Erntedank

Reiche Ernte trotz Wetterkapriolen

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Hochbetrieb herrscht derzeit bei den Kelterfreunden Ober-Roden in der Frankfurter Straße 33: Die Säcke voller Äpfel stapeln sich, und die Zuschauer erleben den vollen Arbeitsgang von der Frucht bis zum frischen Süßen im Glas oder im Kanister.

Hobbygärtner blicken auf ein gutes Jahr zurück; Obst und Gemüse gediehen prächtig. Und anders als in manchem Nachbarort müssen sich Rödermärker Apfelweinfreunde keine Sorge um den Rohstoff fürs „Stöffche“ machen.

Rödermark – Das Erntedankfest erinnert einmal mehr daran, dass es keineswegs selbstverständlich ist, dass hierzulande fast alle satt werden und dass wir uns ausreichender Reserven für den Winter erfreuen können. Gerade in einer Zeit klimabedingten Wandels wächst die Sorge um die Grundlagen unserer Nahrung.

Doch Rödermark ist in diesem Jahr erfreulich gut weggekommen, was witterungsbedingte Katastrophen angeht. Wer bei den Gartenfreunden nachfragt, spürt große Zufriedenheit, so etwa bei Uschi und Gunter Müller. Ihre Idylle im Ober-Röder „Steckengarten“ ist ein buntes Herbstgedicht aus Farben und Blüten, das Rainer Maria Rilke hätte schreiben können: „Herr, es ist Zeit! Der Sommer war sehr groß!“

Hier gibt’s alles, was das Herz begehrt, allem voran: Tomaten, Tomaten, Tomaten. Die Liebhaber grüner Kost können aus dem Vollen schöpfen, was Gemüse, Salate und Kräuter angeht. Gurken, Paprika und sogar Champignons wachsen in Hülle und Fülle – ohne Zutun der Müllers – auf der Wiese und dem Kompost. „Wir hatten keine wetterbedingten Ausfälle, das Wetter hat gepasst. Wir haben halt viel aus der Regentonne gegossen.“

Arbeitsreicher Sommer ist vorbei

Aus dem bei der Hausfrau eher ungeliebten Wirsingpflänzchen wurde ein 6,9-Kilo-Koloss. Zwetschgen gab"s in einer solchen Menge, dass sie zu Latwerge verkocht werden mussten, und die große Tomatenflut wurde zu Tomatenmark verarbeitet.

Tomaten sind das Hobby von Gunter Müller: 14 Sorten hat er angebaut, von riesigen und extrem schmackhaften gelben über schwarze und grüne bis hin zu den winzigen, aber würzigen „Mexico Midgets“, die mehr Johannisbeeren als Tomaten ähneln. „Ich bin aber sehr froh,“ gesteht Uschi Müller, Hobby-Gärtnerin mit zwei grünen Daumen, „dass dieser Sommer jetzt vorbei ist. Es war ungewöhnlich viel Arbeit, und ich habe meinem Mann schon angedroht: nächstes Jahr nur noch halb so viel!“ Beide sind aber so stolz auf ihren überreichen Garten, dass diese „Drohung“ wohl ungehört bleibt...

Reich fiel die Ernte im Garten von Uschi und Gunter Müller aus. Vor allem Tomaten gedeihen in bunten Varianten.

Die gute Ernte dieses Jahres bestätigen auch Eva und Klaus Seidel. Sie haben seit 1983 eine Parzelle beim Kleingärtnerverein Erlenwald gepachtet und können die Wetterkapriolen gut einordnen. „Wir können uns an keine so extremen Jahre wie dieses und vor allem das letzte erinnern. Doch das Frühjahr war diesmal feucht, die Gärten sind gut angegangen, erst dann wurde es sehr heiß, was bei dem Sandboden hier sehr schwierig ist“, begründen sie die Notwendigkeit, dass sie sehr viel gießen mussten. „Wir haben sechs oder sieben Fässer im Garten fürs Regenwasser, und es war meistens etwas drin. Nur im Notfall haben wir Trinkwasser fürs Gießen benutzt.“

Sommer 2018 war sehr viel schlimmer

Der Sommer 2018 war sehr viel schlimmer. Diesmal fiel immer mal etwas Regen. „Trotzdem: Sehen Sie den Fußweg hier. Früher war er stets grün, weil er sich über den Winter immer erholen konnte. Aber inzwischen ist er nur noch ein dunkler Streifen“, sagt Eva Seidel.

Angelika Hufnagel, Vorsitzende des Kleingärtnervereins Erlenwald, fasst es zusammen: „Die Ernte war gut, beim Obst sogar super!“ Himbeeren und Brombeeren hatten hohe Erträge; Pflaumen und Äpfel gab"s in Hülle und Fülle, aber auch Birnen, Pfirsiche und – immer noch an den Bäumen – wunderschöne Quitten. Auch in ihrem Garten haben die Tomaten ergiebig getragen, und Paprika und Peperoni stehen noch aus. Vom Gießen abhängig waren Größe und Ertrag bei den Kartoffeln.

Gesellig geht’s nach der Ernte weiter, so etwa am 26. Oktober, wenn die Kleingärtner zum Vereinsabend am Lagerfeuer einladen. Und am 30. November werden im Vereinsheim Adventsplätzchen gebacken.

Berge an Äpfeln türmen sich auf

Unerwartet hohe Berge an Äpfeln türmen sich im Hof der Frankfurter Straße 33. „Und die sind alle nur von unseren eigenen Grundstücken“, freuen sich die Ober-Röder Kelterfreunde Stefan Hornung, Ingo Teike und Michael Wahl, die in diesem Jahr eine wahre Schwemme an Streuobst erlebten.

Mit ein paar Birnen und einigen Quitten extra lässt sich geschmacklich experimentieren, zumal die Äpfel in diesem Jahr eine hohe Eigensüße haben. Probiert werden kann vor Ort; verkauft wird direkt aus der Kelter weg in mitgebrachte oder geliehene Kanister. Der nächste Keltertermin ist am Donnerstag, 3. Oktober: „Wer Lust hat, den frischen Süßen zu probieren und uns ein bisschen bei der Arbeit zuzusehen, ist herzlich eingeladen. Der erste frische Saft wird gegen 12 Uhr zu genießen sein.“

Erntedank ist auch ein kirchliches Fest. Gestern feierten die beiden evangelischen Gemeinden Familiengottesdienste. Am Sonntag, 6. Oktober, dem klassischen Termin, danken die Katholiken (um 9 Uhr in St. Nazarius und um 10.30 Uhr in St. Gallus) dem Schöpfer für seine Gaben.

VON CHRISTINE ZIESECKE

Quelle: op-online.de

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