Große Dürre in der Landwirtschaft

Wintersaat geht im Staub unter

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Die Feldarbeit ist zwar noch nie ein Zuckerschlecken gewesen. Derzeit sind die Bedingungen für die Bauern aber besonders hart.

Rödermark - Drei Landwirte – eine Sorge. Und zwar eine große: Es ist wohl nicht mehr so heiß wie im Supersommer 2018, aber die Dürre hält unvermindert an. Von Bernhard Pelka

Werner Gaubatz, Günther Keller und Gottfried Sterkel fragen sich, ob es überhaupt Sinn macht, auf dem staubtrockenen Boden jetzt die Wintergerste auszubringen. Die Saat geht ja vielleicht eh nur kaputt.

Werner Gaubatz (links) und Günther Keller ziehen einen traurigen Vergleich. Die großen Maiskolben stammen von Feldern in Passau, die Winzlinge aus Rodgau und Rödermark.

Werner Gaubatz setzt seinen Traktor zur Feldarbeit in Bewegung. Schon nach den ersten Metern Fahrt bildet sich eine dichte Staubwolke. So geht das derzeit jeden Tag. „Man sieht vor lauter Staub die Maschine nicht mehr“, sagt der Bauer aus Ober-Roden. Die schlimmen Folgen des Supersommers 2018 sind noch nicht ausgestanden. Im Gegenteil: Die anhaltende Dürre stellt die Aussaat zum Beispiel von Wintergerste in Frage. „Die muss jetzt eigentlich ausgebracht werden. Aber wenn sie im Trockenen liegt, keimt sie nicht“, schildert Gottfried Sterkel das Problem. Sofern der Urberacher Landwirt aber noch länger zögert, besteht die Gefahr, dass die Gerste – wenn dann Regen fällt – nicht mehr genug Zeit hat, sich zu entwickeln. Eine echte Zwickmühle also! „Ich bin noch am Zweifeln, ob ich überhaupt sähe.“

Noch nie in seinem langen Bauernleben hat der 64-Jährige solche Zustände wie jetzt erlebt. „Nicht mal mit den extremen Sommern 1976 und 2003 ist das vergleichbar. Das ist ja das Schlimme: Wir haben keine Erfahrungswerte, wie wir mit der Situation umgehen sollen.“

Ungewiss ist zum Beispiel, wie sehr die sengende Sonne der vergangenen Monate die Substanz der Wiesen geschädigt hat. „Wie nachhaltig ist das Grünland beschädigt? Was kommt nächstes Jahr wieder?“, bringt Werner Gaubatz es auf den Punkt.

Diese Fragen sind für ihn existenziell. Denn außer der Bewirtschaftung von Feldern hält sich Gaubatz zahlreiche Milchkühe. 190 Tiere – von Klein bis Groß – wollen jeden Tag gefüttert sein. Dafür ist das Grünland unverzichtbar. Üblich sind pro Saison zwei bis drei Schnitte, die gutes Grasfutter erbringen. Im Sommer war nur ein einziger Schnitt möglich. Der Landwirt musste deshalb Futter zukaufen. Teils kommt das heute schon bis aus Spanien – wie zum Beispiel das spezielle Luzerne-Heu.

Landwirte bekommen Millionen-Nothilfe für große Dürreschäden

Wegen der starken Nachfrage steigen die Preise ins Unverschämte. Die Einnahmen der Bauern hingegen schwinden. Gaubatz rechnet vor: Vor 40 Jahren, als er in die Landwirtschaft einstieg, bekam er für 100 Kilogramm Roggen 46,50 Mark. Heute 15, maximal 17 Euro.

Eine weitere Notlage schildert der Nieder-Röder Bauer Günther Keller: „Ich kann nicht pflügen. Der Pflug geht einfach nicht in den Boden rein. Alles ist fest zusammengebacken.“ Die Verhältnisse auf den Äckern führen zu einem erhöhten Maschinenverschleiß. Pflugschare und Grubber leiden mehr als sonst. Auch das treibt die Kosten in der Landwirtschaft die Höhe.

Gar nicht zu denken ist an eine Düngung mit Pferdemist – dabei wäre es jetzt dafür an der Zeit. „Der Mist setzt sich einfach nicht um. Wo kein Wasser, da kein Kompost“, bedauert Keller.

Quelle: op-online.de

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