„Sand im Getriebe ist zermahlen“

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Bürgermeister Roland Kern freut sich aufs Regieren ohne Reibungsverluste und lässt sich den Beginn seiner zweiten Amtszeit nicht von der Diskussion über potenzielle Nachfolger vermiesen.

Rödermark (lö) - Der überwältigende Wahlsieg liegt die berühmten 100 Tage zurück, Bürgermeister Roland Kern (63, AL) hat seine zweite - und altersbedingt definitiv letzte - Amtszeit angefangen.

Erstmals hat er auch im Magistrat eine Mehrheit hinter sich, CDU und Andere Liste haben am 17. Juni auf der Bulau einen Koalitionsvertrag unterschrieben. Alles in Butter also für Roland Kern? Wir sprachen mit ihm über nervige Diskussionen, Farbverteilungen sowie Lust und Frust engagierter Bürger.

Ihre zweite Amtszeit hat gerade angefangen, da hat die Presse Ihre Nachfolgerin schon ausgeguckt: Katharina Rickert soll 2017 Rödermarks erste Bürgermeisterin werden, politisch grün und gerade 29 Jahre jung. Eine schöne Vorstellung?

Selbstverständlich ist das mit Kathi eine schöne Vorstellung. Aber die Frage kommt mindestens fünf Jahre zu früh - und gegenüber einem Bürgermeister, der gerade seine zweite Amtszeit angetreten hat, ist das irgendwie unpassend.

Andersrum: Ihr Wort vom Wahlabend, Sie machen die zweite Amtszeit voll, steht?

Ja!

Also nervt Sie die frühzeitig losgetretene Nachfolgediskussion. Wo liegen denn die wirklich drängenden Probleme in Rödermark?

Unsere tatsächlichen Probleme liegen in unserer Finanzausstattung und der Notwendigkeit, die Energiewende auch auf lokaler Ebene hinzubekommen. Hierfür wollen wir auch die Wirtschaftsförderung mit neuer Zuordnung und inhaltlicher Ausrichtung nutzen.

Welche Akzente wollen Sie als direkt gewählter Bürgermeister setzen?

Ich will die Vorzüge unserer Stadt, die soziale, wirtschaftliche und kulturelle Substanz, ihren Freizeitwert und ihre Einbettung in ein naturnahes Umfeld noch mehr hervorheben und mit den Bürgerinnen und Bürgern den Gemeinschaftsgedanken fördern.

Das klingt ein bisschen wie die Bestätigung der CDU-Kritik aus dem Bürgermeister-Wahlkampf: wenig Macher, viel Moderator. Können Sie das präzisieren?

Ich will fortführen, was sich positiv aufgetan hat wie im Breidert. Wir haben ja vor, diese Wohngebiets-Initiativen weiter zu fördern. Zunächst in Waldacker, dann in Urberach und nicht zuletzt im Ortskern von Ober-Roden. Dort ist über die Anwohner ja schon viel in Gang gekommen.

Die Initiative IGOR hat sich aus Frust über eine ihrer Ansicht nach übergestülpte Gestaltungssatzung gegründet, die Breidert-Initiative aus Lust am Gestalten.

Das macht in der Zusammenarbeit keinen Unterschied. Eine Stadt braucht Bürgerbeteiligung, das weiß ich sehr zu schätzen. Ich habe den IGOR-Vertretern diese Woche angeboten, dass sie alle Unterlagen zum Ortskern einsehen und alle Informationen haben können. Wir haben ein gläsernes Rathaus, wir sind für die Bürger da. Punkt!

Rödermarks Grüne, die ja Andere Liste heißen, sind’s gewohnt Vorreiterrollen zu übernehmen. Seit Jahren bilden sie die stärkste grüne Fraktion in einem Kommunalparlament des Kreises, seit 2006 stellen sie den ersten grünen Bürgermeister im Kreis, vor drei Wochen unterschrieben sie den ersten schwarz-grünen Koalitionsvertrag im Kreis. Hätten Sie sich das träumen lassen, als die AL vor 30 Jahren erstmals in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde?

Natürlich nicht. Aber bei allem Agieren aus der Opposition heraus haben wir uns immer gefragt: Wie würden wir uns verhalten, wenn wir die Mehrheit hätten oder gar den Bürgermeister stellen würden. Dieses realistische Maß, das wir an uns selbst angelegt haben, hat uns Anerkennung in der Bürgerschaft beschert.

Ist der Koalitionsvertrag nicht eher grün-schwarz als schwarz-grün?

Das muss ja logischerweise so sein. Was zum Bestehenden hinzu kommt, scheint immer besonders hervor. Es spricht für beide Koalitionspartner, dass sie in der Lage waren, ein inhaltlich ausgereiftes Programm für die nächsten fünf Jahre zu entwerfen. Ich habe großen Respekt vor dieser Leistung!

Mit so einer Mehrheit im Rücken wird das Regieren für Sie doch einfacher – oder?

Der Sand im Getriebe ist zermahlen. Das fördert die Kräfte zur wirklichen Sacharbeit, die aber gewiss nicht weniger wird. Allerdings kann es auch in der neuen Konstellation dazu kommen, dass die Auffassungen von Bürgermeister und Stadtverordnetenversammlung nicht immer deckungsgleich sind.

Wo sehen Sie das Potenzial, wo sehen Sie die Notwendigkeit für die Entwicklung eines Quartiers?

Ober-Roden/Nord liegt mir sehr am Herzen. In der Kapellenstraße rund um den abgebrannten „Paramount Park“ ist viel Raum für Kräfte und Phantasie. Ich stelle mit Genugtuung fest, dass laut Koalitionsvertrag dort eine gemischte Nutzung möglich sein soll. Es gibt sehr gute Vorstellungen von jungen Leuten, die dort ein Mehrgenerationenprojekt entworfen haben. Ich hoffe, dass in meiner zweiten Amtszeit auch im Norden von Ober-Roden etwas Schönes für die Augen und etwas Sinnvolles für die Stadtentwicklung entsteht. Schön wäre es auch, wenn wir die Renaturierung der Rodau und die Gestaltung des Ortskerns von Ober-Roden bis zum Rathaus und bis zur Mainzer Straße fortsetzen könnten.

Wäre dies nicht auch ein Modell für Urberach?

Die eine Ortsdurchfahrt ist eine Bundes-, die andere eine Ortsstraße. Sie sind deshalb nicht miteinander zu vergleichen. In Urberach muss unser Ziel sein, dass die B 486 über die KL-Trasse geleitet wird. Aber das können wir nicht alleine bewerkstelligen. Mit Hilfe des Landes muss im Zentrum von Urberach ein für alle angenehmerer Verkehrsraum entstehen. Ein Fachbüro ist damit beauftragt.

Quelle: op-online.de

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