Kleine Schritte in die Normalität

Stadt öffnet öffentliche Gebäude - doch es gibt Einschränkungen

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Im Bücherturm ist die Ausleihe mit Abstand und Masken schon seit zwei Wochen möglich. Ab Montag sollen weitere städtische Einrichtungen und Gebäude geöffnet werden.

Ab Montag kehrt ein weiteres Stück Normalität in der Stadt Rödermark  ein. Mehrere öffentliche Gebäude sind – zumindest mit den mittlerweile üblichen Auflagen – geöffnet.

Rödermark –  Das gilt für die Halle Urberach, die Kelterscheune, die Kulturhalle, die Sporthallen sowie die Vereinsräume des Bücherturms, dessen Bibliothek schon vor zwei Wochen die Corona-Zwangspause beendete.

Die Lockerungsverordnungen der Landesregierung betreffen auch die Rathäuser in Ober-Roden und Urberach. Hier können alle Verwaltungsangelegenheiten wieder geregelt werden – allerdings nur nach telefonischer Terminvereinbarung. Im Jugendzentrum in Ober-Roden zerbrechen sich die Sozialarbeiter noch den Kopf darüber, welche Angebote sie unter den einschränkenden Corona-Bedingungen machen können.

Vereine können also in vielen öffentlichen Gebäuden auf Antrag wieder proben oder trainieren. Sie müssen der Verwaltung allerdings ein Hygiene- und Nutzungskonzept vorlegen, das schlüssig darlegt, wie die strikten Vorschriften, die das Land an die Lockerungs-Regelungen geknüpft hat, eingehalten werden sollen.

Bürgermeister Jörg Rotter stellte gestern bei der Magistratspressekonferenz jedoch klar: „Öffentliche Veranstaltungen wird die Stadt hier nicht gestatten.“ Geschlossen bleiben die vorläufig noch die Kitas, das Badehaus, die Bücherei Urberach, der Bürgertreff Waldacker, das „SchillerHaus“ (außer für die Sozialberatung) und die Waldfestplätze.

Der wahrscheinlich härteste Einschnitt in die neuen Freiheiten: Das städtische Kulturprogramm fällt bis Jahresende aus – mindestens. Vielleicht sogar bis April oder Mai 2021. Rotter begründet das zum einen mit dem Infektionsschutz: Das Publikum vieler Konzerte oder Theatervorstellungen ist 70 und älter, gehört also überwiegend zur Risikogruppe.

Zum andern gibt es in der Kulturhalle maximal 100 Plätze, wenn die Stadt die geforderten Sicherheitsabstände einhält. Dann wird der Kulturbetrieb vollends unwirtschaftlich. „Wir wollen versuchen, aus den Verträgen rauszukommen, um die Kosten zu minimieren“, lautet Rotters Vorgabe für die neue Spielzeit. Die reinen Programmkosten liegen laut Fachbereichsleiter Gregor Wade bei etwa 226 000 Euro. Der Stadt dürften harte Verhandlungen ins Haus stehen, weil Theater- oder Konzertagenturen praktisch keine neuen Engagements mehr kriegen.

Immerhin bekommt die lokale Kultur wieder Übungsmöglichkeiten. Die Stadt will den Musikvereinen und Chören Proben im Foyer der Kulturhalle oder in der Halle Urberach ermöglichen. Im „Rothaha“-Saal zum Beispiel ist"s einfach zu eng dafür.

In den Sporthallen darf der Trainingsbetrieb kontaktfrei wieder aufgenommen werden. Hygiene und Desinfektionsmaßnahmen, insbesondere bei der gemeinsamen Nutzung von Sportgeräten, sind Pflicht. Umkleidekabinen, Dusch- und Waschräume sowie die Gemeinschaftsräumlichkeiten, ausgenommen die Toiletten, müssen geschlossen bleiben. Risikogruppen dürfen keiner Gefährdung ausgesetzt werden, Zuschauer sind verboten. Die Stadt will die Vereinsvertreter bei einer Sitzung am Montag über die Einzelheiten informieren.

Die Kindergärten kehren auf Anweisung des Hessischen Sozialministeriums frühestens im Juni nach und nach zum Normalbetrieb zurück. Sozialdezernentin Andrea Schülner zog gestern eine Bilanz der Notbetreuung. Anfangs kamen etwa 20 Kinder von Krankenschwestern, Ärzten, Polizisten und ähnlichen Berufen in die Kitas. Zweimal organisierte die Stadt sogar einen Wochenenddienst. Aktuell werden 120 Kinder betreut. „Mit steigender Tendenz“, sagt die Erste Stadträtin, weil weitere Berufsgruppen als systemrelevant gelten.

Das ist die eine Seite der Medaille. Stadträtin Schülner berichtete von zwei extremen Härtefällen, in denen sie gerne helfen würde, aber nicht darf: Würde eines dieser Kinder – deren Mütter in „normalen“ Berufen arbeiten – Corona in eine Kita einschleppen, müsste die Stadt für die Folgen haften.

„Wir haben das umzusetzen, was uns Land und Kreis vorschreiben“, betont Bürgermeister Rotter. Neue Richtlinien kommen meist kurzfristig und oft am Wochenende. Und spätestens am Montag wollen die Bürger über die aktuellste Fassung informiert sein.

Apropos Information: Aus dem Kreishaus könnten sie nach Ansicht Rotters etwas kräftiger fließen. Wegen der ersten Coronafälle in Rödermark habe Landrat Oliver Quilling Anfang März noch persönlich bei ihm angerufen. Gestern Morgen erfuhr Rotter, dass es zwei neue Fälle gibt. Dazwischen gabs keine Rödermark-bezogenen Zahlen, mit denen die Stadt ihre Abwehrstrategie hätte optimieren können. Das ändert sich ab sofort, teilte Rotter am Nachmittag mit.  

Quelle: op-online.de

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