MTV Urberach

Nach jeder Turnübung desinfizieren

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Im Corona-Jahr leider kein Thema: der „entega“-Kindergartenlauf, der auf dem Gelände des MTV Urberach absolviert wird und normalerweise viele kleine Sportler lockt. 

Vereine dürfen ihr Sportangebot nach und nach wieder aufnehmen. Ein Gespräch mit der Vorsitzenden des MTV Urberach zeigt: Der Teufel steckt im Detail. 

Urberach – Der MTV hofft auf eine Normalisierung des Sportbetriebs. Allerdings in ganz kleinen Schritten, und auch diese Schritte sind ganz unterschiedlich groß, je nach Sparte. Kein anderer Verein ist in seinem Angebot so breit gestreut; entsprechend unterschiedlich sind auch die Vorgaben der Verbände. Die Offenbach-Post sprach mit Renate Frank-Ulke. Seit 2004 gehört sie dem Vorstand an. Aber nicht auf der sportlichen Seite, wo sie früher dem Triathlon nahe stand, sondern über die organisatorische Schiene. Und da hat sie jede Menge zu tun. Denn: „Außer für den Hausmeister und die Reinigungskräfte, die eine Grundreinigung gemacht haben, war es für uns ganz geschlossen.“

Sportleiter Michele Vercellini hat während der Corona-Pause etwa 20 jeweils rund sechs Minuten lange „Motivationsvideos“ aufgenommen und sie an die Mitglieder verschickt, zumeist auf Grundlage seines turnerisch-gymnastischen Schwerpunktes. Was ihm auch Hunderte von zustimmenden „Likes“ eingebracht hat. Steffi Gleitsmann wiederum hat während der üblichen Übungszeiten eine Videokonferenz über „Body Balance“ gehalten.

Nun geht es bald wieder los. „Aber das ist gar nicht so einfach“, sagt Renate Frank-Ulke. Denn plötzlich überstürzten sich die Meldungen: „Am Donnerstagnachmittag war noch nicht bekannt, dass so schnell wieder geöffnet werden kann. Da war ich vorsichtshalber aber schon im Großmarkt, um Mundschutzmasken und Desinfektionsmittel (was es dort zwar zu gesalzenen Preisen, aber sogar fünf-Liter-weise gibt) zu besorgen.“

Peinlich auf Sauberkeit bedacht: Sogar in den Ballschränken steht Desinfektionsspray. 

Abends nach der „Tagesschau“ prasselten die Fragen auf den Vorstand ein. „Ich habe noch alle Abteilungs- und Übungsleiter angeschrieben mit dem Tenor ‚Es geht wieder los, aber wir müssen uns an die Vorschriften der Verbände halten“, sagt Renate Frank-Ulke. Das war die Initialzündung.

Als Erste meldete sich Anette Zischka vom Leistungsturnen. Sie hatte die Infektionsschutz-Vorgaben gelesen und kam zu dem Schluss: „Da müsste ich ja nach jeder Turnerin die Geräte wie Holme oder Ringe desinfizieren – das geht nicht!“ Renate Frank-Ulke fand eine Notlösung, die auch für die meisten anderen Sportgruppen gilt: Erst mal Konditionstraining im Freien machen – da hat der MTV genügend Platz! „Eile mit Weile“ ist derzeit angesagt; einen Schritt zurück in die Normalität machen, aber ja nichts übertreiben.

Auch Leichtathletik-Chef Günter Gleitsmann hatte sofort Kontakte mit dem Verband und überlegte eigene Lösungen im Rahmen der Vorgaben. Die Leichtathleten fangen am 19. Mai wieder an, und das natürlich im Freien.

Noch nicht über einen Wiederbeginn denken die Rehasportler nach. Denn sie gehören durchweg zur Risikogruppe und warten deshalb noch ab. Ebenfalls noch gedulden müssen sich auch die Mannschaftssportler wie Volley- oder Basketballer. Sie haben generell noch keine Erlaubnis. Ähnlich geht es den Kickboxern – wie soll Kampfsport ohne Körperkontakt möglich sein?

Die Ballettdamen jeden Alters fangen unter ihrer neuen Trainerin Ende Mai an. Die Kindergartenkinder sind erst einmal ganz ausgenommen.

Geschlossen bleibt die Tennishalle.

Die Teilnehmer der Gymnastikkurse können sich treffen. „Aber nur mit eigenen Matten und draußen! Ab nächster Woche soll"s ja wieder sonnig werden!“, rät die Vorstandssprecherin. Alle übrigen Kurse fallen noch einige Wochen aus. Hier will der MTV abwarten, ob es eine zweite Corona-Welle gibt.

Vorbereiten muss der Verein noch seine Hallen. Wie in Geschäften müssen mit Klebeband Einbahnwege markiert werden, damit sich die Sportler nicht über den Weg laufen, etwa die Gruppen mit eigenen Geräten wie Hanteln oder Matten. Alle müssen den Abstand von eineinhalb bis zwei Metern einhalten; nach jeder Übungsstunde muss gründlich gelüftet werden. „Dadurch werden zwar die Unterrichtseinheiten kürzer, aber das nimmt derzeit jeder gerne in Kauf, wenn er dafür wieder üben darf.“

Wichtigste Vorgabe: Im Grund hängen alle an den Hygieneregeln des Landessportbundes. Frank-Ulke freut sich: „Wir werden gebührend vorsichtig sein, aber ich bin froh, dass wir wieder so früh anfangen. Das steigert das Zusammengehörigkeitsgefühl!“

Das Wir-Gefühl betrifft beim MTV immerhin rund 1 300 Mitglieder. Früher waren es nach Auskunft der Vorstandssprecherin mal 2000, aber viele Menschen wollen sich nicht mehr langfristig an einen Verein binden; sie nutzen lieber das Kurssystem.

Die von beiden Mitgliederversammlungen beschlossene Kooperation mit dem KSV Urberach wird trotz Corona vorangetrieben: „Wir hatten mehrmals Videokonferenzen. Das lief alles wie vieles unsichtbare Andere mehr auch in den letzten Wochen weiter.“

Infos im Internet mtv-urberach.de

VON CHRISTINE ZIESECKE

Quelle: op-online.de

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