Sanierung des Bahnhofs Ober-Roden

Eingangstor für ganzen Stadtteil

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Das Projekt steckt voller Herausforderungen für Hans-Jörg Vetter. Die Holztreppe aus dem späten 19. Jahrhundert fordert Denkmal- und Brandschutz gleichermaßen.

Ober-Roden - Ein großes Bauschild an der Fassade zeigt: Die Sanierung des Bahnhofs steht unmittelbar bevor. Von Michael Löw 

Projektentwickler Hans-Jörg Vetter will das Gebäude, das unter Denkmalschutz steht, zu einem „Torhaus für Ober-Roden“ machen: mit Gastronomie, Frischemarkt, Backshop, Bistro, Büros und Appartements. Der Urberacher Investor Hans-Jörg Vetter, der in Frankfurt-Riedberg schon Großprojekte mit knapp 400 Wohnungen geplant hat, hatte den Bahnhof und etwa 1000 Quadratmeter Vorplatz Ende 2012 für 70.000 Euro von der Stadt gekauft. Sein Konzept hatte sich gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt.

„So ein Bahnhof hat andere Gesetze als andere Gebäude. Weil er unter Denkmalschutz steht, reden bei der Genehmigung mehr Leute mit“, beschreibt Vetter die Behördenvorgaben, die für ihn Reiz und Schwierigkeit zugleich waren. Am Denkmalschutz war bekanntlich im Juni 2012 ein erster Verkaufsversuch gescheitert. Vetter und seine Architekten widmeten dem Thema besondere Aufmerksamkeit.

Bahnhof behält sein Gesicht

Der unter Denkmalschutz stehende Bahnhof Ober-Roden bekommt nach der Sanierung einen modernen Anbau mit Lokal und Dachterrasse. (Bild vergrößern)

Der Ende des 19. Jahrhunderts eröffnete Bahnhof behält sein Gesicht, erhält nach Norden hin aber eine moderne Ergänzung. Vetter plant einen ellipsenförmigen Anbau, in dem er ein Restaurant unterbringen will. Entgegen erster Überlegungen habe er nicht die Strukturen des alten Güterschuppens aufgegriffen, sondern sich für eine „moderne Ergänzung“ entschieden. Das Lokal bekommt also kein simples Satteldach, sondern eine Dachterrasse mit Blick auf den Ortskern.

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Vorsicht, Kameras!

Was die Gäste dort in knapp einem Jahr essen und trinken können, lässt Hans-Jörg Vetter noch offen. Standard-Gastronomie soll"s ebenso wenig sein wie „Überkandideltes mit zwei Sternen“ erläutert er den Balanceakt: „Der Pächter soll sich durch ein besonders Konzept qualifizieren.“ Klar ist hingegen die Nutzung des früheren Wartesaals. Hier soll ein Feinkost- und Frischemarkt einziehen. Nach Süden runden ein Servicestore, in dem Bahnkunden wieder Fahrkarten kaufen können, sowie ein Backshop mit Coffe to go, Zeitungen, Süßwaren und anderen Kleinigkeiten für unterwegs das Konzept ab.

Ober- und Dachgeschoss sind für Büros, eine Praxis und Wohnungen reserviert. Die Appartements sind möbliert und orientieren sich an den Bedürfnissen trendbewusster Singles oder frisch zugezogener Fach- und Führungskräfte von Frankfurter Unternehmen: Neben dem S-Bahn- bietet ihr neues Zuhause auch einen Highspeed-Internetanschluss. Hinter die denkmalgeschützte Fassade packt Vetter modernste Gebäudetechnik: eine klimafreundliche Holzpelletheizung, deren Steuerung die Anlage automatisch herunter fährt, sobald ein Fenster geöffnet wird. In den Büros geht das Licht aus, sobald ein Mitarbeiter den Raum länger verlässt. Die Rollläden können per Computer oder Smartphone gesteuert werden.

Ganz traditionell ist hingegen die Dämmung. Die an den meisten Stellen bis zu 50 Zentimeter dicken Mauern halten die Wärme drinnen und die Kälte draußen. Den Rest erledigt die Isolierung der Innenwände. Rund 600.000 Euro veranschlagt Hans-Jörg Vetter für die Sanierung. Die Bauaufsicht des Kreises und die Denkmalbehörden von Kreis und Land haben ihm mündlich schon grünes Licht gegeben. Die Baugenehmigung folgt, sobald letzte Details des Brandschutzes geklärt sind. Vetter möchte nämlich das mehr als 120 Jahre hölzerne Treppenhaus im Nordflügel so original wie möglich erhalten und so sicher wie nur irgendwie möglich machen. Dass das Okay in Kürze kommt, ist für ihn keine Frage. „Die Zusammenarbeit mit allen Behörden war sehr intensiv und sehr konstruktiv“, lobt Vetter.

Noch im Januar rücken die Bauarbeiter an, die das Erdgeschoss bis auf die tragenden Holzsäulen entkernen. Ende 2014 will Vetter den revitalisierten Bahnhof eröffnen. Sorgfalt geht ihm vor Tempo: „Bei der historischen Substanz wollen wir behutsam rangehen und lieber einen Monat länger bauen!“ Weitere Informationen: www.bahnhof-ober-roden.de.

Quelle: op-online.de

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