Besondere Räume: Labyrinth voller Krach und Rauch

Rödermark: Die Atemschutzstrecke der Feuerwehr

Dunkelkammer in Rödermark: Gute Sicht herrscht nur, wenn die Atemschutz-Teststrecke im Stand by-Modus ist. Bei der Übung selbst wird es ganz schnell dunkel, neblig und laut.
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Dunkelkammer in Rödermark: Gute Sicht herrscht nur, wenn die Atemschutz-Teststrecke im Stand by-Modus ist. Bei der Übung selbst wird es ganz schnell dunkel, neblig und laut.

Nicht jeder Raum in einem öffentlichen Gebäude in Rödermark ist auch öffentlich zugänglich oder der Allgemeinheit bekannt. Aber es gibt auch Räume, in denen viele Leute ein- und ausgehen, ohne zu wissen, was ihr Name bedeutet oder welche Funktion sie ursprünglich hatten. In unserer Sommerserie blicken wir hinter oft verschlossene Türen.

Rödermark - Ab in den Keller heißt es mindestens einmal im Jahr für alle Atemschutzgeräteträger der Feuerwehren im Kreis Offenbach. Der Besuch der Übungsstrecke des Kreises im Untergeschoss der Rödermark-Wache in der Kapellenstraße ist schweißtreibend und kräftezehrend.

Das Labyrinth aus Röhren, Käfigen, Engstellen und Durchstiegen, das von der Feuerwehr Ober-Roden betreut wird, hat man 1995 beim Bau der Feuerwache ins Gebäude integriert. Derzeit ruht der Betrieb wegen Corona weitgehend, aber normalerweise kommen rund 800 Feuerwehrleute übers Jahr verteilt – auch für sie ist’s 2020 also ein besonderer Raum.

Für alle Atemschutzgeräteträger ist es Pflicht, mindestens einmal jährlich die Übungsstrecke zu absolvieren. Geschenkt wird den Einsatzkräften dort übrigens nichts. Ganz im Gegenteil: „Das ist körperlich schon sehr anstrengend“, weiß Rödermarks Stadtbrandinspektor Herbert Weber.

Endlosleiter, Ergometer, Laufband und Gewichte ziehen stehen in einem ersten Raum auf dem Programm – das Ganze wohlgemerkt in voller Montur. Mit Atemschutzgerät, feuerfester Kleidung und sonstigem Material schleppen die freiwilligen Helfer im Einsatz und auch bei Übungen etwa 25 Kilo mit sich herum. Eine Tür weiter befindet sich die eigentliche Übungsstrecke. Hindernisse und räumliche Enge sollen ein möglichst realitätsnahes Szenario vermitteln. Der Raum wird hochgeheizt und verdunkelt, die Nebelmaschine tut ihr übriges für ganz schlechte Sichtverhältnisse. Aus den Lautsprechern ertönt ein Höllenlärm, damit sich die Zweiertrupps bei ihrem Kriechgang nur schwer verständigen können. Klappen, Höhenunterschiede, Schrägen und Türen stellen die Feuerwehrleute vor weitere Herausforderungen.

Unterwegs müssen sie an engen Stellen auch mal die Luftflasche ab- und dann wieder aufgesetzen. Im Dunkeln oftmals gar nicht so einfach. „Die Anlage wird auch immer wieder umgebaut, damit die Wege nicht schon allen bekannt sind“, so Herbert Weber. Das bedeutet speziell für Feuerwehrleute, die erst mit der Atemschutzausbildung begonnen haben, ordentlich Stress.

Mehr als die Hälfte der Mitglieder der Einsatzmannschaft in Rödermark hat die Ausbildung zum Atemschutzgeräteträger, erklärt der Stadtbrandinspektor. Manchmal aber müssten Feuerwehrleute erkennen, dass das Arbeiten unter Atemschutz für sie nichts ist. Sie übernehmen dann lieber eine der vielen anderen Aufgaben. Bei einer arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung werden die Kandidaten gründlichst auf ihre Eignung für die schwere, körperliche Tätigkeit gecheckt.

Dann kann der Atemschutzgeräteträger-Lehrgang starten, der für die Feuerwehren des Kreises ebenfalls in Ober-Roden stattfindet. Bei Einsätzen, bei denen giftige Stoffe austreten und die Atemluft unbrauchbar machen, schützen sich die Einsatzkräfte über ihre normale Ausrüstung hinaus mit Gesichtsmaske und der Flasche voller Pressluft. Somit sind sie von der Umluft unabhängig und können tief in verqualmte Keller oder Hallen vordringen.

Kontrollzentrum: Stadtbrandinspektor Herbert Weber kann das Training per Kamera verfolgen.

Der Vorrat auf dem Rücken reicht für maximal eine halbe Stunde. „Wenn die hier raus kommen, ist die Flasche in der Regel fast leer“, sagt Herbert Weber mit Blick auf die Übungsstrecke. So ein Durchlauf dauert insgesamt rund 20 Minuten. In der verwinkelten Anlage, die aus dem Vorraum immer von zwei Mitgliedern der Feuerwehr Ober-Roden auf dem Bildschirm überwacht wird, kann nicht nur das Arbeiten unter Atemschutz geübt werden. Zusätzlich können – besser gesagt: müssen – die Feuerwehrleute auch noch in einen Chemikalienschutzanzug schlüpfen.

Der wird etwa benötigt, wenn ein Tank undicht ist. Im Parcours können die ��bungsteilnehmer beispielsweise festsitzende Verschraubungen lösen. Ob der geringen Bewegungsfreiheit gar nicht so einfach.

Die Pandemie hat natürlich auch Auswirkungen auf die Atemschutzstrecke. Letztmals wurde sie von den Feuerwehren im Kreis am 13. März genutzt. Derzeit gibt es eine Ausnahmeregelung, damit die Ausbildung zeitlich nach hinten geschoben werden kann. Die Strecke in Ober-Roden ist die einzige ihrer Art im Kreis. Sie wird neben den Feuerwehren im Kreis auch von der Opel-Werkfeuerwehr genutzt. Als es die Anlage noch nicht gab, mussten die Atemschutzgeräteträger der Kreisfeuerwehren ihre jährliche Übung auf der Strecke der Stadt Offenbach absolvieren. (Sascha Eyßen)

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