Schiedsrichter im Zickenkrieg

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Die Streitschlichterinnen Laura Kuna (rechts) und Annalena Treutel mit Jessica Krenzer (links).

Ober-Roden - „Du Metallfresse“ ist nun wahrlich kein Kosename für einen Mittelstufenschüler mit Zahnspange. Und wenn ein dermaßen verunglimpftes Gesicht noch als Karikatur durchs Klassenzimmer wandert, ist Zoff vorprogrammiert. Von Michael Löw

Doch die Streithähne gingen nicht mit Fäusten aufeinander los, sondern zusammen in einen winzigen Raum im Obergeschoss der Nell-Breuning-Schule.

Dort haben die Streitschlichter täglich während der zweiten großen Pause Sprechstunde. Laura Kuna, Lisa Löffler, Laura Weigand, Laura Fischer, Annalena Treutel, Anna Leena Prehl, Tobias Krauße, Katharina Schäfer, Katharina Zifferer, Jessica Sobania, Jessica Krenzer, Hasred Sariduman und Clarissa Schmidt schieben im Wechsel Dienst und übernehmen die Schiedsrichterrolle an der NBS.

Ihre Kundschaft ist überwiegend weiblich. „Zwei Mädels zicken sich wegen einer Kleinigkeit an, keine will angefangen haben. Und dann schaukelt sich’s hoch“, schildert Laura Fischer einen typischen Fall. Lehrer sagen dann meist „Gebt Ruhe und vertragt euch!“, für Ursachenforschung oder tiefer gehende Gespräche fehlt ihnen die Zeit. Die Streitschlichter nehmen sie sich.

Ihr Ziel: Die Konfliktparteien sollen ihnen Lösungsvorschläge unterbreiten, einen regelrechten Friedensvertrag unterschreiben und auch einhalten. „Das funktioniert natürlich nur, wenn beide Seiten auch Lust haben, sich zu versöhnen“, sagt Jessica Krenzer. Oft kommen nur die Opfer von Hänseleien, Mobbing oder Schulhof-Schubsereien zu den Schlichtern. Den oder die Übeltäter müssen sie häufig noch suchen und von einem Gespräch in kleiner Runde überzeugen.

Verschwiegenheit garantiert

Die Schlichtertruppe - elf Mädels und zwei Jungs meist aus der zehnten Klasse - haben sich mit Seminaren auf dieses Amt vorbereitet und garantieren Verschwiegenheit. Sind sie sich mit den Streitenden einig, erfahren auch die Eltern nichts davon. So konnten Laura Fischer, Jessica Krenzer, Annalena Treutel und Laura Kuna ohne viel Aufhebens auch „die Sache mit dem Zirkel“ aus der Welt schaffen. Mehr dürfen und wollen sie nicht verraten. Klar scheint aber: Die Spitze besagten Zeicheninstruments steckte nicht nur im Matheheft...

Rektor Jochen Zeller dankte den Schülerinnen und Schülern für ihr Engagement: Es sei natürlich ein gutes Gefühl, anderen helfen zu können. Andererseits verlange die Tätigkeit auch Verzicht auf Freizeit und auch oft die Fähigkeit, sich mit Kritik an der eigenen Tätigkeit auseinander zu setzen.

Ein besonderer Dank gelte auch Lehrerin Esther Schilling, die den jungen Leuten Unterstützung leistet.

Die Streitschlichter sind sich sicher, auch außerhalb der Schule von dieser Tätigkeit zu profitieren. Annalena Treutel (15): „Gut ist, dass ich das, was ich hier gelernt habe, auch im Freundeskreis anwenden kann.“

Quelle: op-online.de

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