Am Freitag ist Allerheiligen

Zwei eher unbekannte Heilige

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Der Heilige mit dem Bären an seiner Seite: So wie in der Urberacher Kirche wird St. Gallus oft dargestellt. Der Legende nach soll er einem wütenden Bären befohlen haben, ihm Feuerholz zu holen. Was der auch tat.

Am Freitag (31.10) begehen katholische Christen den Feiertag Allerheiligen. Das „Martyrologium Romanum“ kennt 6 000 Frauen und Männer, die heilig gesprochen wurden. Doch welche Heilige haben für Rödermark eine besondere Bedeutung? Das sind in erster Linie die Namenspatrone der katholischen Kirchengemeinden.

Rödermark – Eher unbekannte Heilige des frühen Christentums gaben den Kirchengemeinden in Urberach und Ober-Roden ihre Namen: Gallus (550 - 646) und Nazarius (270 - 304).

Der damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende Andreas Jacobsen und Pfarrer Elmar Jung hatten 2004, zum 1 700. Todestag von Nazarius, den Schutzheiligen porträtiert. „Nazarius war ein junger römischer Soldat, der sich schon sehr früh zum Christentum bekannte“, schreiben sie. Linus, einer der frühen Päpste, taufte ihn zu einer einer Zeit, in der Kaiser Diocletian die Christen unbarmherzig verfolgte.

Nazarius zog als Wanderprediger durch Italien und Gallien und taufte viele Menschen. Außerdem nahm er sich des Findelkindes Celsus an, der ihn auf seinen weiteren Reisen begleitete. In Rom versuchte Diocletian persönlich, Nazarius und drei weitere seiner Soldaten zu bewegen, dem christlichen Glauben abzuschwören – erfolglos. Die Gefährten wurden wilden Tieren vorgeworfen, die sie der Legende zufolge aber nicht anrührten. Dann wollten die Schergen des Kaisers sie ertränken. Doch Nazarius bekehrte seine Folterer zum Christentum und konnte zusammen mit Celsus nach Mailand flüchten. Aber dort wurden sie gefangen genommen und im Jahr 304 geköpft.

91 Jahre danach ließ Bischof Ambrosius die Leichname ausgraben. „Sein Haupt, das die Ruchlosen abgeschlagen hatten, war unversehrt an Haupthaar und Bart, dass er im Grabe gewaschen und gekämmt zu sein schien“, schrieb Paulinus von Mailand seinerzeit in einer Chronik.

Die älteste uns bekannte Darstellung des Heiligen Nazarius stammt aus dem 11. Jahrhundert und befindet sich auf einer Elfenbeintafel. Eine Nachbildung als Wachsmodel ist im Ober-Röder Pfarrbüro erhältlich.

Die Verehrung des Nazarius in Ober-Roden wurzelt in seiner Verehrung im Kloster Lorsch. Das hatte Zweigniederlassung vom Bodensee bis nach Holland; darunter befand sich auch das Kloster Rothaha in der Röder Mark.
Der Urberacher Kirchenpatron Gallus wurde im sechsten Jahrhundert in Irland von Kolumban, einem ebenso frommen wie strengen Ordensmann, zum Priester geweiht. Mit ihm und elf weiteren Mönchen brach Gallus auf, um den Alemannen am Bodensee die frohe Botschaft zu bringen.
„Auf seinem Weg dorthin hat sich der Missionar Gallus wohl auch in unseren Breiten einen Namen gemacht. Darauf lassen die zahlreichen Kirchen, die auf seinen Namen geweiht sind wie unsere Kirche in Urberach, die ihn von Jahr zu Jahr am 16. Oktober feiert, schließen“, stellt Pfarrer Klaus Gaebler die Verbindung her.
Am Bodensee angekommen, scheiterten die Missionsversuche, da Gallus rigoros Heiligtümer der bisher verehrten Götter ins Wasser warf. Die Mönche wurden vertrieben: Kolumban floh in die Lombardei. Gallus sollte mitziehen. Er wurde krank, was ihm Kolumban als Schwäche auslegte und ihm verbot, das heilige Messopfer zu feiern. Gallus zog sich in die Einsamkeit zurück. An einem weglosen und verlassenen Ort, an dem er stürzte, ließ er sich nieder.

Gallus fastete, schlief wenig und versammelte etliche der irischen Gefährten um sich. Sie pflegten die Wissenschaften, in denen Irland zu jener Zeit dem Festland weit überlegen war. Selbst aus den Städten kamen die Geistlichen in die Einöde, um sich in der „Auslegung der göttlichen Bücher“ unterweisen zu lassen. Aus dem Bericht über eine Predigt, die Gallus anlässlich der Weihe seines Schülers Johannes zum Bischof hielt, erfahren wir, dass er im Alten Testament bestens bewandert und zudem noch ein Mann der lebendigen und zündenden Rede war.

Und doch blieb Gallus bescheiden. Er sah sich als Missionar, der sich für die Botschaft Jesu engagierte. Nicht um vergänglichen Lohn, Ehre oder Eitelkeit. Gallus stand über all diesen Dingen. VON MICHAEL LÖW

Quelle: op-online.de

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