Männerchor gerät in Gefahr

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Dirigent Thomas Möller-Amstadt sagt den Edelweiß-Männern Lebewohl. Er führte beim Konzert in der Galluskirche die Sängergruppen wohl zum letzten Mal.

Urberach - Musikalische Denkanstöße gaben die drei Chöre der Sängerlust Edelweiß mit ihrem vorösterlichen Konzert in der Pfarrkirche St. Gallus. Doch in den herrlichen Liedgesang mischten sich Misstöne. Denn die Zukunft der Männerchöre ist ungewiss.

Ab April haben sie keinen Dirigenten mehr. Auch muss ein neuer Vorstand gefunden werden. Der musikalische Bogen spannte sich von der Klassik-lastigen Musik speziell der Passionszeit hin zu den ebenso im menschlichen Leid begründeten, aber schwungvollen und hoffnungsfrohen Osterbotschaft.

Neben den eigenen Gruppierungen, dem gemischten Chor „Sürpries“, dem Männerchor und dem Kleinen Chor, hatte die Sängerlust sich den Posaunenchor der Ev. Petrusgemeinde zu Gast geladen sowie ihren früheren langjährigen Dirigenten Dieter Kerz, der die vielen Zuhörer im Kirchenschiff von der Orgel aus mit Stücken von Johann Sebastian Bach und Friedrich Zipp wunderbar kurz und klar immer wieder ins Meditieren brachte.

Die Bläser des Posaunenchores schlossen sich dem Bogen des Konzerts an und spannten die musikalische Brücke von getragenen Choralsätzen bis hin zu schwungvollem und aufmunterndem amerikanischem Folk. Die Chöre selbst präsentierten ebenso den Wandel von der tiefen Nachdenklichkeit der Passion, etwa in den Bearbeitungen von Papperts „Ora pro nobis“ oder Schuberts „Abendfriede“ über das Kirchenlied „Von guten Mächten“ und den Creutzerschen Abendchor bis hin zum schwungvollen zweiten Teil. Hier machten sich Hoffnung und Zuversicht Platz. Hier konnten der Kleine Chor mit dem sechsteiligen Gospelmix „Come Mr. Mally Man“ glänzen, der gemischte Chor „Sürpries“ ganz in der „Wonderful World“ aufblühen oder mit der Jazzvariante der Michelschen Motette „Jubilate“ die Zuhörer verzaubern.

Das große Vangelis-Opus „Conquest of Paradise“ in der guten Akustik der Galluskirche ließ tatsächlich Gänsehaut aufkommen und bewegte die Zuhörer wohl ebenso wie die Sängerinnen und Sänger selbst. Mit dem Konzertende war allerdings auch die Sorge um die Männerchöre der Sängerlust aktuell: Ende März verlässt ihr langjähriger Dirigent Thomas Möller-Amstadt die Edelweiß-Männer. Während der gemischte Chor „Sürpries“ nach dem Weggang von Dieter Kerz mit seinem neuen Dirigenten, Musikdirektor Wilhelm Jünger“, zu einer harmonischen Einheit zusammengewachsen ist, stehen der Männerchor und der Kleine Chor erst mal buchstäblich im Regen.

Einige der Sänger sind angesichts dieser Entwicklung schon zum gemischten Chor gewechselt. Aber noch ist offen, wie sich das langfristig auswirken wird, ob die Chöre eine Zeitlang ohne musikalischen Chef proben und ein Mitglied aus den eigenen Reihen die Leitung übernimmt oder ob sie vielleicht Wilhelm Jünger überzeugen können, sein Engagement in Urberach auszuweiten. Edelweiß-Vorsitzende Marina Diehl kann noch nichts versprechen. „Wir haben ja noch mehr Probleme“, bedauert sie die derzeitige Lage gegenüber unserer Zeitung. „Vom Umbau der Halle Urberach, der unsere Proben vielleicht beeinträchtigen wird, bis zu einer weiteren Mitgliederversammlung, nachdem sich bei der ersten kein neuer Vorstand fand.“ Sie selbst steht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als alleinige Vorsitzende zur Verfügung, ist wohl aber bereit in einem Team mitzuarbeiten. 

(chz)

Quelle: op-online.de

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