag, 3. Mai und Samstag, 4. Mai, im Theater & Nedelmann, am Donnerstag, 9. Mai, dann im Haus Morija.  chz

Infos im Internet

theater-und-nedelmann.de

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare