Traditionsgasthaus

„Schützenhof“-Kauf über Umweg

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Das Fachwerk des „Schützenhofs“ wurde sorgfältig restauriert, die Balken der ehemaligen Bäckerei nebenan sind dagegen schon lange hinter Putz und Klinkern verschwunden. Für die Stadt sind beide Häuser „wichtige Teile im Gestaltungspuzzle“, sagt Bürgermeister Jörg Rotter.

Das Traditionsgasthaus „Zum Schützenhof“ ist für die Entwicklung im Urberacher Altort immens wichtig. Die Stadt hatte im Februar ein Auge darauf geworfen, doch im August war das Gebäude plötzlich privat verkauft worden. Jetzt wird das Geschäft rückabgewickelt.

Urberach – Die Aufwertung des Ortskerns wäre beinahe gescheitert, bevor sie angefangen hat. Der „Schützenhof“ in der Bahnhofstraße, ein zentrales Objekt in den Plänen der Stadt, war plötzlich weg: Die Besitzer hatten das Gasthaus an einen Investor verkauft, der dort Wohnungen bauen wollte. Notariell besiegelt wurde das am 6. August. Der Magistrat war überrascht, denn die Stadt hatte noch kein eigenes Angebot abgegeben. Bürgermeister Jörg Rotter: „Damit wäre das ganze Projekt am Ende gewesen.“

Er verhandelte mit dem neuen Besitzer, um die Ortskern-Belebung am Leben zu erhalten. Der Investor, der seine Pläne schon mit Architekt und Denkmalschutz präzisiert hatte, tritt vom Kauf zurück. Jetzt erwirbt die Stadt das knapp 700 Quadratmeter große „Schützenhof“-Grundstück für 420 000 Euro. Das ist exakt der Preis, den auch der nunmehr Ex-Investor bezahlt hat.

Urberach: Stadt übernimmt Vertragsnebenkosten

Die Stadt übernimmt alle Vertragsnebenkosten sowie die bisher angefallenen Kosten für den Architekten und erste Entsorgungsmaßnahmen. Rotter bezifferte diese Kosten auf Anfrage unserer Zeitung mit 15 000 Euro. Weitere finanzielle Zusagen der Stadt habe es nicht gegeben. Die Stadtverordnetenversammlung gab der Magistratsvorlage am Dienstagabend einstimmig grünes Licht.

Doch warum tritt ein Investor kurzfristig von einem Geschäft zurück, von dem er sich langfristig Rendite erwartet? Bürgermeister Rotter ist sicher, ihn „auf der argumentativen Ebene überzeugt zu haben“. Denn die Stadt will das „elementar wichtige Grundstück“ nicht mit den dringend nötigen Wohnungen bebauen, sondern auch in Zukunft „mit öffentlichen Angeboten nutzen“.

Urberach: Die Entscheidung steht noch aus

Welche das sein können, will Rotter in den kommenden Wochen ausloten. Der „Schützenhof“ und die frühere Bäckerei Jakob daneben – beide bis dato in Privatbesitz – sollen Alt-Urberach zwischen Bachgasse, Konrad-Adenauer- und Bahnhofstraße aufwerten. Die Stadt bringt das total verbaute und kaum zu vermarktende Sozialrathaus in die Pläne ein, die sie am liebsten mit einem Investor verwirklichen will. CDU und AL hatten bei der ersten Diskussion über die Ortskernbelebung im Februar den Urberacher Architekten und Heimatkundler Horst-Peter Knapp ins Gespräch gebracht. Der habe mit dem „Herschwert“ auf der anderen Straßenseite gezeigt, dass sich Herzblut und Geschäftsinn in Einklang bringen lassen. Die Entscheidung steht aber noch aus.

VON MICHAEL LÖW

Quelle: op-online.de

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