Kriminalstatistik 2016:

Rödermark als Schlusslicht der Sicherheits-Rangliste

Rödermark - Rödermark ist in der Kriminalstatistik für den Kreis Offenbach auf den letzten Platz aller 13 Kommunen zurückgefallen. Die Zahl der Verbrechen stieg um fast 50 Prozent auf 1 975. Verantwortlich dafür ist eine Betrugsserie mit mehreren hundert Einzelfällen. Sie verhagelt der Polizei die Bilanz. Von Michael Löw 

Der Leiter der Polizeistation Dietzenbach, Erster Polizeihauptkommissar Klaus Hofmann, und der Chef der ebenfalls in Dietzenbach untergebrachten Ermittlungsgruppe, Erster Kriminalhauptkommissar Michael Berkefeld, analysierten im Gespräch mit unserer Zeitung die Kriminalstatistik 2016. Die sähe für Rödermark ganz gut aus - wäre da nicht eine Betrügerbande gewesen, die seit 2010 Opfer in ganz Deutschland suchte. Die Gangster operierten von Ober-Roden aus und versprachen riesige Gewinne. Doch wer auf die ebenso dreiste wie bekannte Masche hereinfiel, ging leer aus. Hofmann spricht von einer „hohen dreistelligen Fallzahl“; oft blieb"s zum Glück nur beim Versuch. 2016 konnten seine Kollegen den Fall endlich abschließen, was der Statistik einen Ausreißer bescherte: Die Zahl der Vermögensdelikte schoss von 470 im Jahr 2015 auf 1 124 im vorigen Jahr nach oben.

Die Polizei registrierte 2016 in Rödermark 1 975 Straftaten, so viel wie seit mehr als Jahren nicht mehr. 2015 waren"s nur 1 304. Wie sicher oder unsicher eine Stadt ist, macht die Polizei an der Häufigkeitszahl fest. Das ist auf 100.000 Einwohner hochrechnete Zahl der Verbrechen: Sie lag in Rödermark bei 7250 (2015: 4851, 2014: 4141). Damit rutscht Rödermark in der Sicherheits-Rangliste der 13 Kreiskommunen vom achten auf den letzten Platz. Hofmann und Berkefeld wollen den Ausreißer indes nicht dramatisieren. Ohne die Betrugsserie läge die Häufigkeitszahl bei 3 638 und damit ungefähr auf dem Niveau von Egelsbach oder Seligenstadt.

Andererseits hat das Ende der Betrügereien die Aufklärungsquote auf rekordverdächtige 77,2 Prozent (2015: 66,1 Prozent, 2014: 57,5 Prozent) gebracht. „Das ist besser als in Bayern“, weist Hofmann darauf hin, dass Statistiken immer nur Momentaufnahmen sind. Wichtiger ist ihm, dass die Rohheitsdelikte (Raub, räuberische Erpressung, Körperverletzung und Bedrohungen) zu fast 94 Prozent aufgeklärt wurden. Zum zweiten Mal hintereinander wurden 2016 weniger Wohnungseinbrüche angezeigt: nämlich 48 (2015: 52, 2014: 79). Ebenfalls erfreulich für die Polizei: 19 mal gaben die Einbrecher auf oder wurden gestört. Mit 27,1 Prozent (2015: 17,3 Prozent) liegt die Aufklärungsquote aber nach wie vor weit unterm Schnitt aller Delikte. Das tut weh, denn kaum ein Verbrechen hinterlässt bei den Opfern so viel Hilflosigkeit und Ohnmacht wie das Wissen, dass Fremde im Haus waren.

Maden und Müllsäcke: Unterwegs mit einem Tatortreiniger

Autos gerieten 2016 häufiger als zuvor ins Visier von Gangstern. Sechs verschwanden komplett - meist Richtung Osteuropa. 56 (2015: 42) wurden aufgebrochen. Die Autoknacker hatten es - wir berichteten immer wieder darüber - fast nur auf Navigationsgeräte und andere teure Elektronik von BMW-Modellen abgesehen. Geschnappt werden diese Profibanden so gut wie nie.

Dass die Polizei 94,2 Prozent aller Rauschgiftdelikte klärt, führt Berkefeld auf zwei Gründe zurück: Zum einen machen die Beamten Druck auf bekannte Gruppen, zum andern kontrollieren sie häufiger. Wer unter Drogen Auto fährt, ist seinen Lappen los. Was das oft junge Klientel laut Berkefeld nicht weiß: Um ihn wiederzukriegen, verlangt die Führerscheinstelle Gutachten und den berühmt-berüchtigten „Idiotentest“. Das summiert sich schnell auf ein paar tausend Euro. Auch Aggression am Steuer meldet die Polizei weiter, die Konsequenzen sind gleich teuer.

Apropos Aggression: Die schlägt Polizisten auch im beschaulichen Rödermark entgegen, wenn sie bestimmte Gruppen Jugendlicher oder junger Erwachsener kontrolliert. An der „Spalt-Tablette“ in Ober-Roden treffen sich 16- bis 25-Jährige. Auf die hat die Polizei ein Auge. Auch wenn die Beamten zu hören bekommen: „Du kannst mir nichts, du Scheißbulle!“

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op

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