„Roten“ Ehrenbürger vergessen?

+
Enkel Klaus-Joachim Rink vermisst in diversen Publikationen des Heimat- und Geschichtsvereins Rödermark die Erwähnung seines Onkels und Urberacher Ehrenbürgers Aloys Georg Rink.

Urberach - Der 5. März wäre der 130. Geburtstag des Urberachers Aloys Georg Rink gewesen, der 21. Juni sein 40. Todestag. Doch weder Stadt noch Heimat- und Geschichtsverein (HGV) erinnerten mit einem Wort an den Urberacher Ehrenbürger. Von Michael Löw

Aloys Georg Rink war Mitbegründer des SPD-Ortsvereins, Landtagsabgeordneter, KZ-Häftling und Bundesverdienstkreuz-Träger. Bei der Ursachenforschung, warum nicht an den verdienstvollen Urberacher erinnert wurde, gerät Enkel Klaus-Joachim Rink regelrecht in Rage: „Das sind beim Geschichtsverein alles Schwarze, da wird ein Roter nicht erwähnt!“.

Die Missachtung des Großvaters hat nach Ansicht des Enkels System. Exemplarisch nennt Klaus-Joachim Rink drei Schriften des Heimat- und Geschichtsvereins, in denen Aloys Georg Rink entweder gar nicht erwähnt ist beziehungsweise sein Foto oder wichtige Informationen fehlen oder falsch sind: „Erinnerungen an Alt-Ober-Roden und Alt-Urberach“ (1989), „Rödermärker Straßennamen“ (2005) und „Geschichte zu Rödermark“ (2007).

In allen erdenklichen Werken der Sozialdemokratie und des Kommunismus ist der Urberacher Ehrenbürger Aloys Georg Rink vermerkt.

Alles, „was ein bisschen nach Arbeiterschaft aussieht, fällt hinten runter“, hat Klaus-Joachim Rink bei der Lektüre festgestellt. Die Bürgerlichen unter den Ehrenbürgern kommen seiner Meinung nach viel, viel besser weg: Heimatdichter Nikolaus Schwarzkopf, die Pfarrer Heitkämper und Dockendorff, Arzt Dr. Schömbs. Dabei sind die Verdienste des „Wiener-Lui“ - der Spitzname geht auf Rinks Geburtsort zurück - beachtlich. 1896 gehörte Aloys Georg Rink zu den Gründern der Urberacher SPD, 1913 wurde er zum ersten sozialdemokratischen Kreistagsabgeordneten gewählt. Von 1921 bis 1922 und von 1931 bis 1933 war er Mitglied des Hessischen Landtags. In dieser Zeit startete Rink im bäuerlichen Urberach eine frühe Initiative zum sozialen Wohnungsbau. In der „Glauburg“ in der später nach ihm benannten Straße fanden Bedürftige ein bezahlbares Zuhause.

Die Nazis ließen Aloys Georg Rink für seine soziale Gesinnung büßen: 1933 im KZ Osthofen, 1934 im Gefängnis in Darmstadt, 1944 im KZ Dachau. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs war Aloys Georg Rink ein SPD-Politiker der ersten Stunde. Bei den Gemeindewahlen 1946 wurde er erneut in die Urberacher Gemeindevertretung gewählt. Die stand vor nahezu unlösbaren Aufgaben. Unzählige Flüchtlinge und Heimatvertriebene mussten in ein Dorf integriert werden, das im Zweiten Weltkrieg Männer, Väter und Söhne verloren hatte. Bis 1950 war Rink auch wieder Abgeordneter im Landtag. Bundesverdienstkreuz und Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde waren der Lohn der Gesellschaft.

Kein Hinweis vom Enkel

Die Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, die CDU-Bundestagsabgeordnete Patricia Lips, weist Klaus-Joachim Rinks Vorwürfe zurück: „Das ist Quatsch, dass die Politik im HGV eine Rolle spielt!“ Norbert Cobabus, der Autor der „Geschichte zu Rödermark“, sei alles andere als CDU-nah.

Wie ausführlich Persönlichkeiten in HGV-Publikationen erwähnt werden, hänge auch vom Material ab, das dem Verein zur Verfügung steht. Über Nikolaus Schwarzkopf zum Beispiel steuern Angehörige immer mal wieder neue Unterlagen bei. „Wir freuen uns auch über weiteres Material über Aloys Georg Rink“, sagt Patricia Lips und nimmt den Enkel gleichzeitig in die Pflicht: „Klaus-Joachim Rink hätte auf unserer Mitgliederversammlung ja auf den 40. Todestag seines Großvaters hinweisen können.“

Quelle: op-online.de

Kommentare