Moderner Sozialverband

VdK als Kämpfer im Paragrafendschungel

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Bernd Koop Vorsitzender VdK Ober-Roden

Rödermark – Mehr als ein Dutzend Organisationen und soziale Vereine haben in Rödermark ein offenes Ohr – und offene Türen – für Menschen mit Nöten fast aller Art. Unsere Zeitung stellt die Helfer in einer Serie vor, heute ist der VdK an der Reihe. Von Christine Ziesecke

Auf einer Werbebroschüre beschreibt sich der VdK Ortsverband Ober-Roden wie folgt: „Wir sind eine starke Gemeinschaft. Wir sorgen für soziale Gerechtigkeit. Wir setzen Ihre Rechte durch. Wir engagieren uns im Ehrenamt. Gemeinsam sind wir stark!“
Wie weit die Rödermärker vom VdK Hilfe erwarten können, fragten wir den Vorsitzenden des Ober-Röder Ortsverbandes und langjährigen Bezirksvorsitzenden Bernd Koop, der 1986 zum Sozialverband VdK kam. Inzwischen hat er sich aus der Bezirksleitung zwar zurückgezogen, ist aber fast überall noch präsent – so etwa als Bezirksbeauftragter für Barrierefreiheit.

„Der VdK bietet Unterstützung bei allen Fragen rund um die Sozialgesetzgebung. Schwerbehinderung, Unfallkasse, Berufsgenossenschaft, Rentenfragen. Hier gibt’s zwar keine Rentenanträge oder -berechnungen, wohl aber alle Informationen“, umschreibt Koop die Leistungen. Auch zu den oft schwierigen Verhandlungen rund um Krankenkasse, Pflegekasse, Arbeitslosengeld oder die Grundsicherung gewährt der VdK Hilfe ebenso wie bei Fragen zu Patientenverfügungen oder Vorsorgevollmachten.

Wie bekommt ein Ratsuchender Hilfe? „Die Sprechstunden im alten Feuerwehrhaus Ober-Roden stehen in der Zeitung; telefonisch lassen sich für dort oder auch hier im heimischen Büro Am Wiesengrund 10 Termine absprechen“, macht Bernd Koop Mut. Sollten seine Kompetenzen nicht ausreichen – etwa bei Anträgen auf Schwerbehinderung oder Einsprüchen zu der Veranlagung –, werden notfalls Anwälte der Bezirksgeschäftsstelle eingeschaltet, die an den Sozialgerichten bis hin zu Landes- und Bundessozialgerichten vorstellig werden. Einige Anträge liegen derzeit sogar beim Bundesverfassungsgericht vor.

Bei den Anträgen wird Bernd Koop aktiv, in ständigem Kontakt mit den Mitgliedern, von denen es in Urberach derzeit 290 und in Ober-Roden knapp 700 gibt. Die Mitgliedschaft ist günstig: 9,96 Euro im Jahr. „Das sind unsere einzigen Einnahmen, damit müssen wir alles bezahlen, vom Schriftverkehr bis zu den regelmäßigen Kaffeenachmittagen oder der Jahresabschlussfeier.“ Die Fördergelder der Stadt gehen für die Miete des Raums in der alten Feuerwache drauf.

Viele Mitglieder kommen nicht zu den geselligen Veranstaltungen, sondern wollen nur Beratung und Hilfe. „Dabei brauchen wir so dringend frisches Blut, auch für die Vorstandsarbeit.“

Was den Ortsverbandsvorsitzenden nervt, sind die gleichen Nöte wie bei anderen Vereinen auch: „Alles muss wie ein Wirtschaftsbetrieb abgerechnet werden. Die Büroarbeit wird immer umfangreicher, und die Einlernzeit wird länger.“ Schließlich sollte nicht nur Bernd Koop wissen, wem und wo geholfen werden kann. „Die Menschen kommen überwiegend wegen Problemen rund um Schwerbehinderung, Rente oder Erwerbsminderungsrente. Schon weil Bescheide da auch mal gerne drei, vier Jahre dauern können.“ Bei Ablehnungen von Reha-Maßnahmen oder vermeintlich falschen Pflegeeinstufungen kann man mit den Unterlagen bei Bernd Koop vorbeischauen. Der weiß, wie man Einspruch einlegen kann.

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Eine sinnvolle zweite Schiene ist die Arbeit von Bernd Koop als Vorsitzender des Rödermärker Seniorenbeirats. Das bedeutet enge Kontakte und profundes Wissen um die Sorgen und Nöte und die Bedürfnisse der „Silver Agers“. Auf dieser Schiene hat er auch hilfreiche Kontakte zum Sozialdienst der Stadt und dem sozialen Netzwerk. Zum ehrenamtlichen Fulltime-Job von Bernd Koop kommt noch eine Position, die ihm viel Erfahrung für seine Beratungstätigkeit einbringt und umgekehrt: Bereits in der dritten Amtsperiode ist er ehrenamtlicher Richter am Darmstädter Sozialgericht. „Das geht alles nur, weil man den Menschen hier vor Ort helfen möchte. Da muss aber natürlich die Familie mitspielen – und meine Frau hat ja den Hund und das Enkelkind!“

Quelle: op-online.de

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