Von gelben Streifen fernhalten

Unsinnsmarkierungen bringen 274 Erstklässler und ihre Eltern zum Lachen

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Gespannt auf das, was die Großen denken: Coole Viertklässler der Trinkbornschule nahmen die Abc-Schützen von der Bühne herunter kräftig auf die Schippe.

Die Schülerzahlen steigen weiter, 274 kleine Rödermärker sind seit gestern Erstklässler. Voriges Jahr wurden 257 Kinder eingeschult. 

Rödermark – Aber die beiden Grundschulen wachsen nicht gleichmäßig: In der Trinkbornschule wurden deutlich mehr Kinder aufgenommen als 2018 – nämlich 160 statt 140. Das liegt überwiegend am Neubaugebiet zwischen Odenwaldstraße und Bahn. An der Schule an den Linden ging die Zahl der Erstklässler minimal zurück, von 117 auf 114.

Trinkborn-Rektor Stefan Wesselmann hat die Neuen in eine Vorklasse und sechs Klassen eingeteilt. Die sind verhältnismäßig groß. „Wir waren hart an der Siebenzügigkeit“, erläuterte Wesselmann am Rande der Einschulungsfeier die Alternative. Doch sieben erste Klassen hätten die ohnehin größte Grundschule im Kreis räumlich in Schwierigkeiten gebracht; das Schulamt bot Wesselmann schon Container an. Die mit der jetzigen Lösung zum Glück überflüssig sind.

Alle Lehrerstellen sind besetzt

Mit seinem pädagogischen Personal ist Wesselmann hochzufrieden. Alle 40 Lehrerstellen sind besetzt, dazu kommen zwei Sozialpädagogen. Trotz landesweitem Lehrermangel bewarben sich an der Trinkbornschule mehr Interessenten als es freie Plätze gab. Die meisten neuen Kolleginnen und Kollegen kamen auf Empfehlung nach Ober-Roden. Für Rektor Wesselmann ein Indiz, welch guten Ruf die Schule genießt. Der ein oder andere Bewerber sei aber auch durch Aktivitäten im gewerkschaftlichen Bereich auf die Trinkbornschule aufmerksam geworden. Stefan Wesselmann ist Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) Hessen.

In dieser Eigenschaft kritisiert er immer wieder die Inklusion, das gemeinsame Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern: Den meisten Schulen fehle es an geeignetem Personal. Die Situation an der eigenen Schule stimmt ihn dagegen zufrieden. Zwei Inklusionslehrer des dezentralen Beratungs- und Förderzentrums sind seit dem Ferienende ganz an die Trinkbornschule abgeordnet, einer teilweise.

Voller Einsatz: Wer kennt das „A“?, fragte Rektorin Andrea Schöps gestern die Urberacher Erstklässler. Fast alle wussten"s, denn sie hatten sich schon in der Kita mit dem Alphabet befasst. Schwieriger war"s da schon, den Buchstaben in den eigenen Namen einzuordnen.

Wesselmann und sein Kollegium wissen allerdings noch nicht, wie viele Erstklässler diese sonderpädagogische Betreuung überhaupt benötigen. Gut eine Handvoll Kinder habe bereits einen Anspruch darauf. Im Lauf des Schuljahres kommen erfahrungsgemäß aber noch weitere dazu.

Musiklehrerin Sigrid Margraf nimmt Abschied

Die 114 Urberacher Erstklässler gehen in eine Vor- und fünf erste Klassen, erläuterte Andrea Schöps, die Rektorin der Schule an den Linden. Auch dort sind alle Lehrerstellen besetzt. Für Musiklehrerin Sigrid Margraf war die Begrüßung der Abc-Schützen ein Abschied: Letztmals dirigierte sie den Schulchor, denn sie ging eigentlich vor den Ferien in Rente.

Rektorin Schöps ist sicher, dass sich die Neulinge schnell eingewöhnen. Sie haben die Schule schon drei Mal besucht und zum Beispiel durch eine Rallye oder einen Lesevormittag kennengelernt: „Das ist ein fließender Übergang von der Kita gewesen.“

Ein gelber Faden zog sich durch die Einschulungsfeiern in beiden Stadtteilen. „Da hat sich jemand was ganz Besonderes gedacht und ganz viele Zebrastreifen ausgemalt“, witzelte Wesselmann in Richtung von Bürgermeister Jörg Rotter, dessen Tochter Anna gestern eingeschult wurde. Rotter konterte: Die Kinder sollen sich nicht an den Behelfsmarkierungen orientierten, die die Telekom scheinbar wahllos im Westen Ober-Roden aufbringen ließ, sondern an den „Kleinen Rödermärkern“. Das sind eine Art „Mensch-ärgere-dich-nicht“-Figuren, die in die Bürgersteige eingelassen wurden und Kinder sicher zur Schule führen.

Mit der Sicherheit vor den Schulen steht's nach Ansicht des Bürgermeisters schlecht. „Was dort vor den Toren abgeht, ist nicht verantwortungsvoll“, kritisierte Rotter die unzähligen Elterntaxis, die am liebsten bis in die Klassenzimmer fahren würden. Sein Appell: das zur Schule gehen wörtlich nehmen.

Michael Löw

Quelle: op-online.de

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