Urberach und Ober-Roden

Fünf Busbetriebe für 10.000 Einwohner - das steckt dahinter

Die erste Fahrzeugflotte der Firma Kipferl bestand aus zu Bussen umgebauten Lastwagen, Anhängern und einem Pkw. Das Foto entstand Anfang der 1930er Jahre und ist das Mai-Motiv im Kalender des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) Rödermark. Foto: Archiv HGV
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Die erste Fahrzeugflotte der Firma Kipferl bestand aus zu Bussen umgebauten Lastwagen, Anhängern und einem Pkw. Das Foto entstand Anfang der 1930er Jahre und ist das Mai-Motiv im Kalender des Heimat- und Geschichtsvereins (HGV) Rödermark. 

In den Dreißigerjahren hatten Ober-Roden und Urberach zusammen fünf Busbetriebe. Damit gab es fast mehr Busse als Autos.

Rödermark – In den Dreißigerjahren hatten Ober-Roden und Urberach zusammen nicht einmal 10 .000 Einwohner, aber fünf Busbetriebe. Auf diese doch erstaunliche Zahl stieß der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) bei den Recherchen für seinen 2020er Kalender „Bewegte Zeiten“.

Mit vielen Bildern und kurzen Erläuterungen dokumentiert er in Anfänge der Motorisierung in den beiden Dörfern.

In einer Zeit, in der die wenigsten ein eigenes Auto hatten, nahm man gerne die Angebote der ersten Personentransporter in Anspruch. Vielen ist über die Väter noch gut in Erinnerung, wie sie tagtäglich in die Opel-Werke nach Rüsselsheim fuhren. Sie waren damals Europas größter Autofabrik. Um 1930 stießen geschäftstüchtige junge Männer wie Franz Kipferl, Martin Hain, Emil Lang oder auch Christian Neuhäusel in die Lücke, die die Reichsbahn mit ihrem schwerfälligen Fahrplan hinterließ, und bauten zunächst Lastwagen zum Personentransport um. Schon bald hatten alle eine kleine Flotte an „modernen“ Bussen. Oft hießen diese „Germania“, „Moselland“, „Sturmvogel“, „Hanseat“ oder „Rheinperle“. Gruppen- und Gesellschaftsreisen waren im Angebot, aber auch ein kleinerer Personen-Nahverkehr, wie mit dem „Rodgau-Express“.

Unfall auf dem Weg zur Arbeit: 1934 prallte einer der Behelfsbusse, der Opel-Beschäftigte transportierte, gegen einen Baum. 

Weit über die Grenzen des heutigen Rödermark hinaus bekannt war die Firma Kipferl aus Ober-Roden. Der Betrieb nahm seinen Anfang in der Trinkbrunnenstraße, wo Adam Kipferl ein Lebensmittelgeschäft hatte. Er warb mit den „Spezialitäten holländische und deutsche Teebutter, Schmalz und Margarine“. Sohn Franz baute zunächst einen Lkw zum Bus um.

Etwa ab 1932 verlegte er – nun seinen eigenen Betrieb – in die Frankfurter Straße. Die Kreuzung mit der Nieder-Röder Straße hat noch heute den Spitznamen „Kipferl-Kreuzung“. Neue Fahrzeuge kamen hinzu, aus dem Busbetrieb wurde ein großes Reisebüro. 2010 meldete die Firma Kipferl Insolvenz an. Der „2. Ober-Röder“, Christian Neuhäusel, hatte bereits in den 1960er Jahren seinen Betrieb aufgegeben.

Von den einst fünf Busunternehmen sind heute nur noch die Urberacher Firmen Hain und Lang übrig.  lö

Quelle: op-online.de

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