Leckeres für Leib und Seele

Ökumenischer Mittagstisch besteht seit gut 20 Jahren

+
In der engen Küche ist es nicht leicht, unfallrei zu arbeiten.

In Rödermark muss man nicht allein sein. Die Stadt sorgt auf vielen Ebenen für ihre Bürger. Es gibt ein Netzwerk, dem man sich nur öffnen muss.

Urberach – Das allerdings ist für Alleinstehende oft das große Problem: Wo und wie kann ich am Leben in Gemeinschaft teilnehmen? Eine der zahlreichen Möglichkeiten ist seit rund 20 Jahren alle zwei Wochen montags das Mittagessen für Ältere und Alleinstehende – für Alt und Jung, Männer wie Frauen, und ökumenisch allemal. Wenn es im Gemeindezentrum von St. Gallus an einem normalen Montagmittag ganz lecker duftet und rund 30 Menschen – überwiegend Frauen – erwartungsvoll gemeinsam ein kurzes Tischgebet sprechen, ehe die dampfenden Schüsseln und Teller auf den Tisch kommen, dann ist der gemeinsame Mittagstisch für Ältere und Alleinstehende angesagt. Ein ökumenisches Team der Gallus- und der Petrusgemeinde sorgt sich um das Wohl der Gäste, die zu Fuß, an Stock, Rollator oder im Rollstuhl kommen oder sich vom Fahrdienst abholen lassen – früh genug, damit sie auch die besten Plätze bekommen, auch wenn an diesem Mittag niemand zu kurz kommt.

Seit über 20 Jahren kochen insgesamt acht Frauen und mit Heinz Schultheis auch ein Hobbykoch alle zwei Wochen, aufgeteilt in zwei Teams, damit jeder nur einmal im Monat Dienst hat. Für sie alle gibt es strenge Auflagen. Sie mussten sich einer Gesundheitsuntersuchung unterziehen, ehe sie auf die Küche losgelassen wurden. Und sie müssen generell eine gut beschriftete Probe jedes verteilten Essens als Beweis einfrieren, dass sie hygienisch einwandfreie Speisen ausgegeben haben. Auch fürs Kochen gibt es Auflagen. So sind lackierte Fingernägel tabu. Blitzblank und sauber muss alles sein – versteht sich eh von selbst.

Salzkartoffeln, Schnitzel, Rosenkohl, danach Vanilleeis mit roter Grütze – da macht das Speisen Spaß. Und dann noch in so netter Gesellschaft...

Die fleißigen Heinzelmänner und -frauen kochen nicht nur – sie bereiten Tische und Dekoration vor und sorgen sich auch mal, wenn jemand fehlt. Sie finden die richtigen Begrüßungsworte und sie bringen die Gäste mit einem kurzen Tischgebet zum Innehalten im lautstarken Begrüßungsgespräch und zum gemeinsamen Anfang.

Im Saal ist reichlich Platz für die meist gleichen Gäste. Eng dagegen ist’s in der Küche. Dort geht’s sehr „hautnah“ zu, erst recht, wenn die Köchinnen und der Koch auch noch dampfende Töpfe in der Hand haben – dann muss man besonders aufpassen. Schnitzel, Salzkartoffeln und Rosenkohl, danach Vanilleeis mit roter Grütze und Waffelröllchen – kein Wunder, dass die Zahl der Gäste nach mehreren Verlusten gerade erst wieder um fünf hungrige Neueinsteiger gewachsen ist.

Einen großen Umbruch gab’s in den letzten Monaten auch im Team. Nach dem Tod der langjährigen Küchenchefin Sabine Fichtbauer ist vor kurzem mit Burglind Frank eine weitere Helferin gestorben. Das Team kann sich jedoch über neue Mitarbeiter freuen, so etwa Helga Müller, die Ansprechpartnerin für jenes Team, das an diesem Montag liebevoll die Gäste betreut hat.

Zehn blutdrucksenkende Lebensmittel

Die Schlüsselgewalt über Haus und Küche hat Hannelore Blickhan: „Ich habe mich da nicht darum beworben; Pfarrer Gaebler hat einfach gesagt: ‚Sie machen das’, und da mach ich es halt!“ Sie kommt an jedem zweiten Montag zum Aufschließen, und wenn sie merkt, dass jemand aus dem Team ausfällt und ein Engpass droht, dann bleibt sie eben und hilft mit.

Alles, was möglich ist, hat das Team schon zuhause vorbereitet. Das Essen klappt reibungslos und mit viel anerkennendem Lob. Und nach dem Dessert stehen auch noch Kannen voll Kaffee bereit.

Zum Dank bekommt das Team meist an Weihnachten Röschen und einen Gutschein von den Gästen. „Mit dem tun Sie sich selber mal was Gutes und gehen essen!“ Die Mittagsgäste wissen sehr wohl, was ihnen von diesen Helfern serviert wird: nicht nur die Speise, sondern vor allem auch das Miteinander bei einem geselligen Mahl zwischen anderen netten Menschen. „Wir kommen immer zusammen“, berichten zwei Frauen aus Waldacker. „Wir holen uns gegenseitig im Wechsel ab und fahren hierher. Warum sollten wir alleine zuhause sitzen, wenns hier doch netter ist“, begründen sie ihren Weg nach Urberach. Mit dieser Vorfreude sind sie nicht allein, zumal es jedes Mal gut schmeckt und immer regional und zeitlich angepasst gekocht wird. Was es gibt, entscheiden die saisonalen Angebote. Das hilft auch noch der Umwelt. Ein ökumenisches Projekt, das vielen Menschen gut tut. Das hat sich auch längst bis zum Ehrenamtsbüro herumgesprochen. Im vorletzten Jahr wurde der ökumenische Helferkreis bei der Matinee des Ehrenamtes mit Ehrenurkunden der Stadt Rödermark als Dankeschön für sein Engagement geehrt.

Die Küche im Gemeindezentrum St. Gallus öffnet wieder am nächsten Montag, 11. März. Kontakt: Tel.: 06074-70284; Helga Müller. Um Anmeldung wird gebeten. Die Möglichkeit eines Fahrdienstes besteht.

Von Christine Ziesecke

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare