Schlagkraft der Wehr in Gefahr

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Rödermarks freiwillige Feuerwehrleute sind gut ausgebildete Spezialisten. Tobias Hesse und Frank Schneider beweisen‘s auf der Atemschutzstrecke in Ober-Roden.

Rödermark (lö) ‐ Kann die Freiwillige Feuerwehr zehn Minuten nach dem ersten Alarm jeden Punkt des Stadtgebiets mit einem schlagkräftigen Einsatztrupp erreichen? Kritisch könnte das beispielsweise im Breidert werden.

Die Frage nach der Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfrist ist einer der zentralen Punkte im Brandschutzbedarfs- und -entwicklungsplan. Die Ausschüsse berieten diese Woche über den Entwurf von Stadtbrandinspektor Waldemar Schrod. Nach mehr als sechs Jahren Diskussion soll der Plan im Februar vom Stadtparlament beschlossen werden.

Eine am Ortsrand gelegene Feuerwache, die Schranken in der Dieburger Straße, ein oft verstopfter Rödermark ring, Feuerwehrleute, die weit außerhalb von Rödermark arbeiten: Schrod nennt in seinem Entwurf zahlreiche Faktoren, die die so genannte Tagesalarmsicherheit gefährden können. Schwierigkeiten könne es auch geben, wenn nach dem Umbau der Ober-Rodener Hauptstraße Feuerwehrleute auf dem Weg zur Wache nicht an einem wartenden Bus vorbei kommen. Ihre privaten Autos haben schließlich weder Martinshorn noch Blaulicht.

Nur noch zehn Mann in Urberach

Mit 33 Feuerwehrleuten sei die Einsatzstärke in Ober-Roden am Tag „noch ausreichend“. Die Hälfte von ihnen arbeite jedoch im Servicebereich und stehe bei einem Alarm nicht sofort zur Verfügung. In Urberach ist die notwendige Stärke „nicht gegeben“, steht im Entwurf. Nur noch zehn Mann arbeiten im Ort, aber auch sie sind nicht alle sofort abkömmlich. Erste Konsequenzen hat der Stadtbrandinspektor schon gezogen: Wenn‘s tagsüber in Urberach brennt, wird die Ober-Röder Wehr automatisch mitalarmiert.

63 Mal konnte die Feuerwehr Rödermark zwischen 2000 und September 2009 die Zehn-Minuten-Frist nicht einhalten, schlägt Schrod Alarm. Gravierende Folgen hatte das offenbar nicht, doch manche Ausschussmitglieder stellten sich die „Was wäre, wenn...?“-Frage. Hans Gensert (FDP) erinnerte an einen Brand im Breidert-City-Center, bei dem 1998 ein dreijähriger Junge starb. Damals stürmte der erste Löschtrupp schon acht Minuten nach dem Alarm in die Wohnung. Heute würden die Retter vielleicht am Bahnübergang kostbare Zeit verlieren.

Personalkosten müssen eingespart werden

Gensert und Bürgermeister Roland Kern regten an, bei Bränden im Breidert oder Unfällen auf der B 45 die Eppertshäuser Feuerwehr mitzualarmieren. „Wir müssen die Hilfezeiten einhalten, ohne unsere Finanzen durch zusätzliches hauptamtliches Personal zu belasten“, erklärte der SPD-Fraktionsvorsitzende Armin Lauer. Zur Zeit beschäftigt die Stadt im Brandschutz vier Mitarbeiter.

Verstärkte Werbung für die Feuerwehr könnte ein Mittel gegen die Personalknappheit sein, darüber sind sich Stadtbrandinspektor und Politiker weitgehend einig. Die Stadt müsse Firmen motivieren, Feuerwehrleute bei einem Alarm sofort freizustellen. Das kann aber nur funktionieren, wenn Chefs einsehen, dass auch ihr Betrieb einmal auf schnelle Hilfe angewiesen sein kann.

Neue Fahrzeuge müssen nach Ansicht des Stadtbrandinspektors so beschaffen sein, dass auch eine vergleichsweise kleine Besatzung mit ihnen möglichst effektive Hilfe leisten kann. In Ober-Roden sollen der Gefahrgutwagen aus dem Jahr 1980 und der ebenfalls 29 Jahre alte Messwagen in den Jahren 2011 und 2012 ersetzt werden.

Urberacher bekommen neues Löschfahrzeug

Die Urberacher Feuerwehr bekommt bereits nächstes Jahr ein neues Löschfahrzeug. „Langfristig reduzieren wir damit den Fuhrpark in Urberach von drei auf zwei Großfahrzeuge und sparen laufende Kosten“, verteidigte der Bürgermeister die Entscheidung des Magistrats. Nach Auffassung von Land, Kreisbrandinspektor und Stadtbrandinspektor hätte ein kleineres Modell gereicht.

Unterschiedliche Auffassung der Stadtteil-Feuerwehren zum Fuhrpark und zur technischen Ausstattung waren mit schuld an der langen Diskussion. Der Magistrat hatte bereits im November 2003 die Aufstellung eines Brandschutzbedarfs- und Entwicklungsplanes beschlossen. Jetzt endlich haben die Parlamentarier einen 70-seitigen Entwurf zur Entscheidung in der Hand. Nach Ansicht von Tobias Kruger (CDU), dem Vorsitzenden des Ausschusses für Bauen, Umwelt, Sicherheit und Infrastruktur enthält das Papier „viel weniger Brisantes“ als er nach der schier endlosen Debatte befürchtet hatte.

Quelle: op-online.de

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