Stadt sucht Partner fürs schnelle Internet

Datenautobahn gemeinsam bauen?

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Rödermark - Die Stadt will den Bau eines leistungsfähigen Datennetzes entweder europaweit ausschreiben oder zusammen mit vier Ostkreis-Kommunen verwirklichen. Nach fast fünf Jahren sollen diese Alternativen die Breitbandversorgung endlich voranbringen.

Schnelles Internet mit einer Datenübertragungsrate von 50 Mbit pro Sekunde („DSL 50 000“) soll im ganzen Stadtgebiet möglich sein. Aber in einigen Straßen von Breidert oder Bienengarten ist bei 1,5 Mbit Schluss. Für die Großen der Telekommunikationsbranche rentiert sich der Ausbau nicht; auch Gespräche mit öffentlich-rechtlichen Partnern wie der Wirtschaftsförderung des Odenwaldkreises scheiterten. Selbst der Beitritt zum Zweckverband Netzausbau Darmstadt/Dieburg brachte keinen Fortschritt.

Daher hat der Magistrat jetzt einen neuen Verhandlungsauftrag, um „Rödermärker Unternehmen den Anschluss ans Jetzt“ zu ermöglichen, wie es der CDU-Stadtverordnete Jochen Weiland formulierte. Er soll entweder ein stadtweites Breitbandnetz in ganz Europa ausschreiben oder eine Verbundlösung mit Rodgau, Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen suchen. Bürgermeister Roland Kern lotet die Chancen heute mit seinen vier Amtskollegen aus.

Zeitliche und finanzielle Risiken

Kern weist aber darauf hin, dass auch diese beiden Varianten und der theoretisch immer noch mögliche Zweckverband Darmstadt/Dieburg mit zeitlichen und finanziellen Risiken behaftet sind. Von der Datenautobahn im Jahr 2014 ist längst keine Rede mehr - für SPD, FDP und Freie Wähler Anlass zu scharfer Kritik. „Wir haben viel zu viel Zeit verloren“, grantelt Peter Schröder (FWR). Und Dr. Rüdiger Werner von der FDP setzt nach: „Als die damalige CDU/FDP-Koalition 2009 den ersten Antrag zum Breitbandausbau stellte, war Rödermark in Hessen weit vorne. Heute sind wir fast ganz hinten!“

Die FDP flüchtet sich in die Satire: Rödermark wird Standort von Deutschlands erstem Elektronik-Ramschmarkt.

Immerhin: Der Netzausbau wird mit der Zeit billiger. Anfangs ging der Magistrat noch von 5,88 Millionen Euro Kosten aus, 2013 sollte das 50-Mbit-Netz dann zwischen 2,8 und 3 Millionen Euro kosten. Zuletzt nannte Kern eine Bausumme von knapp 1,5 Millionen Euro. Doch auch das sei für eine Stadt unterm Schutzschirm des Landes viel Geld. Kern: „Wir sind als öffentliche Hand verdammt, die Lücken zu schließen, die für Private nicht rentabel genug sind.“ Rödermark und/oder seine potenziellen Partner könnten angesichts sinkender Baukosten für Unternehmen wieder interessant werden, sagt dagegen Michael Baumer (AL): „Jetzt kommen neue Provider ins Spiel.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer denkt schon über die Zeit nach dem Bau nach. Er will zum Beispiel wissen, ob die im Herbst 2012 gegründete Breitband Rödermark GmbH das Netz dann auch managen - sprich: Kunden akquirieren und Preise festlegen - soll. Falls nicht, habe diese städtische Gesellschaft keine Daseinsberechtigung mehr.

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Deutschland hinkt bei der Breitbandversorgung hinterher. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ zitiert eine EU-Untersuchung, nach der 22 europäische Länder, darunter Litauen und Rumänien, ihre Bürger mit schnellen Glasfaserleitungen versorgen. Dagegen sind 98 Prozent der deutschen Haushalte an langsame Kupferkabel angeschlossen, die erst zusammen mit Glasfaser auf den letzten Metern wenigstens 25 bis 50 Mbit/Sekunde erlauben. Das reicht zum Telefonieren und Surfen. Sobald mehrere Familienmitglieder auf ihren Computern hochauflösende Fernsehprogramme (HDI) schauen, gerät das 50-Mbit-Netz an seine Grenzen. Daher bieten mehrere Firmen ihren Kunden Anschlüsse mit bis zu 150 Mbit an. 

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Quelle: op-online.de

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