Serie zur Wahl - Teil 3

Eine zielstrebige Ungeduldige: Andrea Schülner bald Rathauschefin? 

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Stille Wellnessoase: Andrea Schülner steigt gern die schmale Treppe ins Dachgeschoss hinauf und macht die Tür ihres Lesezimmers hinter sich zu. Beim Schmökern schaltet sie ab.

Welche Sorte Mensch sind die drei Bewerber ums Bürgermeisteramt? Wir haben Dr. Karsten Falk (parteilos), Jörg Rotter (CDU) und Andrea Schülner in Wohn- und Lesezimmern besucht, um ein Stück Lebensweg nachzugehen. Manch Erstaunliches kam dabei heraus.

Urberach – McDonalds und Junge Union passen zu den Grünen wie ein Kickers-Schal in den Eintracht-Fanblock. Doch beides war kein Hindernis, Andrea Schülner zur neuen Hoffnungsträgerin der Anderen Liste und vielleicht zur Nachfolgerin von Galionsfigur Roland Kern zu machen.

Andrea Schülner (56) hieß mit Mädchennamen Hitzel, und damit ist klar, dass sie in Ober-Roden aufgewachsen ist. Sie ging zu Zeiten in den katholischen Kindergarten, in denen die Nonnen dort noch das Sagen hatten. Und die waren sehr streng. Ihre ersten zehn Schuljahre verbrachte sie an der Trinkborn- und Rodgauschule. Das Abi machte sie mangels Möglichkeiten vor Ort in Dieburg.

Andrea Schülner lebt zwar schon eineinhalb Jahre in Urberach, doch ihr Lieblingsplatz ist seit Kindertagen das „Braaret-Bernsche“ im Ober-Röder Wald. Mit Freunden und Freundinnen hat sie dort Baumhäuser gebaut, ihren Sohn (heute 29) fuhr sie im Kinderwagen dorthin.

1981 begann Andrea Schülner eine Ausbildung bei der Stadt Frankfurt. Ihr Abschluss: Diplom-Verwaltungswirtin. In der Sozialverwaltung machte sie Karriere, voriges Jahr wurde ihr die Leitung des Senioren-Rathauses übertragen. Dort ist sie Chefin von 140 Mitarbeitern und verantwortlich für einen Etat von rund 70 Millionen Euro. Würde sie Bürgermeisterin, müsste sie also mit deutlich weniger Geld auskommen: Der Rödermärker Haushalt hat nur ein Volumen von rund 64 Millionen Euro.

Während ihrer Ausbildung hat Andrea Schülner bei McDonalds gejobbt und an der Kasse ein paar Mark extra verdient. „Das hat meinen Appetit nicht verdorben“, versichert sie. Heute esse sie gut und gerne. Was in den Topf kommt, kauft sie im Ort: auf dem „Rodaumarkt“, beim Metzger um die Ecke, im Gemüseladen im Breidert.

Zehn Jahre hat Andrea Schülner im VIP-Raum des damaligen Waldstadions Service gemacht. Die Spiele der Frankfurter Eintracht hat sie aber höchstens mit einem halben Auge gesehen. Denn Fußball interessierte sie „nur mäßig“ – wie übrigens die meisten Kolleginnen. Vielleicht war"s ja Einstellungsvoraussetzung.

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Ihre persönliche Sportstätte war ein Fitnessstudio in Eppertshausen. Sie trainierte Freestyle-Stepp mit aufwendigen Choreografien.

Andrea Schülner engagierte sich acht Jahre in der Schüler- und in der Jungen Union. Sie tut die Zeit im CDU-Nachwuchs nicht als Jugendsünde ab, sondern sieht ihn als Beweis eines langen politischen Interesses. Das sie vor vier Jahren schließlich zur Anderen Liste Rödemark führte.

Bilder der letzten Bürgermeisterwahl in Rödermark

Bilder zur Bürgermeisterwahl in Rödermark

2016 wurde sie ins Stadtparlament gewählt, 2017 zur Parteivorsitzenden. „Ich mische mich ein und suche immer neue Herausforderung.“ So beschreibt Andrea Schülner zwei ihrer hervorstechendsten Eigenschaften. Daher sagte sie auch ganz offensiv „Ich will!“, als bei der AL die K-Frage anstand. Entschlossenheit statt herumeiern: Das überzeugte ihre Parteifreunde. Denn Geduld sei nun mal nicht ihr zweiter Vorname.

Andrea Schülner geht seit ihrer Nominierung zur Bürgermeisterkandidatin im November nicht anders durch den Ort als zuvor. Die Leute würden sie jedoch „anders anschauen“. Vielleicht ist"s ja ein verstohlenes Mustern: Kann sie Bürgermeister?

Was Andrea Schülner momentan nicht kann, ist ihrem zweiten Hobby frönen. Die Nähstunde in einem Studio am Ober-Röder Marktplatz fällt bis auf Weiteres aus. Was für die Kandidatin ein echtes Opfer ist. Denn bis auf wenige Stücke ist ihre gesamte Sommerkleidung selbst geschneidert.

Von Michael Löw

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Quelle: op-online.de

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