Bezahlbarer Wohnraum

Wohnen über Kitas und Supermarkt

+
Dort wo jahrzehntelang Gas für Ober-Roden und Eppertshausen gewonnen wurde, soll nach dem Willen des Stadtparlaments ein Supermarkt mit darüber liegenden Wohnungen gebaut werden.

Rödermark - Wohnungen unter anderem über den wiederbelebten Kindergärten Motzenbruch und Lessingstraße sowie über einem neuen Supermarkt am alten Gaswerk: Die Stadtverordnetenversammlung hat am Mittwochabend mehrere kleine Schritte gegen den Mangel an bezahlbarem Wohnraum beschlossen.

20 Prozent der Wohnungen sollen mit öffentlichen Geldern gefördert werden. Bauplätze sind in Rödermark ebenso selten wie Wohnungen für Mieter mit geringem oder mittlerem Einkommen. Diese Knappheit wollte die CDU-/AL-Koalition mit ihrem Antrag „Wohnungsbau im Bestand“ lindern, den sie im Stadtparlament zur Diskussion stellte. Sein Ziel: Mehr oder minder brachliegende städtische Immobilien wie das Altenwohnheim Am Mühlengrund, die Kindergärten Lessingstraße und Motzenbruch sollen wieder beziehungsweise weiter genutzt werden.

Im Fall der Kitas hieße das: im Erdgeschoss Betreuung, darüber Wohnen. Eine ähnliche Kombination schwebt der Koalition auch am ehemaligen Gaswerk in Ober-Roden vor: Dorthin soll der bislang in der Kapellenstraße ansässige Rewe-Markt umziehen. Über der Einkaufsetage sollen Wohnungen gebaut werden.

„So können wir wertvolle Flächen auf mehreren Ebenen nutzen“, warb AL-Fraktionsvorsitzender Stefan Gerl für das verdichtete Bauen. Ein Supermarkt mit aufgesetzten Wohnungen schütze außerdem ein weiteres potenzielles Wohngebiet auf dem Gaswerk-Gelände vor dem Lärm des Rödermarkrings.

Alles zur Kommunalpolitik in Rödermark

Die SPD stimmte für den schwarz-grünen Vorschlag, weil ihre Forderung nach 20 Prozent geförderten Sozialwohnungen aufgenommen wurde. Frei finanzierte Wohnungen kosten nach Angaben des Fraktionsvorsitzenden Samuel Diekmann 400 Euro je Quadratmeter, das bedeutet 400.000 Euro für eine 100 Quadratmeter große Wohnung. Solche Kosten lassen auch die unteren Mietpreise explodieren - für Hartz IV-Bezieher hat der Kreis eine Steigerung von 15 Prozent in den vergangenen beiden Jahren ausgerechnet.

Ein Objekt kommt für den Bau geförderter Wohnungen allerdings nicht in Frage, bremste der Erste Stadtrat Jörg Rotter (CDU). Die Kita Motzenbruch kann nicht aufgestockt, sondern muss abgerissen werden. Parkplätze für eine nennenswerte Zahl an Sozialwohnungen können jedoch nur mit einer Tiefgarage geschaffen werden. Doch Gas- und Wasserleitungen im Boden verhindern deren Bau. Sozialdezernent Rotter plädiert deshalb für Seniorenwohnungen, die weniger Parkplätze brauchen.

„Alles Wischiwaschi“, kanzelte Peter Schröder, Fraktionschef der Freien Wähler (FWR), den nunmehr schwarz-grün-roten Antrag ab. Er vermisste unter anderem präzise Vorgaben an Investoren. Außerdem bezweifelt Schröder Gerls Lärmschutz-Argument: Wohnungen über einem Supermarkt als Lärmschutzwall für benachbarte Wohnungen sind seiner Meinung nach ein Widerspruch in sich. Die FWR forderten Büros über einem neuen Rewe-Markt.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Rödermark

FDP-Fraktionsvize Dr. Rüdiger Werner hält das Übereinander von Einkaufen und Wohnen für eine Illusion. Der Einzelhandel wolle das wegen der zu erwartenden Beschwerden über Liefer-Lkw am frühen Morgen oder späten Abend nicht.

Werner befürchtet zudem, dass eine 20-Prozent-Quote für Sozialwohnungen Projekte gefährden könne: „Je höher der geförderte Anteil, desto teurer der Rest!“ Investoren würden dann Luxuswohnungen neben Sozialwohnungen bauen, damit ihre Mischfinanzierung aufgeht. Auf der Strecke blieben Mieter mit durchschnittlichen Einkommen.

Kennen Sie die Wappen aus der Region?

Der Antrag wurde in zwei Teilen abgestimmt. Koalition, SPD und FWR befürworteten den (Sozial-)Wohnungsbau über Altenheim und Kindergärten, die FDP enthielt sich. Dem Wunsch nach der Rewe-Umsiedlung - ebenfalls mit Wohnungen - stimmten nur CDU, AL und SPD zu. FDP und Freie Wähler lehnten dies ab. Da half auch die Erklärung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael Gensert nichts. Der versicherte, dass ein Rewe-Markt in der Mainzer Straße einen weiteren Vollsortimenter an der Ecke Kapellenstraße/Rödermarkring oder in der Odenwaldstraße nicht ausschließe. (lö)

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare