Ein Schiffscontainer voller Hilfe

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Der Urberacher Schlossermeister Herold Heu und sein Nachbar Wolfgang Bachmann schicken eine 300 Quadratmeter große Halle, Werkzeuge und Maschinen nach Westafrika.

Urberach (chz) - Eine 300 Quadratmeter große Halle samt vieler Maschinen wollen der Urberacher Schlossermeister Herold Heu (72) und sein Nachbar Wolfgang Bachmann im Frühjahr nach Afrika verschiffen.

In Ghana sollen darin Jugendliche zu Handwerkern ausgebildet werden und ihren Familien ein regelmäßiges Einkommen sichern. Die Halle ist Heus drittes und bislang größtes Afrika-Projekt.

Über seine Verwandtschaft ist Herold Heu zur privaten Entwicklungshilfe gekommen. Sein erster Transport - seinerzeit mit der Firma Stahlbau Herdt - bestand aus einer 200 Quadratmeter großen Halle für Ruanda. Der Seniorchef einer Schlosserei und Kunstschmiede in der Rudolf-Diesel-Straße hatte sie im Seecontainer verschickt. Wegen des Bürgerkriegs in Ruanda hat er das Projekt aus den Augen verloren. Über einen Pater ging eine gleiche Halle auch im Kongo – diesmal mit Stromaggregat, weil’s daran mangelte. Gedacht waren die Hallen stets als Hilfe zur Selbsthilfe.

Aktion Nummer drei

Aktion Nummer drei ist nun eine 300-Quadratmeter-Halle, die probehalber bei einem Nachbarn zusammengebaut wurde und dort auch in den nächsten Monaten in 20-Tonnen-Container verpackt und nach Ghana verschickt wird. Die Maschinen und Materialien für Schreiner und Schlosser sind nicht die allerneuesten, aber dafür ohne elektronisches Know-How problemlos zu handhaben. Alle sind selbstverständlich von Herold Heu überholt und mit den nötigen „Gebrauchsanweisungen“ ausgestattet.

Die Halle wird in der Heimat von Joe Afrivie sehnsüchtig erwartet. Den Aufbau-Plan, mit dem das Fundament ausgemessen wird, hat der Ghanese bei seinem Besuch in Urberach schon mitgenommen.

Herold Heu sucht noch jede Art von Maschinen zur Holz- und Stahlbearbeitung, die er gerne auch abholt und für die Verschiffung aufbereitet. Stahlsägen, Fenstergitter, Bauaufzüge (die noch vom Elektriker überholt werden), Bohrmaschinen und vieles mehr liegen schon bereit. Zu seinen Schätzen zählen auch drei erstklassige Zeichenbretter, die hier der PC-Technik zum Opfer gefallen sind.

„Es kommt ja in gute Hände“

Schließlich liest Herold Heu aufmerksam die Kleinanzeigen mit Blick auf kostenlose oder günstige Angebote: „Es kommt ja in gute Hände; Joe kann das alles“, freut sich der Stahlbauer und hofft auf weitere Spenden.

Fast hatte er sein Engagement schon aufgegeben: „Die jetzige Halle wartet schon drei Jahre auf einen Nutzer. Egal wo man anfragt, Sie bekommen zur Antwort: ‚Dafür sind wir nicht zuständig’ oder es sind ausschließlich Geldspenden erwünscht. Es ist frustrierend, was man da alles erlebt.“

Dann bekam er fast per Zufall neuen Antrieb über seinen Nachbarn Wolfgang Bachmann, Seniorchef eines Kunststoff verarbeitenden Betriebes in der Rudolf-Diesel-Straße. Der ehemalige Brötchengeber von Joe Afrivie hat immer noch engen Kontakt zu dem Ghanesen und sogar den Schulförderverein „Springs of Life“ (Quellen des Lebens) gegründet.

Kontakt: Wolfgang Bachmann, Am Feldrand 7, 64853 Otzberg; Tel: 0171 7716617 (Förderverein); Herold Heu, Tel: 06074 862690, (Werkbänke, Maschinen und dergleichen).

Dem Förderverein gehören bisher sieben Vorstandsmitglieder und ihre Familien an. „Wir möchten gerne von der Entwicklungshilfe gefördert werden. Vielleicht gehen auch mal Menschen von hier nach Ghana, um dort zu helfen, Senioren etwa, die dort in der Ausbildung helfen: Wir wollen schließlich nach deutschen Standards ausbilden“, sagt Bachmann.

Quelle: op-online.de

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