Töpfern nur noch ohne Scheibe

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Nach dem Formen wandern Becher, Schalen und Figuren in den Ofen, wo sie bei fast 1 000 Grad gebrannt werden.

Urberach - Die Nachfolger der Urberacher Traditionshandwerker müssen ohne deren wichtigstes Handwerkszeug auskommen - zumindest wenn sie noch im „Lehrlingsalter“ sind.

„Wir dürfen aus Sicherheitsgründen keine Töpferscheiben mehr verwenden“, bedauert Petra Distler-Bäcker, die in dieser ersten Ferienwoche zwei Töpferkurse für Kinder leitet. Die Vorschrift gilt explizit nur für Schulen, doch Petra Distler-Bäcker geht auch beim städtischen Herbstprogramm in der Werkstatt des Töpfermuseums auf Nummer sicher. Denn die Begründung des Scheiben-Verbots ist durchaus einleuchtend: Haare oder Kleider könnten sich im Gerät verfangen.

Mangels Scheibe wird das Töpfern in Petra Distler-Bäckers Kinderkursen wieder zur Handarbeit - was aber am Spaß und an der Konzentration der Teilnehmer nichts ändert.

Doch auch mit gebremster Kreativität lassen die Kinder an diesem Morgen ihrer Phantasie freien Lauf. Nachdem Schläge mit einem Holzstab den Ton geschmeidig gemacht haben, formen sie daraus Schafe oder menschliche Figuren. Flach gedrückte Tonstücke werden zu Namensschildern und Anhängern. Und auch ohne Töpferscheibe entstehen in den Kursen Gefäße. Petra Distler-Bäcker hat den Kindern gezeigt, wie sie dünne Tonfladen um Plastikbecher wickeln, damit Tassen und Schalen Stabilität bekommen. Vorm Brennen werden die wenig hitzebeständigen Helfer aus Kunststoff natürlich entfernt.

Spezielle Farben für Kinderkurse

Die Töpferin aus dem Rodgau hat für ihre Kinderkurse spezielle Farben besorgt, die die Nachwuchshäfner schon vor dem Brennen auftragen, ohne dass sich im Ofen die Farbe ändert. Das nämlich passiert mit vielen der üblichen Glasuren. Dunkelbraun wird bei Temperaturen von knapp 1 000 Grad grün. Petra Distler-Bäcker hat schon etliche Kinder getröstet, die beim Anblick ihres grünen Pferdes in Tränen ausbrachen...

In ihren Kursen will sie Kinder mit greif- und formbaren Material vertraut machen. „In Kunstunterricht in der Schule wird fast nur noch gemalt“ begründet sie das. Da rege ein dicker Batzen Ton in Form einer Pyramide die Phantasie viel stärker an: Wird’s nun ein Bär oder doch eine Katze?

Quelle: op-online.de

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