Gerade noch Mindestbelegung

Jedes vierte Bett in Flüchtlingsunterkünften bleibt leer

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Im Haus am Mühlengrund haben die Kommunalen Betriebe andere Sorgen als die Belegungsquoten. Die Balkongeländer sind so morsch, dass Absturzgefahr besteht. Das Nutzungsverbot hat die Bewohner jedoch nicht gestört. Die KBR mussten direkt vor den Türen zusätzliche Sicherungen anbringen.

Rödermark – Während des großen Flüchtlingszustroms 2015 und 2016 mietete die Stadt (fast) jedes einigermaßen taugliche Gebäude als Sammelunterkunft an und garantierte den Vermietern langfristige Belegungen. Die Kosten trägt der Kreis Offenbach. Von Michael Löw

Inzwischen ist der Strom abgeebbt. Jedes vierte Bett bleibt frei. Noch liegen die Belegungszahlen knapp über der Mindestgrenze – oft aber nur um zwei oder drei Personen. Wird sie unterschritten, zahlt der Kreis auch für leere Zimmer.

Die Freien Wähler wollten vom Magistrat Klarheit über die vier Gemeinschaftsunterkünfte im Stadtgebiet. Sie fragten nach Belegungszahlen, Vertragslaufzeiten, alternativen Nutzungen und Gerüchten, wonach in den Flüchtlingsheimen jetzt osteuropäische Gastarbeiter wohnen. Hier der Überblick, der sich aus den Antworten des Magistrats ergibt:

Kreuzgasse 14, Urberach

Das Gebäude hat maximal 36 Plätze, die Mindestbelegung liegt bei 27. Ende 2018 lebten dort 29 Menschen. Der Mietvertrag läuft am 31. Dezember 2019 aus, verlängert sich jedoch automatisch um ein Jahr, wenn er nicht gekündigt wird. Nach Auskunft von Bürgermeister Roland Kern will der Besitzer die beiden Häuser umbauen, dass sowohl Einzelzimmer als auch Wohngemeinschaften (je ein Bad und eine Küche für drei Schlafzimmer) möglich sind. Die Baugenehmigung liegt vor. Der Vermieter strebt eine langfristige Zusammenarbeit mit der Stadt an.

Odenwaldstraße 66/66a, Ober-Roden

Bevor die ersten Flüchtlinge in die frühere Polizeistation in der Odenwaldstraße einzogen, konnten Bürger die Zimmer besichtigen. Die waren nüchtern, aber praktisch eingerichtet.

Die frühere Polizeiwache und ihr Nachbarhaus haben Platz für bis zu 100 Bewohner. 63 Plätze sind belegt (Minimum: 60). Der Mietvertrag endet ebenfalls 2019. Die Stadt ist grundsätzlich an einem Anschlussvertrag interessiert, über die Konditionen wie Kosten oder Laufzeit wird laut Bürgermeister noch verhandelt.

Maybachstraße 4, Ober-Roden

Teile der Sammelunterkunft in der Maybachstraße sind an Arbeiter aus Osteuropa vermietet. Nach Auskunft der Stadt darf der Betreiber das – sofern die Unterbringung von Flüchtlingen sichergestellt ist.

Rödermarks größtes Flüchtlingsheim (150 Plätze, Minimum: 112, Ist-Belegung: 114 Plätze) ist noch bis Mitte 2026 von der Stadt gemietet. Im Juni 2023 reduziert sich die Mindestbelegung auf 70 Personen. Bürgermeister Kern bestätigt die FWR-Vermutung, dass sowohl dort als auch in der Odenwaldstraße nicht nur Asylsuchende wohnen: In beiden Gebäuden gebe es Teilflächen, die nicht im Vertrag mit der Stadt erfasst sind. Die kann der Besitzer frei vermieten – mit einer Einschränkung: Steigen die Flüchtlingszahlen wieder, muss der Betreiber besagte 150 Plätze bereitstellen. „In den Gemeinschaftsunterkünften Odenwald- und Maybachstraße entstehen der Stadt keine finanziellen Nachteile aus den anderweitigen Vermietungen des Betreibers“, versichert Kern.

Haus Am Mühlengrund, Urberach

Das 1967 gebaute Altenwohnheim wird von den Kommunalen Betrieben (KBR) gemangt. Es dient als Flüchtlingsunterkunft und als städtische Notunterkunft. Deshalb gibt es für die 45 Plätze keine Quote (Ist-Belegung: 41). Die Substanz ist solide, das Dach ist dicht. Heizung, Elektrik und Sanitär sowie die Dämmung entsprechen aber längst nicht mehr den Anforderungen. Die Balkongeländer sind marode, die KBR haben die Benutzung verboten. Da die Bewohner diese Anordnung missachteten, ließen die KBR vor den Balkontüren provisorische Brüstungen anbringen.

Flüchtlingsunterkunft in der Kaserne: Bilder

Außer den Gemeinschaftsunterkünften hat die Stadt noch 41 Wohnungen gemietet, in denen 140 Flüchtlinge leben. Die freien Plätze in den Sammelquartieren könnte die Stadt an andere Wohnungssuchende vergeben. Aber das ist nach Auskunft des Bürgermeisters nur „theoretisch“ möglich. Das Interesse ist gleich Null.

Quelle: op-online.de

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