Politik

Trotz verlorener Bürgermeisterwahl: Andrea Schülner für Wahl zur Ersten Stadträtin nominiert

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Blumen und Umarmung für die Siegerin: Der stellvertretende Parteivorsitzende Thomas Graf beglückwünschte Andrea Schülner.

Die Parteivorsitzende der Anderen Liste/ Die Grünen (AL) Andrea Schülner wurde für die Wahl zur Stadträtin nominiert. Die Entscheidung fällt am 18. Juni.

Rödermark – Die jüngste Mitgliederversammlung der Anderen Liste / Die Grünen (AL) hat die Parteivorsitzende Andrea Schülner mehrheitlich als Kandidatin für die Wahl zur Ersten Stadträtin nominiert. Die Stadtverordnetenversammlung entscheidet darüber in ihrer Sitzung am 18. Juni. Die Wahl Schülners gilt als sicher: AL und der Koalitionspartner CDU haben im Parlament eine satte Mehrheit.

Die Nominierung am Mittwochabend war weniger deutlich, als Andrea Schülner sich dies wohl gewünscht hatte. Immerhin sah sie sich bei der mit 49 Stimmberechtigten sehr gut besuchten Versammlung nicht nur mit einer Gegenkandidatin konfrontiert, sondern auch mit unangenehmen Fragen von Mitgliedern. Am Ende hatte sie bei der Abstimmung mit 29 zu 17 Stimmen aber die Nase vorn.

Andrea Schülner, die im März in der Bürgermeisterwahl Jörg Rotter (CDU) klar unterlegen gewesen war, ist die Wunschkandidatin des AL-Vorstands. Geschäftsführer Eckhard von der Lühe warb während der Nominierungsversammlung in der „Waldschänke“ eindringlich für die Qualitäten der Amtsanwärterin.

Sie habe als ehemalige Bürgermeisterkandidatin „das erste Zugriffsrecht“ auf den Stadtratsposten. Sie sei es gewesen, „die AL in den letzten zwei bis drei Jahren geprägt hat“. Von ihrem Engagement könne sich manch anderer „eine Scheibe abschneiden“. Schülner verfüge als Leiterin des Seniorenrathauses in Frankfurt mit 120 Mitarbeitern über ausgezeichnete Verwaltungskompetenz und große Erfahrung im Umgang mit Personal. Das seien „unabdingbare Qualifikationen“ für den Stadtratsposten. In diesem Job möchte Andrea Schülner Jörg Rotter beerben, der zum 1. Juli sein Amt als Bürgermeister antritt.

Aus der Mitgliederschaft kam dennoch ein Gegenvorschlag: Perihan Demirdöven, AL-Vorstandsmitglied und stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Aus der Zuhörerschaft fragte Sylvia Baumer, ehemals für AL im Magistrat, weshalb Andrea Schülner kandidiere, wie es zu ihrem „Sinneswandel“ gekommen sei. Schließlich habe sie im Bürgermeisterwahlkampf bei einer Wahlveranstaltung „klar formuliert“, sie stehe bei einer Wahlniederlage dann als Stadträtin nicht zur Verfügung.

Andrea Schülner antwortete, sie habe das nie so ausschließlich gesagt. Sie sei damals nach ihrem Plan B gefragt worden. Darauf habe sie geantwortet, sie werde dann ihrer Beschäftigung in Frankfurt nachgehen. Nach einer späteren Tätigkeit als Stadträtin sei nicht gefragt worden. „Es ging bei den Fragen immer um das Amt des Bürgermeisters.“ Sylvia Baumer insistierte daraufhin bei Andrea Schülner: „Ich habe dich das aber auch persönlich mal gefragt.“ Andrea Schülner ging darauf nicht mehr ein. Vielmehr ergriff Eckhard von der Lühe das Wort und betonte, er persönlich habe von Andrea Schülner „nie gehört, dass sie nicht erste Stadträtin werden möchte“. Alles andere hätte ja auch bedeutet, Personalgesprächen mit dem Koalitionspartner CDU vorzugreifen.

Perihan Demirdöven widersprach in ihrer Vorstellungsrede der Auffassung von der Lühes, wonach Andrea Schülner das „erste Zugriffsrecht“ auf den Stadtratsposten habe. Zu ihrem Demokratieverständnis gehöre es, dass es diesen „Automatismus“ eben nicht gebe.

Die 43-jährige Juristin berichtete von Zweifeln, dass ihre Kandidatur womöglich als Illoyalität gegenüber Andrea Schülner verstanden werden könne. Diese Zweifel seien aber unberechtigt. Denn es sei „begrüßenswert, dass Alternativen angeboten werden.“ Beide Kandidatinnen warben für ihre politischen Ziele und ihre Stärken. Im Wahlgang unterlag Perihan Demirdöven dann mit 17 zu 29 Stimmen. Es gab eine ungültige Stimme und zwei Enthaltungen.

Vor der Wahl hatte Bürgermeister Roland Kern, der nach 14 Jahren Amtszeit nun in den Ruhestand verabschiedet wird, eine ausführliche Bilanz seiner Arbeit gezogen. Er zählte fast 90 Projekte und Errungenschaften für die Bürger auf, die es bei seinem Amtsantritt 2005 noch nicht gegeben habe. Darunter waren Meilensteine wie der Bau gleich mehrerer Kitas, einer Schulmensa, diverser Wohnprojekte und Altenpflegeeinrichtungen, die Kinder- und Jugendfarm, das Schillerhaus, das Baugebiet Rennwiesen, Klima- und Integrationsprojekte, der Leitbildprozess, die Renaturierung der Rodau und Vieles mehr.  

bp

Quelle: op-online.de

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