Wasser ist der größte Feind

Sanierung der St. Gallus-Kirche wird Millionen-Sache

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Die Decke über dem Hauptschiff der St.Gallus-Kirche ist eine Konstruktion aus Stahlträgern, isolierenden Fasern und Putz. Verwaltungsrat Bardo Suderleith befürchtet, dass Stücke der Decke auf die Gottesdienstbesucher fallen könnten, wenn Regen durch das undichte Dach tropft und die Isolierung schwer vor Nässe macht.  

Urberach - Die St. Gallus-Kirche muss gründlich renoviert werden; auf die Urberacher Katholiken kommen wahrscheinlich Kosten von mindestens einer Million Euro zu. Bis zu seinem 200. Geburtstag soll das 1823 geweihte Gotteshaus wieder tipp-topp dastehen. Von Michael Löw

Wenn Pfarrer Klaus Gaebler und der stellvertretende Vorsitzende des St. Gallus-Verwaltungsrates, Bardo Suderleith, dieser Tage durch die Kirche gehen, wird der Rundgang unweigerlich zur Schadensinspektion. Egal, ob sich ihr Blick zur Decke oder auf den Boden richtet: scheinbar kleine Macken soweit das Auge reicht. Doch die sind alles andere als harmlos. Der größte Feind der Bausubstanz steckt im Boden oder fällt vom Himmel. Wasser lässt Bodendielen aufquellen oder reißen, Fliesen „blühen“ und die Decke scheckig werden. Selbst der grau-schwarze Belag, der sich über mehrere hundert Quadratmeter Wand zieht, stammt nicht - wie man in Kirchen oft annimmt - vom Rauch vieler Kerzen und Opferlichter, sondern von Feuchtigkeit.

„Das Dach wird der teuerste Brocken sein“, sagt Suderleith. Wenn"s stark regnete, musste der Küster schon Eimer während des Gottesdienstes aufstellen. Die Zwischendecke besteht nämlich nur aus Stahlträgern, Isolierung und Putz. Wasser, das durch defekte Ziegel rinnt, durchweicht die Isolierung und macht sie schwer. Im schlimmsten Fall bricht Putz von der Decke. Immerhin muss die Gemeinde nicht das ganze Dach erneuern. Denn bei der letzten Renovierung vor 30 Jahren wurden der Turm und die Seitenflügel gedeckt. Die halten weiterhin dicht. Trotzdem dürfte allein die Dachsanierung mindestens 300.000 Euro kosten.

Der Feuchtigkeit von unten ist nur mit dem Bagger beizukommen. Der muss den Boden rund um die Kirche aufgraben, damit sie von außen isoliert werden kann. Viel Geld brauchen die Urberacher Katholiken auch, um ihr Gotteshaus technisch auf den Stand der Zeit zu bringen. Die Elektroheizung ist ein böser Stromfresser und verschlingt jährlich zwischen 13.000 und 14.000 Euro, rechnet Pfarrer Gaebler vor. Zusammen mit dem Urberacher Architekten und Kirchennachbarn Horst-Peter Knapp bringt Gaebler eine unkonventionelle Idee ins Spiel: Sie schlagen eine Art Kirche in der Kirche vor und wollen die Mutter-Gottes-Kapelle links vom Hauptaltar mit - möglicherweise mobilen - Glaswänden abtrennen und barrierefrei zugänglich machen. Dann müsste für Gottesdienste unter der Woche, zu denen 10, vielleicht auch mal 15 Gläubige kommen, nicht die ganze Kirche geheizt werden. Ähnliches schwebt den Gallus-Verantwortlichen auch für die Rosenkranz-Kapelle auf der anderen Seite vor. Dort wäre Platz für Beichtgespräche oder Andachten im ganz kleinen Kreis.

Aufsteigende Nässe setzt den Bodenfliesen arg zu. Zumindest oberflächlich in Ordnung sind nur die ohne Muster.

Was sagt das Bistum Mainz dazu?, lautet die bange Frage. Denn der Hauptaltar und seine beiden Seitenkapellen waren die Ur-Kirche des großherzoglich-darmstädter Baumeisters Georg Moller und stehen unter Denkmalschutz. Da ist Behutsamkeit oberstes Renovierungsgebot. Knapp will in den kommenden Monaten einen Plan entwerfen, der den zeitgemäßen Forderungen der Gemeinde gerecht wird und Chancen auf den Segen aus Mainz hat. 2017, so die Überlegungen von Pfarrer und Verwaltungsrat wird ein Jahr des Planens, Überlegens und Verhandelns sein. Läuft alles glatt, können die Arbeiten 2018 beginnen. Noch ist offen, ob sie auf einen Schlag oder in Etappen ausgeführt werden. Das eine würde das kirchliche Leben in Urberach stark beeinträchtigen, das andere die Renovierung wahrscheinlich verteuern.

Apropos Geld: „Mit einer Million Euro müssen wir schon rechnen“, gibt Pfarrer Klaus Gaebler eine erste Kostenschätzung ab. Bardo Suderleith ergänzt sie um zwei Worte: „Wenn"s langt!“ Weil das Gotteshaus aber kein x-beliebiger Altbau, sondern das weithin sichtbare Wahrzeichen von Urberach ist, sind beide guter Dinge. Denn anders als im Streit um die Renovierung des Gallusheims oder Abriss und Neubau mitten im Ort halten ihrer Ansicht nach „die Leute zusammen, wenn"s um die Kirche geht“.

Quelle: op-online.de

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