Schafsnase und Gute Luise

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Wohl dem, der zum Transport ein entsprechendes Auto zur Verfügung hatte, doch die meisten Bäume wurden ohnehin gleich auf den Streuobstwiesen am verlängerten Bergweg im Westen von Urberach gepflanzt.

Urberach (chz) ‐ Der erste Rödermärker Obstbaumpflanztag stieß auf gutes Interesse in der Bevölkerung und kam allen Beteiligten zu Gute:

Nach einem ersten Projekt zur Förderung der Streuobstbestände in Mühlheim hatte die Untere Naturschutzbehörde ein neues Projekt gesucht, und da „drängte sich Rödermark mit seiner Geschichte und seiner Kelterei richtig auf“, begründete die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger die Unterstützung.

Geerbt haben Gotthard (77), Michael (49) und Udo (47) Schwarzkopf den schmalen Streifen Land mit Streuobstbäumen – nun haben sie die Chance genutzt, die alten und teilweise absterbenden Bestände wieder aufzufrischen.

So wurden 76 junge Obstbäume finanziert, die Claudia Jäger, Bürgermeister Roland Kern und der Naturschutzbund (NABU) Rödermark ihren neuen Besitzern übergaben. Sie hatten sich mit genauen Wünschen und Lagebezeichnungen anmelden können und bekamen nun so wunderbar klingende Obstbaumsorten wie „Roter Trierer Weinapfel“, „Rheinischer Winterrambour“ oder „Rheinische Schafsnase“ in ihre Obhut. Auch Birnen wie die „Gute Luise“ oder die „Pastorenbirne“, dazu Zwetschgen, Mirabellen, Quitten und Walnussruten - alles säuberlich beschriftet und nach neuen Besitzern vorsortiert - lagen am Ende des Bergwegs.
Die Zivildienstleistenden Jan Berz und Ingo Lemper schnitten meterweise Hasendraht als Bissschutz ab, verkauften Stützpfähle und halfen auch mal beim Transport oder beim Einsetzen in die vorgegrabenen Pflanzlöcher. Ulrike Schmittner von der Unteren Naturschutzbehörde gab derweil Tipps und erläuterte die gleich zu Beginn notwendigen Pflanzschnitte.

Auch die jungen Bäume brauchen einen gründlichen Schnitt

Denn auch wenn es vielen schwer fällt: Die jungen Bäume brauchen noch einen gründlichen Schnitt, sowohl bei den Wurzeln wie bei den Ästen „knapp über den Knospen“ und der Spitze, „damit es eine schöne Pyramidenkrone gibt“. Die Biologin lehrte, wie Schnittlänge und -neigung die kommenden Äste bestimmen und wie notfalls mit Gewichten dem waagrechten Astwuchs nachgeholfen werden kann.

Viele der neuen Baumbesitzer haben schon einschlägige Erfahrung mit der Streuobstpflege, so etwa auch Familie Möller, die noch schnell zu Hause eine Leiter holen musste, da die neuen Setzlinge schon größer als erwartet sind. „Da drüben, der alte abgestorbene Apfelbaum-Stumpen, das war der Ursprung hier unserer Obstwiese“, erinnerte sich Gottfried Möller und pflanzte vier neue Stämmchen.

Impressionen vom Obstbaum-Tag

Obstbaum-Tag am Urberacher Bergweg

Lange Tradition hat auch der Obstbaumbestand in der Familie Schwarzkopf. Gotthard Schwarzkopf, ein Landwirt und Holzwirt, hatte den schmalen Streifen Wiese von seinem Vater geerbt, und seine Söhne - obwohl längst in anderen Berufen - legen kräftig mit Hand an, wenn es um den Erhalt geht. Zwei rheinische Bohnapfel-Bäume („Die Früchte halten sich gut!“) und einen weiteren setzen sie nun neu, Draht, Stöcke und Wasser haben sie von daheim mitgebracht. Der Ertrag der Bäume wird stets eingelagert oder direkt in die namensgleiche Kelterei gebracht.

Ziemlich sauer ist der Urberacher Hans-Dieter Erler über ganz unverfrorene Obstfreunde: „Die Leute meinen, die Äpfel gehören ihnen. Sie sind so dreist, quer über den Acker zu laufen und sich mit einem Eimer zum Pflücken in die Bäume zu setzen!“

Quelle: op-online.de

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