Sanierung kostet Millionen

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Im Mai 2001 hatten die Behörden die Reißleine gezogen und in der Odenwaldstraße tonnenweise gefährliche Reste aus der Metallveredlung beseitigen lassen.

Ober-Roden - Wird die Altlast Hitzel & Beck für den Steuerzahler zum Fass ohne Boden? 1,3 Millionen Euro hat das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt bis 2008 für die Sanierung des ehemaligen Galvanikbetriebs in der Odenwaldstraße hinblättern müssen. Von Michael Löw

Jedes Jahr muss die Behörde nach Auskunft von Bodenschutzdezernentin Anke Uhl weiteres Geld nachschießen, 2011 sind’s 125 000 Euro.

Die größte Summe - weitere 900.000 Euro - hatte allein im Sommer 2001 die Beseitigung von 420 Kubikmetern Zyaniden, Lösungsmitteln, Schwermetallen und Schlämmen sowie 70 Tonnen Chemikalien aus der Metallveredlung verschlungen: die so genannte Ersatzvornahme, weil Gefahr drohte. Das RP musste 120 Tonnen Gleichrichter und Transformatoren, die mit PCB belastet sind, entsorgen lassen.

Die Rechnung könnte noch weit höher ausfallen. Denn die alte Fabrikhalle ist quasi ein Tresor für ein Sammelsurium aus Schwermetallen und anderen Chemikalien. „An diesem Gebäude nagt jedoch der Zahn der Zeit. Um ein Auswaschen der Schadstoffe in den Boden abzuwenden, wurde das Dach notdürftig saniert“, stellt Anke Uhl fest.

Sie sagt aber auch: „Ein Abriss der Fabrikhalle kommt für das Land Hessen nicht in Frage, weil dies für die Bodensanierung nicht erforderlich ist.“ Der Rechnungshof hat die Ober-Röder Altlast mittlerweile im Blick, um dem Steuerzahler unnötige Belastungen zu ersparen.

Die optimale Lösung wäre für das RP ein Investor, der mit dem Land einen so genannten städtebaulichen Vertrag abschließt: Dieser Interessent müsste in die Entwicklung des 7 000 Quadratmeter großen Geländes einsteigen, wüsste jedoch das Land und vielleicht auch die Stadt als Partner an seiner Seite.

Nach dem Grundstück in 1a-Lage direkt an der S-Bahn haben schon Einzelhandelsketten wie Rewe, Edeka oder Norma die Fühler ausgestreckt, erklärte Bürgermeister Roland Kern (AL) auf Anfrage unserer Zeitung. Zu weiter gehenden Verhandlungen oder gar Bauvoranfragen kam es aber nicht. Kern: „Das Problem bei der Vermarktung ist die Zeitschiene. Niemand kann genau sagen, zu welchem Zeitpunkt die Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen sind.“

Das RP kann die Eigentümer von Hitzel & Beck nicht mehr für den von ihrem Betrieb verursachten Schaden zur Kasse bitten. Über das Unternehmen, das einst zu den größten seiner Art in Hessen zählte, wurde am 16. Juni 2000 das Insolvenzverfahren eröffnet. Weil Gefahr für Boden und Grundwasser in Verzug war, ordnete das RP im Mai 2001 die eingangs erwähnte Sanierung an.

Der Grenzwert für leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) zum Beispiel war im Boden um das 250-Fache und im Grundwasser um das 100-Fache überschritten. Daher wurde das Gelände auch aus der Insolvenzmasse „entlassen“: Der Insolvenzverwalter hat es als wertlos eingestuft.

Der Boden ist laut Fachfrau Uhl inzwischen immerhin so weit gereinigt, dass von ihm keine weitere Gefahr mehr fürs Grundwasser droht. Vorausgesetzt jedoch, die Werkshallen gammeln nicht noch weiter vor sich hin.

Nach wie vor schwappt aber eine rund 200 000 Quadratmeter große Schadstoff-Fahne älteren Jahrgangs durchs Grundwasser Richtung Babenhäuser Straße. Deren Sanierung dürfte auf jeden Fall am Land hängen bleiben; einem Käufer des Werksgeländes kann und will das RP sie nicht aufbürden.

Das Hitzel & Beck-Areal ist der zweite ehemalige Metall verarbeitende Betrieb am Bahnhof, der zur Umweltaltlast wurde. Die Sanierung des früheren Eloxalwerks ein paar Meter weiter in der Odenwaldstraße kostete Mitte der neunziger Jahre fünf Millionen Mark. Doch aus dem erhofften „Tor zur S-Bahn“ wurde der Parkplatz der S-Bahn.

Wie eine Altlast vorbildlich saniert werden kann, zeigt sich für Anke Uhl auf dem Bosch-Gelände in Urberach. Dort arbeiten Unternehmen und Behörden bestens zusammen. Aus der ungleich größeren Industriebrache wurde das Märktezentrum.

Quelle: op-online.de

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