Schiffswerft im Hobbykeller

+
Seit mehr als 20 Jahren baut Raimund Schultz Schiffsmodelle wie die 91 Zentimeter lange „Drumbeat of Devon“. Sieht man einmal von den Ausfahrten auf dem Schlossweiher in Heusenstamm ab, ist der Modellbau sein Winterhobby. Der Sommer gehört seinem Haus und der Meteorologie.Vier seiner Schiffe stellt Raimund Schultz bis Ende Juni im alten Torbogen des Ober-Röder Rathauses aus.

Urberach - Mindestens einmal im Leben muss ein Jazzer in New Orleans gewesen sein. Raimund Schultz, Mitbegründer des Jazzclubs Rödermark/Rodgau, besuchte die Stadt am Mississippi 1985 und brachte ein Hobby mit nach Hause, das mit Musik nicht das Geringste zu tun hatte: den Schiffsmodellbau. Der Schaufelraddampfer „Natchez“ war schuld an seiner neuen Leidenschaft. Von Michael Löw

Zurück in Urberach, baute Raimund Schultz die „Natchez“ im kleineren Format, aber immerhin auch noch knapp einen Meter lang, nach. Zweieinhalb Jahre brauchte er: „Jede Planke am Rumpf und an den Aufbauten habe ich von Hand aufgezogen.“ Kein Wunder also, dass der Stolz seiner mittlerweile neun Schiffe großen Flotte nicht ins Wasser darf. Würde die „Natchez“ kentern, versänken unzählige Arbeitsstunden im Heusenstammer Schlossweiher.

Die „Natchez“

Dort trifft sich der 70-Jährige donnerstagmittags mit anderen Rentnern und Pensionären des MSC Heusenstamm und lässt schwimmfähige Modelle wie das Fischereischutzboot „Drumbeat of Devon“ oder ein Feuerwehrboot mit funktionierender Löschkanone zu Wasser. „Das ist immer ein Riesen-Gag, wenn man die Zuschauer nass spritzt“, freut sich Schultz geradezu diebisch.

Er sei mit zwei rechten Händen gesegnet, umschreibt er seine handwerklichen Fähigkeiten. Bevor er 1962 beim Deutschen Wetterdienst anfing, absolvierte er eine Schlosserlehre. Mit weniger massiven Materialien wurde er als junger Mann vertraut, der sich dem Luftsportclub seiner Heimatstadt Wuppertal anschloss: „Um fliegen zu dürfen, mussten wir Baustunden leisten. Damals lernte ich das Bespannen von Modellen.“ Sein Haus im Urberacher Dohlenweg hat er von 1975 bis 1978 übrigens komplett in Eigenregie gebaut.

Raimund Schultz arbeitete 42 Jahre beim Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Zuletzt war er zuständig für alle Wetterstationen in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Sein Beruf wurde nach der Pensionierung zum nächsten Hobby: Er führt Besucher durch den Wetterpark in Offenbach und erläutert meteorologische Phänomene und Geräte wie Wetterballons und Radiosonden.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare