Neubürger-Rundgang ohne Neubürger

Vom roten Bach bis zur frühen Zeit der Eisenbahn

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Ortsinteressierte sind unverwüstlich: Trotz strömendem Regen folgten sie dem Stadtführer Reinhard Berker zur Trinkbornschule und weiter durch den Ortskern.

Strömender Regen, offene Schirme, tropfende Kapuzen: Ein kleiner Stadtrundgang der besonderen Art zog sich am Samstag durch den Ober-Röder Ortskern.

Ober-Roden – Eingeladen hatte die Stadt zum zweiten Teil des Neubürger-Rundgangs, diesmal durch das Herz des fränkischen Rundlings. Doch das Wetter war wenig gastlich, weshalb Stadtführer Reinhard Berker über die dennoch erschienene Besucherschar staunte.

Auch hier gabs wie schon in Urberach bei der Führung mit Bürgermeister Roland Kern praktisch keine Neubürger, sondern durchweg langjährige oder ehemalige Rödermärker, die sich für ihre Stadt und deren Historie interessierten. Da konnte Reinhard Berker aus seinem vollen Wissen schöpfen. Immer wieder aufgelockert durch Dialekt-Texte in breitestem Owerärerisch oder – dem Wetter geschuldet – kurze Gedichte, erzählte er vom „Knochen“ am Rathaus, gestaltet von der Künstlerin Renate Golla, die noch mit zahlreichen Werken in Rödermark vertreten ist, Ebenso von der Rodau, die am Rathausplatz noch „gedeckelt“ ist – was zu einem ersten Exkurs führte, diesmal über den Namen des „roten“ Bachs, der an seinem Ursprung im eisenhaltigen Messeler Hügelland seine rote Färbung erhält.

Berker informierte auch über die bevorstehende Sanierung des Ortskerns, die das Land mit jährlich rund einer Million Euro unterstützt: „Es gibt da schon gute Expertisen, doch Stadtplaner, Bauamt und Bürger müssen erst noch auf einen Nenner gebracht werden.“ Interessiert hörten seine Begleiter, dass „die Röder Mark“ zwischen Messel und Weiskirchen kein Kunstname ist, sondern ein Verwaltungsbegriff.

Sie erfuhren viel über den Bücherturm und die Trinkborn-Schule, so auch, dass es früher ein großes Problem für die hiesigen Kinder gab: die Dialekte. „Wenn Deutsch genauso leicht wäre wie Französisch…“ hieß es dann schon mal, wenn der Nachwuchs etwa aufs Gymnasium in Offenbach kam.

Dass die Kulturhalle im alten Gleisdreieck einem alten Eisenbahnwagen nachempfunden ist, begründet Reinhard Berker mit der Erinnerung an die frühen Zeiten der Bahn, als der Schrankenwärter noch ein Kommunikationszentrum für die Bürger war („Meine Großmutter konnte sich noch an den Bahnbau erinnern“) und der Zug hin zu Opel die einzige Möglichkeit war, Geld zu verdienen: „Ober-Roden war ein nettes, aber ein armes Dorf.“

Von einem so versierten Ortskenner seine Stadt gezeigt zu bekommen, war wie immer ein Vergnügen, noch dazu mit viel Wissen zum Weitergeben, wie Teilnehmerin Gabriele Pick zusammenfasste: „Ich möchte das alles gerne wissen, denn meine Enkel interessieren sich für so etwas und nun kann ich denen das weitergeben.“

VON CHRISTINE ZIESECKE

Quelle: op-online.de

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