Umweltfreunde Rödermark

Ein Großputz pro Jahr reicht nicht

Einen Bollerwagen verschenkte die FDP an Michael Ihm und die Umweltfreunde Rödermark, damit sie nicht so viel schleppen müssen. Fotos: Ziesecke
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Einen Bollerwagen verschenkte die FDP an Michael Ihm und die Umweltfreunde Rödermark, damit sie nicht so viel schleppen müssen.

Die Umweltfreunde Rödermark räumen alle vier Wochen rund um die Stadt anderer Leute Dreck weg. Da kommt an einem Vormittag schon mal eine halbe Tonne zusammen.

Rödermark – Einmal im Monat trifft sich am Badehaus eine Gruppe von Bürgern, um ihren unordentlichen und gedankenlosen Mitmenschen den Dreck hinterher zu räumen. Seit gut einem halben Jahr gibt es die Umweltfreunde Rödermark; ihre Sprecher sind Michael Ihm und Nicole Rauschenberger.

„Wir machen so eine Art permanenten Gemarkungsputz, den wir über die Medien wie auch über Facebook kommunizieren und der wetterunabhängig stattfindet. Weil wir gemerkt haben, dass die jährlich einmalige städtische Aktion für ein sauberes Rödermark einfach nicht ausreicht“, erläutert Michael Ihm. Er freut sich, dass die Gruppe mittlerweile von der Stadt und der FDP unterstützt wird: nicht nur mit gelegentlicher personeller Unterstützung, sondern auch mit einem Bollerwagen, den die Freien Demokraten gesponsert haben, um den Umweltschützern ihre Arbeit zu erleichtern. Mit der Feststellung „Es war aber ein durchaus ernst gemeinter Arbeitseinsatz von Parteiseite und keine PR-Aktion“, verweist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dr. Rüdiger Werner auf die Statistik der Sammelergebnisse.

Bei ihrer jüngsten Sammeltour haben die um einige Kommunalpolitiker verstärkten Umweltfreunde in zweieinhalb Stunden 232 Kilogramm Müll gesammelt. Es hätte schlimmer kommen können: Die Sauberfrauen und -männer haben auch schon 500 Kilo in einer halben Stunde aufgelesen – viele kleine Flaschen mit einst hochprozentigem Inhalt, aber auch Großteile zu Hauf. Menschen sind einfach manchmal Umwelt-Schweine. Wobei dieser Vergleich den Borstenviechern Unrecht tut, denn sie sind sehr viel reinlicher als die vermeintliche Krone der Schöpfung.

Ausnahmsweise brachten die Umweltfreunde ihre Beute direkt zum Wertstoffhof. Sonst hätte das angekündigte Orkantief die Müllsäcke am Wegrand sicher verweht. Normalerweise schickt Michael Ihm nach dem Wiegen Fotos des gesammelten Abfalls mit den Standortkoordinaten an Jessica Löbl im Ordnungsamt, die dann die Abholung des Mülls anordnet.

Beim Joggen hat er mit dem Müllsammeln angefangen. Mittlerweile veröffentlicht Frank Schemm auf Instagram die tonnenschweren Ergebnisse.

„Wir wollen einfach unsere Umwelt für die nächste Generation erhalten“, begründet Michael Ihm dieses Engagement der derzeit etwa zehn bis zwölf Ehrenamtlichen, die auch beim Naturschutzbund mit anpacken – ein kleines Netzwerk an Hilfe. „Wir sind überparteilich und wollen das Umweltbewusstsein jeder Generation wecken. Deshalb ist auch jeder bei uns willkommen, egal welcher Herkunft, Sprache oder Hautfarbe er ist.“

Förderer und Unterstützer sind in jeder Form natürlich ebenfalls willkommen: mit Material, Aushängen und Auslage von Flyern und vielem mehr. Mit Handkuss nehmen die Umweltfreunde weitere Bürger, die bei den Aktionen helfen. Sie sollten wenn möglich Handschuhe, Müllgreifer und Müllsäcke mitbringen. Aber die gibt’s notfalls auch am Treffpunkt an jedem zweiten Samstag im Monat um 9.30 Uhr am Badehaus.

Welche Hilfe erhoffen sich Michael Ihm und seine Lebensgefährtin Nicole Rauschenberger von der Politik für die völlig offene Aktionsgruppe? Sie soll sich des Problems der zunehmenden Vermüllung annehmen, mehr Mülleimer an zentralen Brennpunkten aufstellen und Müllsünder konsequenter bestrafen. Und soll sie nicht nur die Gruppe unterstützen, sondern das Bewusstsein der Bürger schärfen, weniger Müll zu produzieren und diesen notfalls fachgerecht zu entsorgen.

VON CHRISTINE ZIESECKE

Quelle: op-online.de

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